Engagement und Indifferenz. Kirchenmitgliedschaft als soziale Praxis

V. EKD-Erhebung über Kirchenmitgliedschaft

2. Religiöse Kommunikation und ihre soziale Einbettung

Birgit Weyel, Gerald Kretzschmar, Jan Hermelink

Das individuelle Verhältnis zur Kirche soll in der V. KMU nicht nur durch Fragen nach der Verbundenheit mit der Institution, nach typischen Erfahrungen und Einstellungen erhoben werden, sondern Kirchenmitgliedschaft soll darüber hinaus als eine soziale Praxis verstanden und nachgefragt werden.

Viele Fragen in der KMU zielen bereits auf Kirchenmitgliedschaft als soziale Praxis. Dazu gehören Fragenkomplexe, die die religiöse Sozialisation oder die Beeinflussung durch Familie, Freunde u. a. berühren. Ergänzend soll die Wechselseitigkeit bzw. Interaktivität der religiösen und kirchlichen Praxis nun stärker in den Blick kommen. Die Beziehung zur Kirche wird somit nicht primär als ein »mehr« oder »weniger« an Verbundenheit, Beteiligung oder Überzeugung hinsichtlich einer immer schon feststehenden Größe verstanden, sondern als eine Praxis der beteiligten Menschen, die diese als ihre je eigene Mitgliedschaft gestalten. Der Einzelne wird so als ein Akteur gesehen, der stets in vielfältigen Beziehungsgefügen steht, in die seine kirchliche Mitgliedschaftspraxis eingebettet ist.

Mitgliedschaft als soziale Praxis fragt daher insbesondere nach Interaktionen, die sich auf einer »Zwischen ebene« zwischen den Individuen und der Institution – in typischen Kommunikationsmustern und Sozialitätsformen – vollziehen und auf diese Weise Einstellungen und kirchliche Partizipation prägen. Im Folgenden geht es nun um einen wesentlichen Teilaspekt von Kirchenmitgliedschaft als sozialer Praxis: die Frage der religiösen Kommunikation und ihrer sozialen Einbettung.

2.1. Welche Themen sind religiös?

Religion ist wesentlich kommunikativ verfasst. Was als Religion identifiziert wird, steht nicht einfach fest. Ob ein Thema im Gespräch als religiös wahrgenommen wird oder nicht, hängt vielmehr wesentlich davon ab, ob die Beteiligten dieses Thema als religiös verstehen. Daher wurde ein Set an religionsaffinen Themen angeboten, die auf einer Vierer-Skala danach bewertet werden konnten, inwieweit sie für die Befragten ein religiöses Thema sind oder nicht. Dabei wurde bewusst auf eine Semantik verzichtet, die bereits religiös konnotiert ist. Es wurde daher nach Natur und nicht etwa nach Schöpfung, nach dem Tod und nicht nach Endlichkeit etc. gefragt (Grafik 1).

Der Tod, die Entstehung der Welt und ethische Fragen im Umfeld des Lebensendes sind die Themen, die von den Befragten am stärksten als religiöse Themen verstanden werden. Die Frage nach dem Sinn des Lebens wird ebenfalls von vielen als religiöses Thema eingestuft. Werte wie Gerechtigkeit, Freiheit und Frieden werden deutlich weniger als religiöse Themen betrachtet. Überraschend gering religiös konnotiert ist das Thema Natur.

Beim Thema Tod gibt es alterspezifische Unterschiede. Für die Gruppe der 14- bis 17-Jährigen ist der Tod überwiegend kein religiöses Thema (67% = eher kein bzw. kein religiöses Thema). Bei der Gruppe der Hochaltrigen (75 +) geben über zwei Drittel der Befragten an, dass der Tod ein religiöses Thema (50%) bzw. eher religiös (19%) sei. Generell lässt sich zeigen, dass die religiöse Qualität der Themen bei den Älteren höher eingeschätzt wird als bei den Jüngeren. Bei den Werten (Gerechtigkeit, Freiheit, Frieden) ist allerdings die alterspezifische Differenz weniger ausgeprägt als bei der Todesthematik.

Starke Differenzen gibt es erwartungsgemäß zwischen evangelischen Kirchenmitgliedern und Konfessionslosen. Von diesen werden die Themen in anderer Reihenfolge als religiös gekennzeichnet. Anfang und Ende der Welt werden von mehr Konfessionslosen als religiöses Thema gekennzeichnet (19%) als der Tod (15%). Die anderen Themen charakterisieren lediglich 6 bis 12% der befragten Konfessionslosen als (eher) religiös. – Geschlechtsspezifische Unterschiede sind nicht auszumachen. Das gilt auch bei der Frage nach der Geburt eines Kindes.

Fazit: Der Tod wird von vielen Menschen als religiöses Thema wahrgenommen. Insbesondere bei den über 75-Jährigen ist der Tod ein religiöses Thema.

1.1 Wie hältst Du es mit der Religion?

1.1.1 Religiöse Kommunikation in existenzieller Perspektive

Die Frage nach dem Sinn des Lebens hat auch in religionstheoretischer Perspektive eine besondere Nähe zur Religion. Allerdings gilt auch hier, dass nicht jedes Sprechen über den Sinn des Lebens religiös sein muss, sondern es auf religiöse Konnotationen und den Transzendenzbezug der Sinndeutungen aus der Sicht der Beteiligten ankommt. Bei der Auswertung dieser Frage ist auch zu beachten, dass ihre Beantwortung vermutlich sehr stark von den Bildungsvoraussetzungen der Befragten abhängt.

Es wurde auch gefragt, ob, mit wem, wie häufig und bei welchen Gelegenheiten der Sinn des Lebens Thema wird. Diese Frage wurde existenziell zugespitzt, indem nach dem Sinn des je eigenen Lebens gefragt wurde. Es gibt allerdings, ausweislich der Ergebnisse, eine große Nähe zwischen dem »Sprechen über religiöse Themen« und »dem Austausch über den Sinn des eigenen Lebens«.

Hinsichtlich der Netzwerke religiöser Kommunikation ist zu erkennen: Eine wichtige Rolle spielen die persönliche Religiosität, die Kirchenverbundenheit und die Relevanz von Gebet und Gottesdienstbesuch. Je religiöser eine Person sich selbst sieht und je verbundener sie sich der Kirche fühlt, desto häufiger kommuniziert sie über religiöse Themen bzw. den Sinn ihres Lebens und desto wichtiger ist ihr dieser Austausch.

65% aller Befragten geben allerdings an, nie über den Sinn ihres Lebens zu sprechen. 36%, der Befragten antworten hier positiv: 2% tauschen sich häufig über den Sinn ihres Lebens aus, 12% gelegentlich und 21% selten.

Von den evangelischen Befragten geben 43% an, sich häufig, gelegentlich oder selten mit anderen über den Sinn des eigenen Lebens auszutauschen. Immerhin sind es aber auch 26% der Konfessionslosen, die über den Sinn des eigenen Lebens sprechen.

1.1.2 Wie religiös ist der Austausch über den Sinn Ihres Lebens?

Dabei sehen Evangelische das Gespräch über die Sinnfrage religiöser, als dies Konfessionslose tun: Etwa die Hälfte (50%) der Evangelischen, die sich über den Sinn ihres Lebens austauschen, sagt, dass dieser Austausch sehr oder eher religiös ist; bei den Konfessionslosen sind es nur 2%. Von der anderen Hälfte der Kirchenmitglieder wird ein religiöser Sinnaustausch nicht bestätigt (37% eher nicht religiös, 14% gar nicht religiös).

Der Sinn des Lebens ist ein Thema, das vor allem mit dem Lebenspartner/der Lebenspartnerin (Ehepartner/ in oder feste Freundin/fester Freund) zur Sprache kommt (Grafik 2). Es gehört nicht einfach in »die Familie«, sondern ist ein persönliches, offenbar als intim empfundenes Thema, das in erster Linie mit dem Partner/der Partnerin besprochen wird, dann auch mit Freunden. Erst an dritter Stelle wird die Familie genannt, wobei der Familienbegriff ein Ensemble an möglichen Beziehungen umfassen kann: Eltern-Kind-Beziehungen, Großeltern-Enkel, Patenonkel-Patenkind und vieles andere mehr, je nach Verständnis des bzw. der Befragten.

Über den Bereich von Lebenspartnern, Freunden und Familie, also dem Kreis der persönlich Vertrauten hinaus kommt für die religiöse Kommunikationen auch die Kirchengemeinde in den Blick. Andere Gemeindeglieder und Mitarbeiter (auch Pfarrer/Pfarrerin) werden immerhin von jeweils ca. 20% derjenigen, die sich mindestens selten über den Sinn ihres Lebens unterhalten, als Gesprächspartner und -partnerinnen genannt. Auch wenn es sich um kleinere Zahlen handelt, so ist doch interessant, dass auch Nachbarn und Kollegen in den Austausch über den Sinn des Lebens einbezogen werden.

Zwei gruppenspezifische Differenzierungen können festgehalten werden:

  • Personen ohne (Ehe-)Partner tauschen sich häufiger mit Freunden (77%) und mit der Familie (48%) über den Sinn ihres Lebens aus. Bei dieser Gruppe spielen auch Kollegen eine größere Rolle als im Gesamtdurchschnitt (17%).
  • Menschen, die nicht erwerbstätig sind, sprechen häufiger als Erwerbstätige mit kirchlichen Mitarbeitenden und mit Nachbarn. In der Gruppe der Nichterwerbstätigen sind überwiegend ältere Menschen. Es ist zu vermuten, dass für sie der Kontakt zur Kirchengemeinde und damit zu kirchlichen Mitarbeitenden möglicherweise eine größere Rolle spielt.

Online-Bekanntschaften und Zufallsbekanntschaften sind für den Austausch über den Sinn des eigenen Lebens hingegen irrelevant.

Fazit: Der privat-vertraute Kontext, besonders Ehepartner und -partnerinnen, spielt für den Austausch über den Sinn des eigenen Lebens die mit Abstand wichtigste Rolle. Für Singles sind Freunde die wichtigsten Gesprächspartner. Gesprächspartner aus dem kirchlichen Kontext spielen bei diesem Austausch zwar eine geringere Rolle, aber sie fungieren doch als Scharnier zwischen den privaten und den kirchlich-institutionellen Kontexten religiöser Kommunikation; und sie scheinen für diejenigen, denen sonstige enge Kontakte durch Familie und Partner fehlen, z. B. ältere, allein lebende Menschen, besonders wichtig zu sein.

Dieser Befund wird sehr gut verständlich vor dem Hintergrund der alltagsweltlichen Situierung der Religion, auf die etwa im Zusammenhang der Alltagsseelsorge hingewiesen wurde. 2 Man kann diese Einbettung religiöser Kommunikation in den Alltag und seine Strukturen als Wahrnehmung des Priestertums aller Gläubigen verstehen. Die Frage nach dem Sinn des Lebens, die deutlich existenziell dimensioniert ist, wird nicht als abstrakter Diskurs geführt, sondern ist in die Alltagswelt eingebettet und in erster Linie hier institutionalisiert, bevor sie ein Thema im Austausch mit professionellen Experten wird.

2.2.3 Bei welchen Gelegenheiten wird über Religion gesprochen?

Die Einbettung in die Strukturen der Lebenswelt zeigen auch die Ergebnisse zu den Gelegenheiten und Orten sowie den Medien jener Kommunikation. 83% tauschen sich über den Sinn des eigenen Lebens im direkten persönlichen Gespräch aus. Die bevorzugten Orte zeigt Grafik 3.

Der Austausch über den Sinn des eigenen Lebens erfolgt in erster Linie und mit deutlichem Abstand zu anderen Gelegenheiten zu Hause. Weitere Gelegenheiten für diesen Austausch bieten Formen der individuellen Freizeitgestaltung (z. B. Treffen mit Freunden, Fitnessstudio). Eher sporadisch bietet auch die Kirche eine Gelegenheit für den Austausch über den Sinn des eigenen Lebens. Kirchliche Dienste (Beratungsstellen, Telefonseelsorge etc.) sind hier statistisch nicht relevant, auch wenn sie, wie wir wissen, eine unverzichtbare Funktion für viele Menschen in Not haben. Internetbasierte neue Medien und Social Media spielen für die religiöse Kommunikation zwar eine Rolle, aber ihre Nutzung ist sehr stark altersabhängig. Soziale Netzwerke werden nahezu ausschließlich in der Gruppe der 14- bis 17-Jährigen als Medien des Austauschs angegeben.

Fazit: Auch hinsichtlich ihrer Formen, Orte und Gelegenheiten ist die religiöse Kommunikation über die Lebenssinnfrage eindeutig in den privaten Kontext eingebettet.

2.3. Partner und Netzwerke religiöser Kommunikation

2.3.1 Wer spricht mit wem wie oft über religiöse Themen?

Zwei Fragen zeigen die grundsätzliche Bedeutung, die der Austausch über religiöse Themen hat. So geben 44% der evangelischen Befragten an, sich häufig, gelegentlich oder selten mit anderen über religiöse Themen auszutauschen. 56% geben an, dies nie zu tun. Dieser Wert ist sehr schwer einzuschätzen, schließlich liegen keine Vergleichsdaten darüber vor, wie häufig sich die Befragten mit anderen über weitere Themen wie z. B. Beruf, Freizeitgestaltung, Ehe und Familie austauschen.

Möglicherweise lässt sich dieser Befund so interpretieren: Der Austausch über religiöse Themen ist den Befragten zwar wichtig. Aber daneben gibt es noch weitere Themen, über die sich die Befragten mit anderen austauschen. Von denjenigen, die angeben, sich häufig, gelegentlich oder selten über religiöse Themen mit anderen auszutauschen, 63% angeben, dies sei ihnen sehr bzw. eher wichtig. Die verbleibenden 37% dieser Gruppe finden dagegen den Austausch über religiöse Themen eher nicht bzw. gar nicht wichtig. Im Austausch mit anderen kommt religiösen Themen, wenn sie denn angesprochen werden, offenbar eine hohe Relevanz zu. Sie dürften zwar nicht zu den Favoriten unter den Gesprächsthemen zählen. Unwichtig sind sie wohl aber auch nicht.

Durch die Angaben zu den Partnern des Austauschs über religiöse Themen können Aussagen darüber getroffen werden, mit wie vielen Menschen (=Alteri) eine Person (=Ego), über religiöse Themen spricht (Grafik 4).

Die Fallzahlen deuten an, dass Netzwerke religiöser Kommunikation sehr klein und sehr dicht sind. In erster Linie handelt es sich um bilaterale Beziehungen. 69% nennen einen Gesprächspartner, 22% zwei, 9% drei. Nach Angaben der Befragten kennen sich diese Gesprächspartner untereinander in der Regel gut. Das spricht dafür, dass religiöse Kommunikation da geschieht, wo lebensweltliche Beziehungen bestehen, die von Nähe und Vertrauen geprägt sind.

Die Partner des religiösen Austauschs sind nahezu ausschließlich evangelisch: Für die Gesprächspartner liegen die Werte der evangelischen Konfessionszugehörigkeit jeweils bei rund 90%. Der Eindruck konfessioneller Geschlossenheit wird gestützt durch die Tatsache, dass nur wenige der befragten Konfessionslosen sich über religiöse Themen austauschen (nie: 87%) und auch bei der Netzwerkfrage nur wenige Alteri nennen.

Spannend ist zudem, dass die Austauschpartner der Konfessionslosen überwiegend evangelisch sind (54%, Grundgesamtheit n=41 ungewichtet; katholisch sind 17%, muslimisch 12%, konfessionslos 10%).

Ein eindeutiges Ergebnis zeigt die Frage nach dem Grad der Verbundenheit mit den Personen, mit denen man sich über religiöse Themen austauscht. Über 90% der Befragten fühlen sich mit den Personen, mit denen sie sich über religiöse Themen austauschen, sehr oder eher verbunden. Und ebenfalls rund 90% der Befragten geben an, selten oder nie Spannungen und Konflikte mit den Partnern ihres religiösen Austauschs zu haben.

Die relativ niedrigen Fallzahlen für Alteri könnten im Übrigen durch eine Einschränkung in der Fragestellung erklärt werden. So wurden die Befragten gebeten, nur diejenigen Partner zu nennen, mit denen sie sich in den vergangenen zwei Monaten über religiöse Themen ausgetauscht haben. Das ist ein verhältnismäßig kurzer Zeitraum.

Wie schon beim Austausch über den Sinn des eigenen Lebens fällt auch hier im Blick auf die Beziehung zu den Alteri die hohe Bedeutung auf, die Ehepartner/Ehepartnerinnen bzw. Lebenspartner/Lebenspartnerinnen spielen (Grafik 6). Als "Wahlverwandte" sind für den Austausch über religiöse Themen zudem auch Freunde wichtig. Die Herkunftsfamilie (Vater, Mutter, Bruder, Schwester, andere Verwandte) dagegen spielt für den Austausch über religiöse Themen bei Erwachsenen nur eine marginale Rolle. Es lässt sich also deutlicher differenzieren zwischen der Familie, die für die religiöse Sozialisation eine wichtige Rolle spielt, und den gegenwärtigen Partnern und Freunden, die für die religiöse Kommunikation wichtiger sind.

Bei einer konkreten Form religiöser Praxis wie z. B. dem Gottesdienstbesuch verhält sich das allerdings etwas anders. Es wurde auch danach gefragt, wer mit wem den Gottesdienst besucht, wenn man ihn denn gemeinsam mit anderen besucht (das sind 79% derjenigen, die gelegentlich - mehr als einmal im Jahr - einen Gottesdienst besuchen). Bei diesen Befragten, die angeben, gelegentlich den Gottesdienst mit anderen zu besuchen, rangieren als begleitende Personen mit 34% zwar ebenfalls die Ehepartner an erster Stelle. Doch mit 27% folgt nun die Familie und erst an dritter Stelle stehen Freunde und Bekannte (15%).

Von den evangelischen Kirchenmitgliedern besuchen 55% den Gottesdienst häufiger als einmal im Jahr. Sie wurden gefragt, mit wem sie in den Gottesdienst gehen: "Gehen Sie alleine oder mindestens gelegentlich mit anderen in den Gottesdienst?" Von diesen Personen gehen 22% immer alleine, 79% zumindest gelegentlich mit anderen in den Gottesdienst. Auch hier gibt es signifikante Binnendifferenzen: Bei Evangelischen in fester Beziehung wird der (Ehe-)Partner als häufigster Gottesdienstbegleiter genannt (95% Ja-Antworten), dann folgt die Familie (61%). Bei Singles hingegen stehen an zweiter Stelle nach der Familie (73% Ja-Antworten) die Freunde: 53% geben an, mit ihren Freunden oder Bekannten gelegentlich den Gottesdienst zu besuchen (bei Nichtsingles sind es nur 32%). Auch die Nachbarn sind hier wichtige Gottesdienstbegleiter: 38% der Singles gehen mit ihnen in den Gottesdienst, bei Nichtsingles sind es nur 18%. Arbeitskollegen spielen für Erwerbstätige zwar keine große Rolle, aber immerhin 6% besuchen miteinander den Gottesdienst.

Fazit: Der Austausch über religiöse Themen erfolgt vor allem gleichsam unter Wahlverwandten, das heißt allen voran unter (Ehe-) Partnern sowie Freunden und Bekannten. Für Singles ist eine hohe Bedeutung von Freunden und auch Nachbarn festzuhalten; auch hier ist Vertrautheit mit den Gesprächspartnern ein wichtiges Kriterium. Nahezu alle, die an dem Austausch über religiöse Themen beteiligt sind, kennen sich untereinander - das spricht für sehr dichte Netzwerke unter Evangelischen.

Der Gottesdienst wird vor allem im Rahmen familiärer Beziehungen gemeinsam besucht. Anders als bei der religiösen Kommunikation spielen Freunde hier eine geringere Rolle.

2.3.2 Medienbasiert oder face-to-face?

Vor dem Hintergrund des gegenwärtig sich vollziehenden Medienwandels, vor allem der zunehmenden Bedeutung internetbasierter Kommunikationsformen im beruflichen und öffentlichen Leben, haben wir nach den Formen und Medien religiöser Kommunikation, genauer: des Austauschs über religiöse Themen gefragt. Das Ergebnis mag angesichts der zunehmenden Bedeutung internetbasierter Kommunikation überraschen: Der Austausch über religiöse Themen erfolgt nahezu ausschließlich im direkten persönlichen Gespräch. Für den individuellen Austausch über religiöse Themen sind internetbasierte Kommunikationswege und damit auch internetbasierte soziale Netzwerke, sieht man von der Gruppe der Jugendlichen ab, nicht wichtig.

Das Medienverhalten ist allerdings einem dynamischen Wandel unterworfen. Neben Alters- und Kohorteneffekten spielen auch Entwicklungen auf dem Medienmarkt sowie neue technische Geräte (Tablet, Smart-TV usw.) eine wichtige Rolle. Insgesamt wird man mit einer deutlichen Zunahme internetbasierter Kommunikation rechnen sowie typenspezifisches Nutzungsverhalten detaillierter analysieren müssen. Auch zwischen sozialen Netzwerken, Internettelefonie und (ggf. auch interaktiven) Informationsportalen wird man genauer unterscheiden müssen. Dennoch: Wie die Kirche internetbasierte Kommunikationswege wahrnimmt, auf welche Weise sie sie nutzt und ihnen Bedeutung beimisst, sollte auf dem Hintergrund dieses Ergebnisses künftig intensiv bedacht werden. Neben den Chancen, die internetbasierte Kommunikation bieten kann, sollten auch ihre Grenzen für die private religiöse Kommunikation gründlich reflektiert werden.



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