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Schritte der Erneuerung im Verhältnis zum Judentum

5.3 Die Einheit der Bibel

Es gab und gibt auf Seiten der Christen immer wieder Versuche, das Neue gegen das Alte Testament auszuspielen, so etwa mit der Begründung, das Gottesbild des Alten Testamentes sei von dem des Neuen Testamentes grundsätzlich verschieden (vgl. Studie II, 3.2.2.). So wird unterstellt, der Gott des Alten Testamentes (und der Juden) sei ein ferner, richtender Gott. Im Neuen Testament dagegen würde Gott als der zugewandte, barmherzige und menschenfreundliche Gott (der Christen) dargestellt. Solche Gegensätze beruhen auf Vorurteilen und sind aus den biblischen Texten nicht zu rechtfertigen. Das Neue Testament selbst gibt nirgends einen Hinweis darauf, dass das Gottesbild des Alten Testamentes ganz oder teilweise zu korrigieren sei. Es gibt sowohl im Alten wie im Neuen Testament Texte, die für Bibelleser anstößig sind und der Auslegung bedürfen. Die jüdische Art, mit schwierigen Texten des Alten Testamentes umzugehen, kann für Christen eine Hilfe sein - auch im Blick auf das Neue Testament.

Christen würden sich zu Richtern über Gottes Wort machen, wenn sie eigenmächtig jeweils entscheiden wollten, was ihnen, zum Beispiel am Gottesbild der Bibel, akzeptabel scheint und was sie ablehnen und daher aus ihrer Bibel verbannen möchten. Solche Versuche hat es von Marcion, der im 2. Jahrhundert lebte, bis zu den "Deutschen Christen" in der NS-Zeit immer wieder gegeben. Auch in der Gegenwart findet sich besonders in der populärwissenschaftlichen Literatur gelegentlich eine das Alte Testament pauschal diskreditierende Bewertung.

Die Einheit zwischen Altem und Neuem Testament tritt klarer hervor, wenn man vermeidet, alttestamentliche Texte ausschließlich in christologischer Perspektive zu lesen. In der Schrift begegnet Juden und Christen der eine Gott, der sich zu erkennen gibt in seinen "herrlichen Taten": Gott, der mit den Menschen unterwegs ist und ihnen Gnade und Barmherzigkeit erweist. Auf diese, Juden und Christen verbindende Grundüberzeugung sollte bei der Rezeption alttestamentlicher Texte immer wieder hingewiesen werden.

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