Unser tägliches Brot gib uns heute

Neue Weichenstellung für Agrarentwicklung und Welternährung. Eine Studie der Kammer der EKD für nachhaltige Entwicklung. Mai 2015

Vorwort

Als Christinnen und Christen glauben wir an den einen Gott, der alle Menschen als seine Kinder ansieht, für die er ein »Leben in Fülle« will (Joh 10,10). Er leidet mit und in jedem Menschen, dem das tägliche Brot verweigert wird. Im Hungernden begegnet uns Jesus Christus selbst (Mt 25,35) und fordert uns zu Barmherzigkeit und Solidarität heraus.

Als Christinnen und Christen dürfen wir uns nicht mit dem Skandal abfinden, dass nach den neuesten Zahlen der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) noch immer 805 Millionen Menschen bedrohlich chronisch unterernährt sind. Viele Experten und Expertinnen gehen davon aus, dass das Ausmaß des Hungers in der Welt noch weitaus größer ist. Zählt man diejenigen dazu, die zwar einigermaßen satt werden, aber sich armutsbedingt nicht ausreichend mit Mikronährstoffen wie Vitaminen und Mineralien versorgen können, dann haben wir es mit mehr als zwei Milliarden Fehl- und Mangelernährten zu tun.

Die Kammer der EKD für nachhaltige Entwicklung hat sich im Auftrag des Rates der EKD intensiv mit dem Welternährungsproblem beschäftigt und stellt in der jetzt vorgelegten Studie klar: Hunger ist kein Schicksal, sondern das Produkt von Politik- und Marktversagen. Er kann besiegt werden, wenn es in vielen Bereichen zu einem Umdenken und Umsteuern kommt.

Einer Neuausrichtung der Agrarpolitik kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Empfehlungen des 2009 erschienenen Weltagrarberichts aufgreifend, wird in der Studie dafür plädiert, das Recht auf Nahrung ins Zentrum zu stellen und vor allem in dem von Hunger betroffenen Ländern kleinbäuerliche Familienbetriebe darin zu unterstützen, auf nachhaltige Weise gesunde Nahrungsmittel anzubauen. Eine Neuausrichtung der Entwicklungs- und Agrarpolitik in diesem Sinne kann aber nur erfolgreich sein, wenn sie von Maßnahmen gegen den Klimawandel, den Aufbau und die Stärkung sozialer Sicherungssysteme und die Überwindung ungerechter Strukturen im Welthandel begleitet wird.

Die Studie schließt mit Empfehlungen, die sich nicht nur an die Politik wenden, sondern auch aufzeigen, welche Beiträge die Wirtschaft, die Wissenschaft, die Zivilgesellschaft einschließlich der Kirchen und jede und jeder Einzelne zur Überwindung des Hungers leisten können. Die Vorschläge reichen von Maßnahmen zur Eindämmung der Spekulation mit Nahrungsmitteln bis hin zur Wiedereinführung und Pflege des Tischgebets in kirchlichen Kindertagesstätten.

Im Entstehungsprozess dieser Studie gab es Anhörungen unter Beteiligung von Expertinnen und Experten aus dem In- und Ausland sowie zahlreiche - auch kontroverse - Diskussionen. Nicht auf alle Fragen, die im Zusammenhang mit der Sicherung der Welternährung stehen, kann diese Studie eine Antwort geben. Aber sie kann die Diskussion über die notwendigen Schritte im Kampf gegen den Hunger weiter vorantreiben - in Politik und Gesellschaft, in der Wissenschaft, in der Wirtschaft, in den Kirchenleitungen, kirchlichen Werken und Gemeinden.

Ich danke allen, die an der Entstehung dieser Studie mitgewirkt haben, und wünsche ihr, dass sie Früchte trägt.

Hannover, im April 2015

Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm
Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland



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