"Gewalt gegen Frauen"

Im Auftrag des Rates der EKD, 1999 (Teil I)

III. Bestandsaufnahme in den Landeskirchen, den kirchlichen Werken und Einrichtungen und in der EKD (eine Auswahl)

Die folgende Bestandsaufnahme beruht auf Materialien, welche die einzelnen Gliedkirchen und das Diakonische Werk der EKD sowie kirchliche Werke und Einrichtungen dem Kirchenamt der EKD zur Verfügung gestellt haben. Da eine Auflistung sämtlicher dem Kirchenamt vorliegender Aktivitäten zum Thema Gewalt gegen Frauen den Rahmen dieser Studie sprengen würde und dennoch nicht annähernd dem Anspruch auf Vollständigkeit gerecht werden könnte, beschränkt sich die Bestandsaufnahme auf eine Auswahl von Beispielen aus der kirchlichen Arbeit zum Thema. Als Kriterium für die Auswahl läßt sich jedoch der beispielhafte Charakter innerhalb der Fülle bzw. Vielfalt der kirchlichen Aktivitäten benennen. Zudem wurden besonders beachtenswerte Projekte in die Darstellung aufgenommen.

1. Beschlüsse und Verlautbarungen

Im Rahmen der umfassenden Thematik der Gemeinschaft von Frauen und Männern in der Kirche liegen auf der ökumenischen wie auf der Ebene der EKD und ihrer Gliedkirchen zahlreiche Beschlüsse und Verlautbarungen speziell zur Gewalt gegen Frauen vor. So fand schon 1974 in Berlin eine vom Frauenreferat des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) einberufene Weltkonsultation zum Thema "Sexismus in den 70er Jahren" statt. Die Empfehlungen der V. Vollversammlung des ÖRK in Nairobi führten zu einem weltweiten Studienprozeß zur "Gemeinschaft von Frauen und Männern in der Kirche" (1978-1981), der mit der Vorlage einer Gemeinschaftsstudie auf der Konsultation in Sheffield 1981 abgeschlossen wurde. In dem "Brief aus Sheffield" an die Kirchen wird ausdrücklich auf die Gewaltverhältnisse, in denen Frauen weltweit leben, hingewiesen. 42 Auch um die Anliegen dieser Gemeinschaftsstudie wieterzuführen sowie als Antwort auf die UN-Dekade der Frau 1975-1985, wurde die "Ökumenische Dekade - Solidarität der Kirchen mit den Frauen (1988-1998)" ausgerufen, deren Ziele u.a. darin bestehen, "Frauen zu befähigen, unterdrückende Strukturen in der Gesellschaft weltweit, in ihrem Land und in ihrer Kirche in Frage zu stellen" und "die Kirchen zu veranlassen, sich selbst von Rassismus, Sexismus und Klassendenken sowie von Lehren und Praktiken, die Frauen diskriminieren, zu befreien".43 Anläßlich der Dekade fand in der Bundesrepublik Deutschland im Februar 1995 ein Ökumenischer Gruppenbesuch statt, bei dem auch die Gewaltproblematik verhandelt und die Zielsetzung der Dekade bekräftigt wurde. Zudem wurde ausdrücklich empfohlen, die Fragen des Umgangs mit Gewalt in die kirchlichen Aus- und Fortbildungskonzepte aufzunehmen sowie Forschungsprojekte zur Thematik zu fördern. 44

Auch die Synode der EKD 1989 in Bad Krozingen befaßte sich mit der "Gemeinschaft von Frauen und Männern in der Kirche" als Schwerpunktthema. In ihren diesbezüglichen Beschlüssen stellte sie u.a. fest, daß die Kirche "mißhandelte Frauen noch viel zu wenig im Blick" hat, und forderte, eine stärkere Wahrnehmung der Probleme von Frauen, die Gewalt ausgesetzt sind, sowie ein verbessertes Angebot von Schutz- und Beratungseinrichtungen in kirchlicher Trägerschaft. 45 Auf der EKD-Synode 1995 wurde im Bericht des Rates über die Dekadearbeit zur Gewalt gegen Frauen folgende Empfehlung ausgesprochen: "Es wird für erforderlich gehalten, dieses kirchlich noch weitgehend vernachlässigte Thema zu enttabuisieren und einer - auch theologischen - Reflexion zugänglich zu machen." 46 Im darauffolgenden Jahr wies die Synode der EKD auf Borkum in einem weiteren Beschluß auf das "Problem des Mißbrauchs von Frauen und Kindern als Ware" hin, indem sie u.a. den Rat bat, die Forderungen der Kampagne gegen Kinderprostitution im Sextourismus zu unterstützen. 47

Zwischenzeitlich kam es zudem anläßlich aktueller Ereignisse zu deutlichen Verlautbarungen von seiten der Kirche. So führte im Herbst 1992 das Bekanntwerden der systematischen Vergewaltigungen in Bosnien-Herzegowina zu einer Reihe von Protesten gegen die konkreten Verbrechen vor Ort. So heißt es beispielsweise in einer Pressemitteilung des Kirchenamtes der EKD vom 16. November 1992:

"Die Evangelische Kirche in Deutschland ist erschüttert, in welch unmenschlicher Weise die Würde von Frauen verachtet wird und Frauen zu 'Gegenständen' degradiert werden, indem man sie auf brutalste Weise benutzt. Selbst wenn sie diese Art Folter überleben, sind sie für den Rest ihres Lebens gezeichnet. Sie erleiden einen seelischen Tod. Die Evangelische Kirche in Deutschland verurteilt diese besonders perfide Art der 'ethnischen Säuberung'".48

Aus Anlaß bzw. im Rahmen der Ökumenischen Dekade 1988-1998: "Solidarität der Kirchen mit den Frauen" sowie im Anschluß an die Synode der EKD 1989 in Bad Krozingen wählten Anfang der 90er Jahre auch verschiedene gliedkirchliche Synoden den Themenbereich der Gemeinschaft von Frauen und Männern in der Kirche als Schwerpunkt. Standen häufig, wie etwa in Braunschweig (1993) und der Pfalz (1994), die Schaffung von Gleichstellungsstellen und die allgemeine Förderung der Gemeinschaft von Frauen und Männern in der Kirche im Vordergrund der Debatten und Beschlüsse, so setzten sich, um zwei Beispiele zu nennen, die Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (Dezember 1990) wie auch die Westfälische Landessynode (November 1993 / Oktober 1994) explizit mit der Problematik der Gewalt gegen Frauen auseinander. Eine der Gruppen zum Schwerpunktthema der EKHN-Synode "In der Schöpfung leben: Frauen und Männer in der Kirche" arbeitete zum Thema "Gewalt gegen Frauen" und regte diesbezüglich eine ganze Reihe von Beschlüssen an. So wurde die Arbeitsstelle Frauen in der Kirche beauftragt, eine Konzeption für eine Studie "Erforschung der Zusammenhänge von christlicher Tradition und Theologie einerseits und Gewalt gegen Frauen andererseits" zu erstellen. Die Arbeitsstelle für Erwachsenenbildung erhielt den Auftrag, nach Möglichkeit in Zusammenarbeit mit der Frauenhilfe und der Männerarbeit, eine Diskussionshilfe für die Gemeinden zu erarbeiten. Zudem wurde die Kirchenleitung gebeten, die Thematik in den Kultusministerien im Blick auf Unterricht und Lehrerfortbildung anzusprechen und mit dem Presserat ein Gespräch über die Darstellung von Gewalt gegen Frauen in den Medien zu führen. 49

Als eigenes Schwerpunktthema innerhalb der umfassenden Thematik der "Gemeinschaft von Frauen und Männern in der Kirche" wurde auf den beiden Synoden der EKvW die Gewaltproblematik unter den Stichworten "Sexualität, Gewalt und Kirche" verhandelt. 50 Schon im Vorfeld setzten sich hier zahlreiche Kreissynoden mit der Problematik auseinander und beschlossen z.T. auch konkrete finanzielle Maßnahmen. 51 Die Landessynode selbst faßte u.a. folgenden Beschluß:

"Die Landessynode bittet die Kirchenleitung, eine Arbeitsgruppe aus den bisher an der Problematik sexueller Gewalt arbeitenden Einrichtungen (Ev. Akademie, Amt für Jugendarbeit, Frauenreferat, Diakonisches Werk, Psychologische Beratungsstellen, Pädagogische Konferenz und andere) zu bilden. Diese soll der Lan- dessynode 1994 ein Konzept für eine Studien- und Öffentlichkeitsarbeit, sowie ein Konzept zum Umgang mit Opfern und Tätern sexueller Gewalt in der westfälischen Kirche vorlegen. Die Landessynode bittet die Kirchenleitung dafür Sorge zu tragen, daß die Verantwortlichen in der Aus- und Fortbildung die Themen Sexualität und Probleme von sexueller Gewalt in ihre Lehrplangestaltung bzw. ihre Fortbildungsprogramme aufnehmen. Die Landesynode bittet die Träger diakonischer Arbeit in Westfalen, die Frauenhaus-Arbeit nach Möglichkeit auszubauen und insbesondere Mädchen- und Jugendprojekte weiter zu fördern." 52

Auch im darauffolgenden Jahr wurde in Gemeinden sowie auf Kirchenkreis- und landeskirchlicher Ebene die Arbeit zum Schwerpunktthema weitergeführt. Die landeskirchliche Arbeitsgruppe "Sexuelle Gewalt" erhielt den Auftrag, ihre Arbeit auch über das Jahr 1994 hinaus fortzusetzen. Überdies beschloß die Synode, die Kirchenleitung, Kirchenkreise, Gemeinden und diakonische Träger zu bitten:

  • " die Frauenhausarbeit und Mädchen- und Jungenprojekte insbesondere unter Einbeziehung ausländischer Frauen und Kinder zu verstärken,
  • die Einbeziehung der Themen 'Sexualität' und 'sexuelle Gewalt' in Aus-, Fort- und Weiterbildung zu verwirklichen,
  • die von Männern begonnene Arbeit an diesen Themen zu verstärken und Männer zu ermutigen, sich vermehrt dieser Problematik zuzuwenden,
  • im Kontext des Gesamtproblems der Gewalt in den Medien insbesondere gegen die Darstellung der Gewalt an Frauen und Kindern anzugehen, ..."

Aus Anlaß der zunehmenden Problematik der Kinderprostitution als Folge des Sextourismus, des Frauenhandels und der frauenspezifischen Asylgründe bat die Synode zudem darum:

  • " sich verstärkt in dem Westfälischen Arbeitskreis der Kampagne gegen Kinderprostitution zu engagieren,
  • die Aufklärungs- und Widerstandsarbeit gegen Sextourismus und Frauenhandel, der seit einiger Zeit verstärkt auch Frauen aus osteuropäischen Ländern betrifft, zu unterstützen,
  • dafür einzutreten, daß frauenspezifische Fluchtursachen als Asylgründe anerkannt werden,
  • sich dafür einzusetzen, daß der 13. Deutsche Bundestag gesetzliche Vorkehrungen trifft, um die Strafverfolgung bei Menschen(Frauen)handel und Kinderprostitution im In- und Ausland zu gewährleisten, sowohl in bezug auf die Ausländergesetzgebung (Schutz von Zeuginnen und Zeugen) in der Bundesrepublik Deutschland als auch in bezug auf Rechtshilfeabkommen mit den Staaten, in denen solche Straftaten von Deutschen begangen werden." 53

Auf dem Hintergrund der Synodenbeschlüsse wurde gerade in der EKvW die Arbeit zum Thema Gewalt gegen Frauen in verschiedenen Bereichen sehr aktiv fortgesetzt.

2. Kirchliche Medien, Tagungen und Arbeitshilfen

Verschiedentlich befassen sich auch Zeitschriften einzelner kirchlicher Frauenreferate bzw. -verbände schwerpunktmäßig mit der Gewaltthematik. So hat beispielsweise die Zeitschrift der Evangelischen Frauenhilfe in Deutschland e.V. (EFHiD) "Frauen unterwegs" eine Ausgabe "Gewalt gegen Frauen" herausgegeben.13 Ein Rundbrief des Frauenreferates der EKvW "Lila Blätter" widmete sich umfassend dem "Schwerpunktthema Sexuelle Gewalt"55 und die Evangelische Frauenzeitung in Bayern (efi) thematisierte die Gewalt gegen Frauen ebenfalls in einer ihrer Ausgaben. 56 Alle Zeitschriften enthalten Beiträge zu den unterschiedlichen Aspekten der Gewaltproblematik, so u.a. zu Gewalt im Krieg, Frauenhandel, sexuellem Mißbrauch, der Rolle der Kirche usw. Es finden sich überdies Anregungen für Gottesdienste ebenso wie ausführliche Berichte aus der Frauenhausarbeit und praktische Hinweise.

Die Männerarbeit der EKD wählte für 1993 die Gewaltproblematik zum Jahresthema und gab aus diesem Anlaß ein Werkheft unter dem Titel "Sanftmut den Männern. Der Gewalt widerstehen" heraus. 57 Im gleichen Jahr befaßte sich auch die reguläre Zeitschrift der Männerarbeit, das "männerforum", mit dem Thema. 58 Beide Publikationen behandeln jedoch nicht schwerpunktmäßig die Gewalt gegen Frauen. Insgesamt fällt auf, daß eine Auseinandersetzung mit dieser Thematik in sonstigen allgemeinen kirchlichen Medien eher die Ausnahme bildet, die etwa ein Artikel "Der mißbrauchte Gott" in der Reformierten KirchenZeitung, in dem Zusammenhänge zwischen christlichem Umfeld und Kindesmißbrauch untersucht werden. 59

In den letzten Jahren ist ein außerordentlich vielfältiges Angebot an Tagungen und Fortbildungsseminaren zu beobachten, wobei in steigendem Maße die Beschäftigung mit den Problemen des sexuellen Mißbrauchs im Vordergrund steht. Organisiert werden diese Veranstaltungen - bei zunehmender Vernetzung untereinander - in der Regel von Akademien, Frauenreferaten oder verschiedenen Verbänden, häufig auch in Zusammenarbeit mit Vertretern und Vertreterinnen kommunaler Einrichtungen. Aus der Fülle der Angebote können hier nur beispielhaft einige wenige benannt werden.

So bot auf überregionaler Ebene das Frauenstudien- und -bildungszentrum der EKD (FSBZ) in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe der EFD "Gewalt gegen Frauen und Kinder" einen dreitägigen Kurs über die "Theologischen Wurzeln der Gewalt gegen Frauen" an, zu dem auch Referentinnen aus den Niederlanden und den USA geladen waren. 60

Im Bereich der Bremischen Evangelischen Kirche wurde 1994 eine Veranstaltungsreihe unter dem Titel "Lots Töchter. Sexuelle Gewalt in der Kirche - ein Tabu" begonnen. Die erste Abendveranstaltung und ein Tagesseminar61 im Juli 1994 veranstalteten der Landesverband der Evangelischen Frauenhilfe Bremen und das dortige Landesjugendpfarramt. Im Anschluß daran konstituierte sich aus haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen ein Arbeitskreis "Sexuelle Gewalt in der Kirche", der die Veranstaltung zum Thema: "(Sexuelle) Diskriminierung am Arbeitsplatz Kirche?!" im Oktober 1994 ebenfalls mitverantwortete. Im Oktober 1996 erweiterte sich der Veranstalterkreis der Reihe "Lots Töchter" um die Frauenbeauftragte der Bremischen Evangelischen Kirche. Nicht als offizielle Veranstalterin, aber doch als Ansprechpartnerin wurde neben den Verantwortlichen nun auch die kirchliche Familien- und Lebensberatung genannt. Im November 1996 kam es zur nochmaligen Thematisierung der (Sexuellen) Diskriminierung am Arbeitsplatz Kirche. Die Veranstaltungsreihe zeigt einen bemerkenswerten Ansatz kontinu-ierlicher Arbeit an dem häufig tabuisierten Problem sexueller Gewalt in der Kirche, die sich zugleich durch eine zunehmende Vernetzung und Zusammenarbeit verschiedener mit der Thematik befaßten Mitarbeiter/innen auszeichnet. 82

Das Nordelbische Frauenwerk lud im September 1995 zu einer Frauenkonferenz zur Problematik "Frauenhandel mit Osteuropäerinnen in Deutschland" ein. Neben Referaten eines Mitgliedes des Europäischen Parlaments und einer Vertreterin des Polizeipräsidiums Mannheim wurden diverse Workshops unter der Leitung zumeist außerkirchlicher Organisationen63 angeboten. Im Anschluß an die Konferenz konstituierte sich ein Runder Tisch zum Thema Frauenhandel, um Vertreterinnen, Gruppen und Institutionen, die in Schleswig-Holstein und Hamburg an dem Thema arbeiten, zu vernetzen.

Aufgrund der Beschlußlage von Landessynode und Kreissynoden beauftragte die Kirchenleitung der Evangelischen Kirche im Rheinland im November 1995 das Frauenreferat, sich mit dem Problem der Gewalt gegen Frauen unter verschiedenen Aspekten zu befassen und Vorschläge für künftiges kirchliches Handeln zu erarbeiten. U.a. wurde auf Anregung des Frauenreferates von der Kirchenleitung offiziell ein Runder Tisch berufen, dem auf landeskirchlicher Ebene Vertreter/innen verschiedener Einrichtungen der EKiR angehören. Deren Aufgabe besteht neben der umfassenden inhaltlichen Arbeit und Konzeptentwicklung vor allem in der Koordination verschiedener Vorhaben sowie der Sensibilisierung einer breiten Öffentlichkeit für die Gewaltthematik.

In der Evangelischen Kirche der Pfalz wird zur Zeit eine große Veranstaltungsreihe vom Herbst 1997 bis zum Frühjahr 1998 mit dem Titel "Gewaltverhältnisse und ihre Auswirkungen auf Frauen (und Kinder)" geplant. Für die Planung und Durchführung hat sich in Kooperation mit der Gleichstellungsstelle ein Arbeitskreis von Vertretern und Vertreterinnen der Männerarbeit/Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt (KDA), Erwachsenenbildung, Frauenarbeit, Landesjugendpfarramt und Diakonie gebildet, dessen Ziel u.a. darin besteht, das Thema Gewalt gegen Frauen in einen umfassenden gesellschaftlichen Horizont zu stellen. Dazu dienen auch die verschiedenen thematischen Schwerpunkte Theologie/Ethik, Wirtschaft/Arbeitswelt, Erziehung/Bildung sowie Recht/Beratung, zu denen jeweils zwei bis drei konkrete Einzelveranstaltungen angeboten werden sollen. Als Auftakt und Ende der Reihe sind zudem zentrale Veranstaltungen vorgesehen. 64

Schon im März 1992 veranstaltete die Evangelische Akademie Iserlohn in Kooperation mit dem Frauenreferat der Evangelischen Kirche von Westfalen eine Tagung mit dem Titel "Wider die Gewalt-Verhältnisse. Für die sexuelle Selbstbestimmung von Frauen", die sich anhand zahlreicher in einem Tagungsprotokoll vorliegender Referate umfassend mit den verschiedenen Bereichen, in denen Mädchen und Frauen sexueller Gewalt ausgesetzt sind, befaßte. 65

Von nicht zu unterschätzender Bedeutung für die Auseinandersetzung mit dem Tabuthema sexueller Gewalt ist auch die Fortbildung derer, die betroffene Frauen und Mädchen beratend begleiten. So bot beispielsweise das Amt für Jugendarbeit der EKvW im Haus Villigst 1996/97 in kurzer Abfolge eine Fortbildungsreihe von insgesamt viermal zwei Tagen an, die zur The-matik "Sexuelle Gewalt und weibliche Identität" u.a. eine Übersicht über die Differenzierung traumatisierender Gewalterfahrungen gab, Grundlagen der Diagnostik vermittelte und methodische Schritte in der Beratung und Begleitung Betroffener einübte und reflektierte. 66

Im Bereich der Evangelischen Landeskirche in Württemberg veranstaltete die Evangelische Akademie Bad Boll im Mai 1995 und Juni 1996 Tagungen mit umfassendem Programm zu den Themen "Sexueller Kindesmißbrauch in der Familie. Ein Vorwurf und seine Folgen" sowie "Sexuelle Gewalt gegen Mädchen und Jungen in Familien. Professionelle Intervention heute: Eine Zwischenbilanz". Eine offene Fachkonferenz mit Vorträgen und Workshops unter dem Titel "mordskerle", gemeinsam veranstaltet von kirchlichen und kommunalen Einrichtungen67 fand im Dezember 1996 in Stuttgart statt. Als Zielgruppen waren u.a. Personen in pädagogischen Berufen, Mitarbeiter/innen in Kirchen, Vereinen, Bildungseinrichtungen, Beratungsstellen, Polizei und Justiz angesprochen. Eine bemerkenswerte Ausnahme stellte diese Tagung nicht nur aufgrund ihres umfangreichen Veranstaltungsangebots dar, sondern auch insofern sie sich schwerpunktmäßig mit den Tätern und deren Umfeld auseinandersetzte.

In der Folge von Synodenbeschlüssen wie auch aufgrund von Initiativen einzelner Einrichtungen oder Arbeitskreise entstanden in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Arbeitshilfen und Materialien, die sich allgemein oder schwerpunktmäßig mit Teilbereichen der Gewalt gegen Frauen und Mädchen befassen. So setzten beispielsweise die Abteilungen Jugendhilfe in den beiden Diakonischen Werken Baden und Württemberg im Frühjahr 1992 eine Arbeitsgruppe aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ihrer Jugendhilfeeinrichtungen ein, die den Auftrag erhielt, Rahmenbedingungen für die Arbeit mit von sexueller Gewalt betroffenen Kindern zu erstellen. Als Ergebnis wurde im Anschluß an eine Fachtagung eine breitgefächerte Arbeitshilfe unter dem Titel "'Ich will das nicht'. Sexuelle Gewalt an Mädchen" vorgelegt. 68 Das Heft versteht sich als eine Gesprächs- und Orientierungshilfe für Mitarbeiter/innen in den Einrichtungen der Jugendhilfe und dient insofern vorrangig der internen Fachdiskussion.

In Erfüllung der Beschlüsse der Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau von 1990 (s.o.) legten die Arbeitsstelle Frauen in der Kirche der EKHN und die Arbeitsstelle für Erwachsenenbildung der EKHN gemeinsam ein Arbeitsheft mit pädagogischen Materialien im Rahmen und unter dem Titel eines umfassenden Projektes "Himmel und Erde - Frauen in Gewaltverhältnissen" vor. 69 Die Arbeitshilfe gliedert sich nach verschiedenen inhaltlichen Schwerpunkten, wie "Gewalt als Thema kirchlicher Praxis", "Frauenbilder zwischen Tradition und Wandel", "Sexuelle Gewalt", "Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz" und bietet hierzu eine Fülle von Materialien in Form von Informationen, Analysen, Erfahrungsberichten, Interpretationen, pädagogischen Ideen, Konzepten usw.

Eine Zusammenstellung von Arbeitsmaterialien u.a. zur Thematik von Zwangsprostitution und Vergewaltigung im Krieg unter dem Titel "Zerrissen" hat 1995 aus Anlaß des internationalen Protesttages gegen Gewalt gegen Frauen (25. November) der Bereich Frauen- und Männerarbeit im Amt für kirchliche Dienste in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck herausgegeben. 70 Hier sind in Erinnerung an das Kriegsende 1945 in Deutschland in einem eigenen Materialteil auch Informationen zur Zwangsprostitution im Nationalsozialismus und zu den zahlreichen Vergewaltigungen nach Kriegsende aufgenommen.

Im Nordelbischen Frauenwerk bildete sich im Rahmen der Ökumenischen Dekade eine Gruppe "Sexismus und Rassismus", die im April 1994 Arbeitsmaterialien zum Thema Gewalt gegen Frauen mit dem Schwerpunkt sexistischer Gewalt veröffentlichte, die für Frauengruppen als Anregung und Hilfestellung für einen Einstieg in die Thematik gedacht sind. 71 Ebenfalls vom Nordelbischen Frauenwerk wurde inzwischen eine Arbeitshilfe zum Thema "Sexualität von Frauen" herausgegeben, die sich auch mit sexueller Gewalt auseinandersetzt. Dieses Heft entstand in einer Arbeitsgruppe der u.a. Mitarbeiter/innen des Frauenwerkes, des Diakonischen Werkes, der Frauenarbeit sowie des Frauenreferates angehörten. 72

In der Evangelischen Kirche der Pfalz haben sich im Anschluß an einen von der Gruppe "Frauen wagen Frieden" veranstalteten Studientag im Februar 1996 Mitarbeiter/innen von Frauenarbeit, Gleichstellungsstelle, Arbeitsstelle Friedensdienst/Konziliarer Prozeß, Frauen wagen Frieden und einzelne Interessierte sowie später auch Vertreter/innen von Erwachsenenbildung und Jugendarbeit zu einer Arbeitsgruppe zusammengefunden, um eine Materialsammlung in Form eines auch weiter zu ergänzenden Ordners zu erstellen. Das Anliegen der Arbeitsmappe besteht insbesondere darin, das vielfältige Material zum Thema Gewalt gegen Frauen speziell für die kirchliche Arbeit fruchtbar zu machen und somit allen hauptberuflich wie ehrenamtlich in kirchlichen Bereichen tätigen Menschen Informationen und Impulse für ihre Arbeit zu liefern. Hierzu wurden Fakten, Definitionen, juristische Informationen, die Behandlung theologischer Grundsatzfragen und Materialien für die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen sowie für Gottesdienst und Seelsorge als auch weitere Bausteine und Hinweise aufgenommen. 73

In der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens wird aufgrund der Initiative der Gleichstellungsbeauftragten eine Dokumentation über sexuelle Gewalterfahrungen und deren Auswirkungen auf den persönlichen Glauben der Betroffenen erarbeitet. 74

3. Initiativen und Projekte

Gewalt gegen Frauen und insbesondere sexueller Mißbrauch waren auf dem Evangelischen Kirchentag 1993 in München eines der vorherrschenden Themen des Frauenzentrums, das von einer Gruppe des Arbeitsbereichs Frauen in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und der Frauenarbeit in Bayern vorbereitet und veranstaltet wurde. Neben Gottesdiensten, Bibelarbeiten, Vorträgen und anderen Veranstaltungen gab es hier in zahlreichen Workshops und Kleingruppen Möglichkeiten zu gegenseitigem Erfahrungsaustausch und helfender Unterstützung, die von vielen Frauen intensiv wahrgenommen wurden. 75 Ähnliches galt für das Frauenforum des Kirchentages, das sich schwerpunktmäßig mit der Gewaltthematik auseinandersetzte.

Die Männerarbeit der EKD startete 1993 anläßlich ihres Jahresthemas "Sanftmut den Männern - der Gewalt widerstehen" eine bemerkenswerte Plakataktion, mit der sie unter der Überschrift "An die Männer in Deutschland" in Form eines 'Briefes' die Leser dazu aufrief, selbst aktiv zu werden, um die Kreisläufe von Gewalt und Gegengewalt zu durchbrechen. 76 Regional unterschiedlich wurde das Thema in den Landeskirchen in den folgenden Jahren aufgegriffen: So initiierte die Männerarbeit der Ev.-luth. Landeskirche in Braunschweig ein Männerberatungs- projekt in Kooperation mit der Telefonseelsorge. Erwähnenswert ist auch die Einrichtung eines Sondervikariats für Männerfragen in der Ev. Kirche in Berlin-Brandenburg, mit Anbindung an die Gewalttherapiearbeit der "Mannege" in Berlin. 77 Auf Initiative des Frauenreferates der EKD und der Evangelischen Frauenarbeit in Deutschland kam es Ende 1992 angesichts der Massenvergewaltigungen im ehemaligen Jugoslawien zu einer bundesweiten Unterschriften- und Spendenaktion. Die Bundesregierung wurde aufgefordert sich u.a. dafür einzusetzen, daß Vergewaltigungen als Kriegsverbrechen verurteilt und den betroffenen Frauen sowie deren Familienangehörigen Aufenthaltsgarantien in der Bundesrepublik zugesichert werden. 78 Die Verwaltung der Spendenmittel und die Projektförderung vor Ort sowie die Weiterleitung der Unterschriften lagen in den Händen der EFD. Allein in der bayerischen Kirche, wo über einen Rundbrief des Frauenreferats an die Dekanatsdelegierten dieser Aufruf verbreitet wurde, kamen ca. 18.500 Unterschriften zusammen.

Aufgrund eines anderen Massenphänomens sexueller Gewalt, der zunehmenden Prostitution von Kindern in der "Dritten Welt" infolge des anwachsenden Sextourismus wurde 1990 eine internationale Kampagne unter dem Titel "End Child Prostitution in Asian Tourism" (ECPAT) ins Leben gerufen, der die Gründung von Kampagnen auf nationaler Ebene folgte. In der Bundesrepublik konstituierte sich im März 1991 "Die deutsche Kampagne gegen Kinderprostitution im Sextourismus". Von den ursprünglich 13 und später dann insgesamt 29 Trägerorganisationen entstammten etwa die Hälfte dem evangelischen bzw. ökumenischen Bereich. Maßgeblich beteiligt war hier vor allem die EFD als Mitglied im Arbeitsausschuß der Kampagne, aber auch Organisationen wie beispielsweise Brot für die Welt, die EFHiD, das Fraueninformationszentrum (FIZ) in Stuttgart79 oder der Kirchliche Entwicklungsdienst und etliche Einrichtungen der Evangelischen Kirche von Westfalen fanden sich unter den Trägern. Hinzu kamen 16 Förderorganisationen, darunter mehrheitlich Kirchenkreise und Gemeinden aus Westfalen, wo sich zudem ein eigener Arbeitskreis bildete. 80 Die Ziele der Kampagne bestanden darin,

  • " über Hintergründe und Ausmaß der Kinderprostitution sowie über die physischen und psychischen Leiden der Opfer zu informieren,
  • öffentliche und private Diskussionen über die Ursachen von Sextourismus und sexueller Ausbeutung von Kindern anzuregen,
  • ein kritisches Bewußtsein unter Reiseveranstaltern zu wecken,
  •  zu einem deutlichen Rückgang von sexueller Gewalt gegen Kinder im eigenen Land und durch deutsche Touristen im Ausland beizutragen." 81

Als Erfolg kann die Kampagne u.a. eine Gesetzesänderung vom Juni 1993 verbuchen, die den sexuellen Mißbrauch von Kindern durch Bundesbürger auch im Ausland zum Straftatbestand erklärt. Auch die großen deutschen Reiseveranstalter haben sich inzwischen vertraglich verpflichtet, jegliche Form von Zusammenarbeit mit Hotels und Agenturen, die Kinderprostitution anbieten, aufzukündigen. Die deutsche Kampagne wurde 1994 offiziell beendet; es konstituierte sich jedoch im Anschluß die "Deutsche Arbeitsgemeinschaft gegen Kinderprostitution".82

Gegen den Handel mit Frauen aus Osteuropa, die in Deutschland zur Prostitution gezwungen werden, wandten sich 1996 in einer gemeinsamen Initiative das Frauenwerk und das Frauenreferat der Nordelbischen Evang.-Luth. Kirche in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift Brigitte, indem sie ein Faltblatt für betroffene Frauen mit entsprechenden Informationen und Warnungen in deutscher sowie polnischer Sprache verbreiteten. 83

Eine internationale Initiative gegen Krieg und Gewalt entstand in den vergangenen Jahren mit der Aktion "Frauen in Schwarz". Als Zeichen der Mahnung und des Protestes versammelten sich erstmals 1977 schweigend die argentinischen Mütter verschwundener Angehöriger zu Mahnwachen. Später wählten auch Frauen in anderen Ländern diese Aktionsform, um gegen eine Politik der Gewalt zu demonstrieren. Im Oktober 1991 begannen in Belgrad regelmäßig Frauen in Schwarz gegen Krieg und Vergewaltigung in ihrem Land zu protestieren. Es folgte eine internationale Solidaritätswelle, indem sich Frauen vorwiegend in Australien und verschiedenen europäischen Ländern dieser Aktion zur Unterstützung und Erinnerung an das Leiden der Frauen im ehemaligen Jugoslawien und anderen Teilen der Welt anschlossen. Auch der Ökumenische Rat der Kirchen hat im Rahmen der Ökumenischen Dekade 1988-1998 sowohl Frauen wie Männer zur Beteiligung an den Mahnwachen in Schwarz gegen Gewalt und Vergealtigung im Krieg aufgerufen. In Deutschland organisierten landesweit zahlreiche Kirchengemeinden und -kreise, Frauenverbände und -einrichtungen sowie einzelne Initiativen und Arbeitskreise wöchentliche Mahnwachen von Frauen in Schwarz. 84

4. Gottesdienstentwürfe und Liturgien

Zum Thema Gewalt gegen Frauen sind in den letzten Jahren - oftmals im Rahmen der Ökumenischen Dekade "Solidarität der Kirchen mit den Frauen" - etliche Gottesdienstentwürfe und -bausteine erarbeitet worden. Einige legen den Schwerpunkt explizit auf die Gewaltproblematik, andere beziehen sich nur in einzelnen Elementen auf das Thema.

Für eine Frauenprozession auf dem Evangelischen Kirchentag 1993 in München erstellte eine Initiativgruppe im Frauenreferat der Evangelischen Landeskirche in Bayern ein Liturgieheft mit ausdrücklichem Bezug zur Mitte der Dekade. Unter dem Motto "Frauen in der Kirche - Wir lassen uns nicht aufhalten!" wurde u.a. sexuelle Gewalt als mit der Würde der Frauen unvereinbar gebrandmarkt.

Auch beim Gottesdienst zum Tag der Menschenrechte im Dezember 1995 stand die Würde der Frauen und damit die Gewaltthematik unter der Überschrift "Frauenrechte sind Menschenrechte, weltweit verletzt - auch in Deutschland" im Zentrum. Für diesen Gottesdienst wurde u.a. vom Frauen- und Menschenrechtsreferat der EKD und der EFD ein Gottesdienstentwurf konzipiert, der mit einer Auflage von ca. 20.000 Exemplaren eine außerordentlich weite Verbreitung fand. 85

Insbesondere strukturelle Gewalt war ein Thema des ökumenischen Weltgebetstages der Frauen 1997, der dieses Jahr von Christinnen aus Südkorea vorbereitet wurde. 86

Anläßlich der Ökumenischen Dekade werden in verschiedenen Gliedkirchen Gottesdienstmaterialien zu speziellen Dekadesonntagen angeboten. So erarbeiteten in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern das Ökumenereferat, der Bayerische Mütterdienst e.V. und der Arbeitsbereich Frauen in der Kirche für 1996 zwei Gottesdienstmodelle zum Thema "Versöhnung suchen - Leben gewinnen. Was kommt vor der Versöhnung?", in deren Mittel- punkt auf der Textgrundlage von Ri 11, 29-40 (Opferung der Tochter Jeftahs) vordringlich Gewalt- und Abhängigkeitsverhältnisse stehen. Schon 1993 wurde am Dekadesonntag am Beispiel der Geschichte von Thamar (Gen 38) die Gewaltproblematik in den Mittelpunkt gerückt.

Ebenso werden in der Evangelischen Kirche von Westfalen seit einigen Jahren Gottesdienstentwürfe zur Dekade herausgegeben. 87

Für das Jahr 1996 stellte auch der landeskirchliche Ausschuß zur Ökumenischen Dekade der Evangelischen Landeskirche in Württemberg Materialien für einen Dekadegottesdienst zusammen. Hier wurde der Termin für den Gottesdienst mit nachdrücklicher Unterstützung des Männerwerkes auf den jährlichen Männersonntag gelegt, um in gemeinsamer Verantwortung zu betonen, daß der Dekadesonntag kein genuiner 'Frauensonntag' ist. Der Dekadesonntag 1997 stand unter dem Thema "Das Schweigen brechen - Gewalt im Geschlechterverhältnis".

Neben Gottesdienstvorschlägen, die mit einem ausdrücklichen Bezug zur Dekade konzipiert sind, liegen eine Reihe weiterer Anregungen für Gottesdienste vor, in denen Gewalt gegen Frauen thematisiert wird. So ist bei der Frauenarbeit der Evangelischen Landeskirche in Baden seit März 1993 eine Liturgie für Frauen-Andachten an jedem ersten Freitag im Monat zu beziehen. 88 Die Initiative gründet auf der Idee, gemeinsam gesamtgesellschaftliche Verantwortung für das Leben im Hinblick auf aktuelle Ereignisse wahrzunehmen. Dabei spielt die Gewaltthematik eine wesentliche Rolle und so wurde die Aktion auch zunächst unter das Motto "Der Gewalt ein Ende" gesetzt.

Im Auftrag des Amtes für Öffentlichkeitsdienst der Bremischen Evangelischen Kirche wurde zum Jahreswechsel 1994/95 eine Predigtreihe mit dem Titel "Mache der Furchtsamen Mut" herausgegeben, die fünf von Frauen in einer Bremer Gemeinde gehaltene Predigten über Gewalt gegen Frauen in biblischen Texten dokumentiert. 89

Zu Frauengottesdiensten laden im Bereich der Nordelbischen Evang.-Luth. Kirche Pastorinnen aus dem Kirchenkreis Altona, das dortige Frauenwerk und die Arbeitsstelle Ökumenische Dekade ein. Die seit September 1994 viermal jährlich in Altona angebotenen Gottesdienste befassen sich anhand verschiedener Psalmen mit Gewalterfahrungen von Frauen und möchten damit zugleich zur Enttabuisierung dieses Themas beitragen. 90

Die Evangelische Frauenhilfe in Westfalen bereitete 1992 aus aktuellem Anlaß einen "Klagegottesdienst in Solidarität mit Frauen, die in serbischen Lagern massenhaft vergewaltigt werden" vor, der eine außerordentlich hohe Verbreitung erfuhr.

5. Praktische Hilfen

a) Frauenhäuser

Schutz vor Partnergewalt, Hilfe und Unterstützung bilden den Schwerpunkt der parteilichen Arbeit mit von Gewalt betroffenen Frauen und Kindern in den Frauen- und Kinderschutzhäusern sowie Zufluchtswohnungen der Diakonie. Neben den konkreten Hilfen für die Betroffenen wird hier zudem intensive Prävention durch Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung geleistet und versucht, für die Zusammenhänge von Männergewalt und männlich dominierter Gesellschaftsordnung zu sensibilisieren.

Von den insgesamt etwa 370 Frauenhäusern in der Bundesrepublik sind in der Zwischenzeit 32 Frauenhäuser (darunter ein internationales Frauenflüchtlingshaus in Köthen, getragen von der Stadtmission Magdeburg) und 5 Frauenzufluchtswohnungen in evangelischer Trägerschaft, davon allein 14 in den neuen Bundesländern. Einige weitere Häuser befinden sich, so etwa in Görlitz, in der Planung bzw. im Aufbau. 91

Frauenhäuser nehmen mißhandelte und von Gewalt bedrohte Frauen und deren Kinder für eine gewisse Übergangszeit auf und bieten ihnen Schutz, Beratung und Hilfe in organisatorischen Bereichen92 . Die Arbeit der Frauenhäuser versteht sich als Anti-Gewalt-Arbeit; sie umfaßt die ambulante Beratung von Frauen, die Arbeit mit Frauen und Kindern während des Aufenthaltes, nachgehende Beratung und Begleitung im Anschluß an den Aufenthalt im Frauenhaus, sowie - darüber hinaus - Öffentlichkeitsarbeit. Die Dauer des Aufenthalts kann wenige Tage betragen, sich im Einzelfall aber auch über ein Jahr und länger hinziehen. Etwa zwei Drittel der Frauen bringen Kinder mit, so daß die Zahl der Kinder im Frauenhaus die der Frauen um ca. ein Viertel übersteigt. Die Arbeit mit den Kindern besitzt einen hohen Stellenwert.

Als Beispiel für Frauenzufluchtswohnungen sei die Konzeption der "Frauenberatung Cosmarweg" in der Trägerschaft des Diakonische Werkes Berlin-Brandenburg angeführt. Dort stehen inzwischen vier nichtanonyme Wohnungen zur Verfügung, die bevorzugt an Frauen aus dem Bezirk vergeben werden. Zugleich befindet sich hier eine offene Beratungsstelle für Frauen, die wöchentlich Einzelgespräche in Anspruch nehmen können. Durch diese vornehmlich für Frauen aus der näheren Umgebung ausgerichtete Arbeit und die Doppelgleisigkeit von Zufluchtswohnungen und offener Beratung wird ein Verbleiben im sozialen Umfeld sowie die Kontaktaufnahme und der Austausch mit Frauen, die zur Beratung kommen ermöglicht und damit die Isolation und Anonymisierung mißhandelter Frauen weitgehend vermieden. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer beträgt hier ein bis eineinhalb Jahre. 93

Seit 1990 besteht als Zusammenschluß evangelischer Frauenhäuser eine Arbeitsgemeinschaft Evangelische Frauenhäuser, die ihre vordringliche Aufgabe zunächst in der innerkirchlichen Öffentlichkeitsarbeit zur Gewaltproblematik sieht, Rahmenbedingungen für die Frauenhausarbeit verbessern will und überdies versucht, kirchliche Entscheidungsträger für die Förderung und Neugründung von Frauenhäusern oder Projekten zum Schutz der von Gewalt betroffenen Frauen zu gewinnen. 94

Darüber hinaus hat sich die "Arbeitsgruppe Frauenhaus" aus einem Fachausschuß der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege zusammengefunden, der die Vertreterinnen des AWO-Bundesverbandes, des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, des Diakonischen Werkes der EKD und des Sozialdienstes katholischer Frauen, Zentrale, angehören. Erstmals in der Geschichte der Frauenhaus-Bewegung fand infolge deren Initiative im September 1994 ein Forum unter dem Motto "Vielfalt ist Stärke! Erste Schritte gemeinsamer Frauenhausarbeit" statt, auf dem Vertreterinnen der verbandlichen und autonomen Frauenhäuser gemeinsam über Stand und Perspektiven ihrer Arbeit diskutierten und sich auf zentrale Forderungen einigten. 95 Ein weiteres Fachforum mit dem Thema "Frauenhaus in Bewegung" wurde unter Federführung des Diakonischen Werkes im November 1996 anläßlich des 20-jährigen Bestehens der Frauenhäuser in Berlin veranstaltet.

b) Beratungseinrichtungen

Evangelische Beratungseinrichtungen werden zunehmend mit den Problemen sexueller Gewalt konfrontiert. Dies betrifft sowohl die Mißhandlung von Kindern, als auch die Aufarbeitung früherer traumatischer Mißbrauchserfahrungen bei Erwachsenen. Als Beratungsanlaß wird sexuelle Gewalt in der Ehe- und Paarberatung eher selten genannt, möglicherweise ist das Thema dafür zu belastend. Regional verortet findet jedoch in einigen Beratungsstellen auch Beratung und Therapie mit Gewalttätern statt. Insgesamt leisten die Erziehungs-, Familien-, Ehe-, Partnerschafts- und Lebensberatungsstellen als behördenfernes niederschwelliges Angebot in kirchlicher Trägerschaft wichtige Beiträge zur Aufarbeitung und Prävention sexueller Gewalt. Dies ist in besonderem Maße möglich durch das Zusammenwirken von Fachkräften verschiedener Fachrichtungen und Ausbildungen. Das multidisziplinäre Team bietet nachweislich gute Voraussetzungen für die psychologische Beratung von Ratsuchenden mit sexuellen Gewalterfahrungen.

In der Arbeit des Evangelischen Zentralinstituts für Familienberatung (EZI) in Berlin, das kirchliche sowie andere Mitarbeiter/innen aus- und fortbildet, gehört daher die Thematik der Gewalt in zwischenmenschlichen Beziehungen und Strukturen zum Standard der Lehrinhalte. So bietet das EZI im Rahmen seiner Fortbildung in der Paarberatung/ Paartherapie die Möglichkeit, gewalttätige Beziehungen zu analysieren und Wege beraterischer Interventionen aufzuzeigen. Eines der zentralen Themen der Fortbildung in der Familienberatung/ Familientherapie bildet die Gewalt an Kindern bzw. deren sexueller Mißbrauch. Zusätzlich werden neuerdings jährliche Spezialveranstaltungen zur Gewalt in Ehe und Familie durchgeführt. Die Veranstaltungen zur Sexual- und Schwangerschaftskonfliktberatung thematisieren zunehmend auch sexuelle Probleme als Folge früherer Mißbrauchserfahrungen. 96 Zudem beteiligt sich das EZI in Form von Kongressen und Publikationen an der wissenschaftlichen Arbeit zur Gewaltthematik. 97

Die Evangelische Konferenz für Familien- und Lebensberatung e.V. Fachverband für Psychologische Beratung und Supervision (EKFuL) hat eine Fortbildung zum Thema "Sexual-pädagogik und Sexualaufklärung" für Multiplikatoren/ Multiplikatorinnen erarbeitet, die nun als ständiges Weiterbildungsangebot in das Programm des EZI aufgenommen ist. Die EKFuL selbst bietet inzwischen jährlich bundesweit eine Fortbildung zur ambulanten Arbeit mit Gewalttätern an, die auch die psychologische Beratung von Sexualstraftätern einschließt. 98

Schon früher hatte auf landeskirchlicher Ebene die Hauptstelle für Familien- und Lebensberatung in Hagen zwei Beratungsstellenkonferenzen zum Thema "Sexuelle Mißhandlung/Mißbrauch" veranstaltet, in denen zunächst die Arbeit mit Opfern und später der Umgang mit Tätern im Vordergrund standen. Das Diakonische Werk in Herten e.V. unterhält zudem eine eigene Beratungsstelle gegen sexuellen Mißbrauch, die auch Fortbildungen für Multiplikatorinnen anbietet. Regional unterschiedlich ist in Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstellen - exemplarisch seien hier Rheinland99 , Bayern und Württemberg genannt - die Arbeit mit Opfern und Tätern in Fällen von Gewalt und sexuellem Mißbrauch seit längerem sowohl Thema von interner Fortbildung als auch Anlaß zu Veranstaltungen in Kooperation mit anderen Einrichtungen.

In der Telefonseelsorge ist die Gewalt der Ehemänner oder Partner vielfach Anlaß für den Beratungswunsch von Anruferinnen. Hier machen die Berater/innen während des Beratungsgesprächs auf das Vorhandensein von Frauenhäusern aufmerksam und/oder weisen auf geeignete Beratungseinrichtungen hin. Vereinzelt wird von männlichen Anrufenden eigene Gewalttätigkeit bzw. Angst vor eigener Gewaltausübung thematisiert.

Trotz der hier aufgezeigten Angebote in der psychologischen Beratung und den Fortbildungsveranstaltungen für Mitarbeiter/innen in Beratungseinrichtungen zur Gewaltproblematik wird jedoch sehr deutlich, wie notwendig angesichts der wachsenden Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit und der zunehmenden Thematisierung von sexueller Gewalt in Beratungssituationen eine weitere Ausdifferenzierung dieses Arbeitsbereiches und eine Verstärkung dieser Fortbildungsmaßnahmen ist.

c) Weitere Einrichtungen und Projekte

Zunehmend werden auch bundesweit neben Kinderschutzzentren spezielle Mädchenhäuser eingerichtet. In Stuttgart gibt es seit 1987 das Projekt "Kobra e.V.", bestehend aus einer Beratungsstelle und einem Mädchenhaus für sexuell mißbrauchte Mädchen. Kobra macht Fortbildungsangebote für Erzieherinnen, Sozialpädagoginnen und Psychologinnen, die in der Heimerziehung oder in der Mädchenarbeit tätig sind und unterhält darüberhinaus als offenes Angebot ein Mädchencafé. Ein Schwerpunkt liegt auf der Präventionsarbeit. Der Verein ist dem Diakonischen Werk Württemberg angeschlossen. In Unna, Westfalen, soll ebenfalls ein Mädchenhaus neu entstehen.

Eine andere, stärker auf Hilfen im sozialen Bereich ausgerichtete Beratung und Unterstützung bieten die Mitternachtsmissionen e.V., Fachverband im Diakonischen Werk. So unterhält beispielsweise die Dortmunder Mitternachtsmission e.V. eine Beratungsstelle für Prostituierte, die im Jahr 1995 von ca. 600 Frauen in Anspruch genommen wurde. Die dort tätigen Sozialarbeiterinnen betreiben aktive aufsuchende Sozialarbeit, indem sie sich an die verschiedenen Orte des Milieus begeben und Hilfe etwa bei Verhandlungen mit Ämtern, bei der Wohnungssuche, bei Schuldenregulierung etc. leisten und auf diese Weise versuchen, den Prostituierten beglei- tend den Ausstieg zu ermöglichen. Ein schwerwiegendes Problem, mit dem die Mitarbeiterinnen verstärkt konfroniert werden, liegt in der zunehmenden Gewaltbereitschaft und Agressivität innerhalb des Milieus und insbesondere in der steigenden Zahl von osteuropäischen Prostituierten, die zum Teil Opfer von Menschenhandel und damit massiver Bedrohung und Gewalt ausgesetzt sind. Hier richtete die Mitternachtsmission u.a. einen Runden Tisch ein, zu dem Vertreter/innen verschiedener Behörden und Organisationen geladen waren, um gemeinsam geeignete Hilfsmaßnahmen zu treffen. Dabei standen vor allem die Schaffung von sicheren, dezentralen Unterbringungsmöglichkeiten und die psychosoziale Betreuung für die betroffenen Frauen im Vordergrund. 100

Für den Sommer 1998 ist eine Tagung geplant, zu der das Diakonische Werk der EKD all diejenigen einlädt, die sich innerhalb der evangelischen Kirche und ihrer Diakonie mit Fragen von Prostitution und Menschenhandel befassen. Auf diese Weise soll - über eine Bestandsaufnahme und Problemanalyse hinaus - der Blick auf Handlungsnotwendigkeiten und Vernetzungsmöglichkeiten gelenkt werden.

Die Arbeit der Bahnhofsmission wurde bereits am Ende des 19. Jahrhunderts gegründet, zum Schutz von jungen Frauen und Mädchen, die auf der Suche nach Arbeit vom Land in die Stadt kamen. Sie sollten vor gewalttätigen Übergriffen, aber auch vor der Gefahr der Prostitution geschützt werden. Heute sind es vor allem junge Frauen aus Osteuropa, die auf der Suche nach einer Arbeit und etwas Wohlstand nach Deutschland kommen und nicht selten in die Hände von Zuhältern geraten. Gerade die von Gewalt betroffenen Frauen aus dem Prostituiertenmilieu suchen manchmal Hilfe auf dem Bahnhof einer Großstadt. Die MitarbeiterInnen der Bahnhofsmission beraten weibliche Opfer von Gewalt und vermitteln sie in geeignete Einrichtungen und/oder an kompetente Beratungsstellen.

Einer der Arbeitsschwerpunkte des Vereines für internationale Jugendarbeit (VIJ), einem Fachverband im Diakonischen Werk, ist die Prävention der Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Bei der Vermittlung von Au-Pairs in andere Länder, bei der Beratung und Begleitung von jungen Frauen, die aus anderen Ländern nach Deutschland kommen sowie bei der Beratung in bezug auf bi-nationale Partnerschaften ist das "Gewaltthema" immanent und Gegenstand verschiedener Fortbildungen und Tagungen.

Da wohnungslose Frauen, deren Zahl in den vergangenen Jahren stetig zugenommen hat, in verstärktem Maße gewalttätigen Übergriffen ausgesetzt sind, ist hier dringend Hilfe erforderlich. 101 In Kassel wurde daher beispielsweise von 1993-1995 ein Modellprojekt "Tageswohnung Karla 3 - Aufenthalt und Beratung für wohnungslose Frauen" im Rahmen der Abteilung "Alleinstehende Wohnungslose" im Diakonischen Werk des Kirchenkreise Kassel-Stadt, -Land und Kaufungen durchgeführt. 102 Hier ist inzwischen eine dauerhafte Finanzierung zugesagt. "Karla 3" versucht, wohnungslose Frauen in ihren extremen sozialen Schwierigkeiten beizustehen, indem praktische Hilfen zur Alltagsbewältigung, Notunterbringungen, Unterstützung bei der Wohnungssuche, Beratungen etc. angeboten werden. Mit der Tageswohnung selbst wird eine geschützte Räumlichkeit und Anlaufstelle zur Verfügung gestellt. Allein im Jahr 1995 suchten hier 153 Frauen und Kinder Kontakt und Hilfe. 103

Ein besonderes Thema in diesem Kontext ist die sexuelle Gewalt gegen geistig behinderte Frauen und Mädchen. Der Verband Evangelischer Einrichtungen für Menschen mit einer geistigen oder seelischen Behinderung (VEEMB) hat dieses weithin tabuisierte Thema in einer Schrift "Sexuelle Gewalt gegen geistig Behinderte" aufgegriffen. Darin werden u.a. Veränderungen auf institutioneller und gesellschaftlicher Ebene zum Schutz von Mädchen, Frauen, Jungen und Männern gefordert.

6. Schlußfolgerungen

a) Problemanzeigen aus dem Material

Bei dem Versuch, aus der Bestandsaufnahme kirchlicher Aktivitäten zur Gewalt gegen Frauen in unmittelbarer Ableitung verschiedene Problemanzeigen zu eruieren, stößt man alsbald auf Grenzen. Diese ergeben sich zwangsläufig aus dem vorliegenden Material selbst, das durchgängig die Palette der Aktivitäten dokumentiert, welche tatsächlich stattgefunden haben, nicht aber die Vorhaben erwähnt, die - sei es aus personellem bzw. finanziellem Mangel oder auch aufgrund fehlenden Interesses - nicht verwirklicht werden konnten. Zudem läßt sich beispielsweise aus den verschiedenen Faltblättern und Seminarankündigungen kaum ablesen, wo Probleme aufgebrochen und wie die Resonanzen auf die jeweiligen Angebote ausgefallen sind. Dennoch treten anhand der vorliegenden Materialsammlung einige Problemanzeigen deutlich hervor, andere hingegen sind eher indirekt zu erschließen.

Nahezu durchgängig fällt die geringe Beteiligung der Männer an der Auseinandersetzung mit der Gewaltthematik auf. So ist es offensichtlich notwendig, hinsichtlich der Ökumenischen Dekade "Solidarität der Kirchen mit den Frauen" wiederholt darauf hinzuweisen, daß es sich nicht um eine Dekade von Frauen für Frauen handelt, sondern hier gerade auch die Männer angesprochen sind. Diesen Umstand versuchte z.B. die Evangelische Landeskirche in Württemberg hervorzuheben, indem sie ihren Dekadesonntag 1996 auf den jährlichen Männersonntag legte. Wo bemerkenswerte Initiativen gestartet wurden, wie etwa die durchaus provokative Plakataktion des Männerwerks der EKD (s. Kapitel IV.3), fiel die Resonanz trotz manch kritischer Diskussion innerhalb der Männerarbeit ausgesprochen gering aus. So wurde bezeichnenderweise das Plakat vorwiegend und in großer Zahl von Frauen, kaum jedoch von den darin direkt angesprochenen Männern, angefordert.

Eine weitere Auffälligkeit liegt im Fehlen von Materialien - zumindest sind dem Kirchenamt bisher kaum Aktivitäten bekannt - aus den östlichen Gliedkirchen. Ein gewichtiger Grund liegt vermutlich darin, daß in der ehemaligen DDR Gewalt gegen Frauen selten thematisiert wurde und demzufolge die öffentliche Diskussion und verschiedene Arbeitsvorhaben, wie das Beispiel der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens zeigt (s. Kapitel IV.2), erst allmählich anlaufen. Bedenkt man, daß in der alten Bundesrepublik der öffentlichen Thematisierung der Gewaltproblematik in den Kirchen ein nahezu zwei Jahrzehnte währender gesellschaftlicher Diskussions- und Sensibilisierungsprozeß vorausging, so wird diese zeitliche Verzögerung durchaus verständlich. Daneben spielt sicherlich auch eine Rolle, daß nach der Wende zunächst dringliche Aufgaben einer neu zu überdenkenden Standortbestimmung der östlichen Gliedkirchen sowie finanzielle Probleme im Vordergrund standen. Dennoch ist in den neuen Bundesländern in den letzten Jahren eine hohe Zahl von neu eingerichteten Frauenhäusern und Zufluchtswohnungen in diakonischer Trägerschaft (s. Kapitel IV.5.a) zu verzeichnen; ein Sachverhalt, der verdeutlicht, daß Gewalt gegen Frauen auch im Bereich der ehemaligen DDR ein ernst zu nehmendes Faktum darstellt.

EKD-weit ergeben sich Probleme aus der allgemein angespannten finanziellen Situation der Kirche. Insbesondere Frauenhäuser und Beratungseinrichtungen beklagen die zunehmend rückgängige finanzielle Unterstützung, die zu einem Abbau von Personal und damit zur Unterversorgung in der Betreuung von Hilfesuchenden führt. Insbesondere Frauenhäuser und Beratungseinrichtungen beklagen die zunehmend rückgängige finanzielle Unterstützung, die mitunter zu einem Abbau von Personal, einer stärkeren Arbeitsbelastung und damit zur Unterversorgung in der Betreuung von Hilfesuchenden führt. Hier ist zwar in erster Linie die unzureichende finanziell-rechtliche Absicherung, der Rückgang (oder die Stagnation bei gleichzeitiger Ausweitung der Aufgaben innerhalb der Arbeit) von staalichen Zuschüssen zu beklagen, aber es ist auch zu bemerken, daß die Kostenbeteiligung der kirchlichen bzw. diakonischen Träger von Frauenhäusern meist marginal bleibt. 104 Veränderungen im Arbeitsförderungsgesetz erschweren oder verunmöglichen die Anstellung von ABM Kräften, dies betrifft vor allem die Einrichtungen in den neuen Bundesländern.

Mangelnde finanzielle Unterstützung führte dazu, daß - um nur ein Beispiel zu nennen - die Dortmunder Mitternachtsmission (s. Kapitel IV.5.c) aus finanziellen Gründen 1995/96 zwei Stellen nicht wieder besetzen konnte. Infolge dessen mußte die Arbeit im Bereich der Straßen- und Minderjährigenprostitution und in der nachgehenden Ausstiegshilfe eingestellt werden. Dies wiegt um so schwerer, als die Einsparungen an Personal mit der Zunahme von Prostitu-tion und Gewaltbereitschaft im Milieu zusammenfallen, der Beratungsbedarf also stetig steigt. Angesichts der sich verschlechternden wirtschaftlichen und sozialen Lage spricht zudem einiges dafür, daß auch die oft gewalttätig ausgetragenen familiären Konflikte zunehmen werden und damit vermutlich der Beratungsbedarf in allen entsprechenden Einrichtungen wachsen wird. Mögliche Stelleneinsparungen würden die Situation der Beratenden und vor allem der Betroffenen demnach erheblich verschärfen.

Als positive Entwicklung läßt sich eine zunehmende Vernetzung von kirchlichen Aktivitäten innerhalb einzelner Gliedkirchen sowie eine verstärkte Zusammenarbeit mit kommunalen Einrichtungen beobachten. Beispiele hierfür sind etwa die zahlreichen Tagungen bzw. Seminare, die von verschiedenen Veranstaltern und Veranstalterinnen gemeinsam getragen werden, die von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen verschiedener Einrichtungen in Arbeitsgruppen zusammengestellten Arbeitshilfen und insbesondere die Einsetzung von Runden Tischen, denen Vertreter/innen unterschiedlicher Arbeitsbereiche angehören (s. Kapitel IV.2). Solche Vernetzungen helfen einerseits sog. Doppelarbeit zu vermeiden, andererseits bieten sie vielfältige Möglichkeiten, die verschiedenen Aspekte der Gewaltthematik integrativ zusammenzubinden und somit zu einer umfassenderen Auseinandersetzung beizutragen. Zudem kann davon ausgegangen werden, daß eine Vernetzung gerade auch mit kommunalen Institutionen die Wahrnehmung und Wirksamkeit von Projekten und Veranstaltungen in der Öffentlichkeit fördert. Was darüber hinaus die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Gliedkirchen betrifft, so findet hier weniger häufig ein produktiver Austausch statt. Dies ist insofern verständlich, als oftmals konkrete Probleme und deren Lösungsversuche vor Ort im Vordergrund stehen. Dennoch könnte sich ein stärkerer Austausch beispielsweise von Materialien oder Veranstaltungsplanungen etc. als hilfreich und fruchtbar erweisen.

Angestiegen ist in den letzten Jahren das Angebot an Fortbildungsmaßnahmen speziell zum sexuellen Mißbrauch von Kindern. Da vor allem die Berater/innen, die betroffene Kinder und Erwachsene helfend begleiten, selbst oft verunsichert vor der Konfrontation mit dieser erst allmählich enttabuisierten und hochsensiblen Thematik stehen, sind hier weitere Fortbildungsangebote sowie eine intensive Auseinandersetzung dringend notwendig. Zugleich läßt sich jedoch fragen, ob die zunehmende Konzentration auf die Thematik des Mißbrauchs nicht gewisse Probleme in sich birgt. So liegt u.U. die Gefahr eines verengten Blickwinkels nahe, der die Wahrnehmung der Gewaltproblematik vornehmlich auf den sexuellen Mißbrauch reduziert und die Vielfalt von Situationen, in denen Frauen Gewalt ausgesetzt sind und damit auch deren Ursachen, aus den Augen verliert. Zudem führt die ständig präsente und oft reißerische Berichterstattung in den Medien zu einer Skandalisierung der Problematik, die ebenso eine differenzierte Auseinandersetzung verhindert wie der zwangsläufig irgendwann eintretende Effekt des Überdrusses. Auch einlinige Erklärungen im Sinne dessen, daß wer als Kind (sexuelle) Gewalt erlitten hat, später selbst zur Gewalttätigkeit neigt, mögen in vielen Fällen zutreffen, führen jedoch leicht in eine Kreislaufdiskussion und können Bagatellisierungstendenzen nach sich ziehen, da Verantwortlichkeiten für Gewalt nur noch schwer zuzuweisen sind. Angesichts dieser Gefahren scheint es für die kirchliche Arbeit angebracht, sich differenziert und längerfristig mit der Thematik des Kindesmißbrauchs und dessen Folgen zu befassen, ohne jedoch die Gewaltproblematik darauf zuzuspitzen bzw. im Anschluß an die Mediendiskussion selbst einer schlagzeilenträchtigen Öffentlichkeitsarbeit zu unterliegen.

Eine grundlegende und übergreifende Problematik bei der kirchlichen Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt scheint in der Vermittlung von theologischen und gesellschaftspolitischen Fragen sowie den entsprechenden Handlungsansätzen zu liegen. Zwar finden sich in der Mehrzahl der Arbeitshilfen und Tagungsdokumentationen sowohl theologische Reflexionen wie praxisorientierte Überlegungen und Hilfen, jedoch stehen diese oftmals auffällig unverbunden nebeneinander. Integrative Konzepte, die theologische Ethik, gesellschaftspolitische Wirklichkeit und Handlungsperspektiven überzeugend miteinander verbinden, sind trotz der o.g. Möglichkeiten einer zunehmenden Vernetzung nur ansatzweise vorhanden und vermutlich sehr schwer zu entwickeln. Allerdings ist zu bedenken, daß derartige Vermittlungsschwierigkeiten nicht allein hinsichtlich der Gewaltthematik, sondern in bezug auf zahlreiche ethische Fragen auftreten.

Darüber hinaus wäre zu fragen, ob die zahlreichen Veranstaltungen zur Veränderung von Gewaltverhältnissen beitragen. Vielfach handelt es sich anscheinend um punktuelle Angebote, bei denen indirekt und direkt von Gewalt betroffene Frauen zusammenkommen. Der hier stattfindende Austausch von Erfahrungen und Informationen bietet dringend notwendige Möglichkeiten und Anregungen insbesondere zur Aufarbeitung der Gewaltproblematik, kann sich aber vermutlich weniger auf der gesellschaftspolitischen Ebene auswirken. Insofern sind neben eher pädagogischen Veranstaltungen und der Schaffung von geschützten Räumen weitergehende Maßnahmen zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit und einer verstärkten Gewaltprävention erforderlich. Ein Ansatz dazu liegt beispielsweise in der o.g. Einberufung offizieller Runder Tische, die es ermöglichen, auf längere Sicht in verschiedene Institutionen und in politische Strukturen hineinzuwirken. Ein weiterer Beitrag zur politischen Änderung von Verhältnissen, die Gewalt gegen Frauen begünstigen, besteht, wie etwa die Kampagne gegen Kinderprostitution im Sextourismus (s. Kapitel IV.3) gezeigt hat, in der Einbringung von konkreten rechtlichen Forderungen auf bundesweiter Ebene. Gerade hier kann sich auch eine Zusammenarbeit der Kirchen mit überregionalen nichtkirchlichen Organisationen als außerordentlich fruchtbar erweisen.

b) Problemanzeigen zur Kirche als Arbeitgeberin

Der Synodenauftrag für dieses Studienvorhaben wünschte eine "kirchenspezifische" Untersuchung. Das kann zweierlei bedeuten: Es solle untersucht werden, wie die Kirchen mit dem gesellschaftlichen Problem der Gewalt gegen Frauen umgehen, wie sie also durch Verkündigung, Seelsorge, Lehre und sozialdiakonisches Handeln dazu beitragen, Gewalt gegen Frauen zu verhindern, Gewaltopfern zu helfen, Täter zur Umkehr zu bewegen und eine theologisch begründete Praxis der Gewaltfreiheit zwischen den Geschlechtern zu befördern. Der Auftrag kann aber auch bedeuten, Gewalt gegen Frauen in der Kirche selbst, zwischen in der Kirche tätigen Frauen und Männern zu thematisieren. Zum ersten Aspekt gibt es, wie die Bestandsaufnahme zeigt, eine Fülle von Beispielen. Zum zweiten, innerkirchlichen Aspekt gibt es so gut wie kein Material. Es fehlt an empirischen Untersuchungen, ob und wenn ja in welchem Umfang Gewalt gegen Frauen auch in der "Gemeinschaft der Gläubigen" existiert. Das Problem läßt sich nicht wissenschaftlich objektivieren. Sich ihm zu nähern, bedeutet, auf subjektive Beobachtungen, Einzelfälle und eine allgemeine Lebenserfahrung zurückzugreifen. Diese besagt zunächst, daß sich die Kirche als Institution nicht von anderen Großorganisationen unterscheiden wird. Unter ihren ca. 600.000 Beschäftigten und den ca. 800.000 Ehrenamtlichen spielen sich die gleichen menschlichen Dramen ab, wie in jedem anderen Lebensbereich. Zwar ist zu hoffen, daß die religiöse Bindung von Christen ethische Standards gegen jede Form von Gewalt setzt. Mit Sicherheit erwarten können wir es nicht.

Den an diesem Bericht Beteiligten sind Einzelfälle von sexuellen Übergriffen in der Konfirmanden- und kirchlichen Jugendarbeit bekannt, von sexueller Belästigung am kirchlichen Arbeitsplatz, von Mißbrauch in Seelsorge-, Therapie- und Beratungssituationen, von familialer Gewalt im Pfarrhaus... Es wird kaum einen Personalreferenten bzw. eine -referentin einer Landeskirche geben, die nicht auch von solchen Fällen wissen. Daten- bzw. Persönlichkeitsschutz der Betroffenen - Opfer wie Täter - verbieten es, solche Einzelfälle ans Licht der Öffentlichkeit zu ziehen. Die notwendige Diskretion hat aber zur Folge, daß die kirchenöffentliche Auseinandersetzung über das Problem an sich erschwert bis verhindert wird. Der häufig hohe moralische Anspruch, den kirchlich Beschäftigte an sich selbst stellen und der an sie gestellt wird, erhöht zudem die Hemmschwelle, in eine offene Kommunikation über menschliches Versagen in den eigenen Reihen einzutreten. Hinzu kommen Befürchtungen, daß das Bild der Kirche als ganzes Schaden nehmen könnte. Das Tabu, über sexistisch motivierte Gewalt zu sprechen, ist in der Kirche vermutlich höher als in anderen Arbeits- und Lebenszusammenhängen. Dieses erklärt teilweise das Fehlen jeglicher öffentlich zugänglicher und abgesicherter Fakten und Daten.

Solange Einzelfälle ausschließlich als solche betrachtet werden, wird es keinen Überblick über Art und Umfang von Gewalt gegen Frauen in der Kirche geben. Persönlichkeitsschutz und Diskretion dürfen nicht verletzt werden. Aber es darf und muß öffentlich gemacht werden, daß Gewalt gegen Frauen auch ein innerkirchliches Thema ist. Beispiele, wie dieses geschehen kann, gibt es in der außerdeutschen Ökumene. Das Projekt der Evangelical Lutheran Church in America (ELCA) "How to make Church a safe place"105 stieß mit seiner offensiven Strategie auf äußerst positive Resonanz, wie die Frauenreferentin der ELCA, Joanne Chadwick, berichtete. Die Kirche von Schottland gab eine wissenschaftliche Untersuchung zur Gewaltproblematik in Pfarrhäusern in Auftrag, an der Dr. Lesly MacDonald vom "Center for Theology and Public Issues", Edinborough, arbeitet. Solche Projekte fördern nicht nur die sachliche Aufarbeitung des Problems; sie helfen vor allem Opfern, ihre Gewalterfahrungen nicht verdrängen zu müssen, sondern Menschen zu finden, die darauf vorbereitet sind. Sie können ihnen die Hoffnung geben, daß auch die Kirche will, daß ihnen Gerechtigkeit widerfährt.

Das kirchliche Disziplinarrecht sieht selbstverständlich auch Mittel und Wege vor, Gewalt gegen Frauen zu ahnden. Daß es zu relativ wenigen förmlichen Verfahren wegen sexueller Belästigung, Mißbrauch oder sexueller Gewalt kommt, sagt noch wenig über deren Vorhandensein. Scham, Unwissenheit über rechtliche Sanktionsmöglichkeiten und mangelndes Vertrauen in das Verfahren selbst halten Opfer davon ab, disziplinarische Schritte einzuleiten. Allerdings haben die Erfahrungen (z.B. des Nordelbischen Frauenreferates) gezeigt, daß in dem Maße, wie vertrauenswürdige und kompetente Ansprechpartner/innen bekannt sind und hinreichende Informationen über rechtliche Möglichkeiten und Verfahrenswege vorliegen, die Bereitschaft der Opfer wächst, sich zu offenbaren, Hilfe und Beistand in Anspruch zu nehmen und auf rechtliche Sanktionen hinzuwirken. Als Ansprechpartner/innen kommen insbesondere Mitarbeitervertretungen, Frauenbeauftragte und natürlich die für Personalfragen Zuständigen in Frage. Letztere repräsentieren aus der Perspektive der Beschäftigten die Arbeitgeber-/Dienstgeber-seite. Offenbar bestehen höhere Hemmschwellen, sich diesen Personen anzuvertrauen. Besser geeignet scheinen solche Personen und Stellen zu sein, die eher außerhalb der Amtshierarchien stehen. Sofern es diesen gelingt, als geeignete Adresse in das kirchenöffentliche Bewußtsein zu kommen und in Absprache mit Ratsuchenden Hilfen und Konfliktlösungsstrategien zu entwickeln, brauchen diese Vertrauenspersonen die vorbehaltlose Unterstützung durch alle in Frage kommenden kirchlichen Dienststellen.

So gibt die Evangelische Kirche von Westfalen zur Zeit eine "Handreichung zum Umgang mit sexueller Gewalt in der EKvW"106 heraus. Nach einführenden Informationen zu Themen wie:

  • "sexuelle Gewalt und Kirche",
  • "sexuelle Gewalt an Mädchen und Frauen mit Behinderungen"
  • "berufsethische Grundlagen für Beziehungen in Seelsorge und Beratung"
  • "Verantwortung der Männer"
  • "Perspektiven für die Opfer"
  • werden ausführlich die rechtlichen Grundlagen für den Umgang mit sexueller Gewalt in der Kirche dargestellt. Wichtig ist den Autoren und Autorinnen, daß die vorhandenen Rechte gewußt und in Anspruch genommen werden - darüber hinaus aber die für Betroffene oft kaum zu überwindende Hürde für diese Inanspruchnahme verringert wird.

"Ziel dieses Vorgehens ist es, die Betroffenen so zu begleiten, daß nicht zusätzliche Verletzungen ausgelöst werden, sondern Klärung und schon dadurch eventuell Schritte zur Heilung möglich werden. Weiterhin geht es darum, die Bedeutung der Vorkommnisse zu klären und die Betroffenen zu informieren über Wege und Verfahren einer offiziellen Beschwerde" (aus der Handreichung).

So werden "Strukturen für die Begleitung von Betroffenen" entwickelt: Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner auf der Ebene der Kirchenkreise und der Landeskirche, die durch Fortbildung und kollegiale Beratung für die Begleitung Betroffener qualifiziert werden. Ihre Namen werden in Regionen und Kirchenkreisen veröffentlicht. Im Vorfeld straf- oder disziplinarrechtlicher Verfahren werden diese Strukturen entwickelt und erprobt.

"da es der Ev. Kirche von Westfalen darum geht, einerseits Menschen vor sexueller Belästigung zu schützen und andererseits Menschen, die von sexuellem Mißbrauch betroffen sind, zu stärken und zu begleiten" (aus der Handreichung).

Gelegentlich gab es die Erfahrung, daß der Bote oder die Botin für die schlechte Botschaft gescholten wurde, so als würde das Angebot zur Beratung die Beratungsfälle erst produzieren. Daß dem nicht so ist, ist aus anderen Zusammenhängen bekannt.

Für die Kirche als Arbeitgeberin lassen sich aufgrund vorliegender Erfahrungen und der Kenntnis von Einzelfällen eine Reihe von Handlungsansätzen und Empfehlungen formulieren, die in Kapitel VI aufgeführt sind.



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