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Schritte der Erneuerung im Verhältnis zum Judentum

2.8 Die Bedeutung des Bundesbegriffs für das frühchristliche Kirchenverständnis

Als Zwischenergebnis lässt sich festhalten: Kein neutestamentlicher Text verwendet "Bund" direkt als ekklesiologischen Begriff. Die neue Gemeinschaft, die in den urchristlichen Gemeinden zwischen Juden und Heiden, vor allem aber zwischen Heiden und dem Gott Israels entsteht, wird an keiner Stelle als eigener Bund oder auch als Ausweitung des Bundes Israels bezeichnet oder beschrieben. Eher wird man von einer christologischen und soteriologischen Neuakzentuierung des Bundesgedankens sprechen können. Jesus Christus in seiner Person und seiner sühnenden Lebenshingabe ist unser Bund. In gleicher Weise wie das frühe Christentum die in der biblischen Tradition vorgegebenen großen eschatologischen Erwartungen und Begriffe Israels - wie Messias, Geist, Auferstehung, neue Schöpfung etc. - zur Deutung der neuen Erfahrungen des Christusgeschehens heranzog und mit diesen verband, verfuhr es auch mit dem Bundesbegriff.

Da die durch das Christusgeschehen entstehende neue Gemeinschaft jedoch als Wirkung des in Jesus und in seinem Tod Gestalt gewordenen Bundesgeschehens bezeichnet wurde, und zwar speziell im Zusammenhang der alle Grenzen überwindenden Mahlgemeinschaft, kam es im weiteren Verlauf zu einer Anwendung des Bundesbegriffs auch auf diese Gemeinschaft. Die Legitimität einer solchen Veränderung des biblischen Begriffs liegt in der Art dieser Gemeinschaft, insbesondere in der uneingeschränkten Gottesnähe, die der Glaube an Jesus Christus für die Heiden eröffnet. Diese Gemeinschaft verdiente es, mit den höchsten zur Verfügung stehenden Begriffen benannt und beschrieben zu werden. Die Gefahr einer solchen Verschiebung liegt nicht in der Begriffsumprägung, sondern darin, dass sich - paulinisch gesprochen - die eingepfropften Zweige über die sie tragende Wurzel erheben (Röm 11).

Das erweist sich an den frühen christlichen Zeugnissen außerhalb des Neuen Testaments. Wo überhaupt vom Bund die Rede ist, wird er Israel abgesprochen. Zum Beispiel spricht der Barnabasbrief (ca. 130-140) Israel den Bund Gottes radikal ab. Gott habe Israel den Bund (= Dekalog) gegeben, doch habe sich Israel wegen seiner Sünden als unwürdig erwiesen (14,1-4). Auf Grund des Leidens Christi gehöre der Bund allein den Christen. Diese polarisierende Sicht hat seit der Zeit der alten Kirche eine verhängnisvolle Wirkungsgeschichte gehabt.

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