Xenotransplantation

Eine Hilfe zur ethischen Urteilsbildung

Vorwort

Die Entwicklung der Transplantation von Tierorganen auf den Menschen, die sog. "Xenotransplantation", wurde in Gang gesetzt, um den schwerwiegenden Mangel an menschlichen Spenderorganen zu beheben. Zur Zeit sind - nach Auskunft der Forschenden - viele Fragen hinsichtlich der Immunsuppression, die zur Unterdrückung der Abstoßungsreaktion des fremden Tierorgans nötig ist, der Funktion von tierischen Organen im menschlichen Organismus sowie der Infektionsrisiken noch nicht gelöst. Jede ethische Beurteilung der Xenotransplantation muß neben den erheblichen Ungewißheiten aus medizinischer Sicht ein breites Spektrum von weiteren Aspekten berücksichtigen.

Um über diesen modernen Zweig der Forschung Orientierung zu gewinnen, hat der evangelisch-katholische Kontaktgesprächskreis, der der Konsultation und Absprache zwischen dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz dient, angeregt, daß eine Arbeitsgruppe mit dem Auftrag gebildet wird, die wichtigsten Gesichtspunkte zur ethischen Beurteilung der Xenotransplantation darzustellen. Das Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland und das Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz haben Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlicher Fachrichtungen gebeten, in der Arbeitsgruppe mitzuwirken:

  • Prof. Dr. Dietrich von Engelhardt (Medizin- und Wissenschaftsgeschichte), Lübeck,
  • Prof. Dr. Johannes Fischer (Systematische Theologie), Basel,
  • Dr. Wiltrud Kernstock-Jörns (Psychotherapeutische Medizin), Berlin,
  • Prof. Dr. Johannes Reiter (Moraltheologie), Mainz,
  • Priv.-Doz. Dr. Hans J. Schlitt (Chirurgie), Hannover,
  • Prof. Dr. Kurt Seelmann (Strafrecht, Medizinrecht und Rechtsphilosophie): Gastbeitrag (Juristische Aspekte), Basel.

Unter der Geschäftsführung von Dr. Ursula Beykirch, Bonn, und OKRin Dr. Renate Knüppel, Hannover, ist in der Arbeitsgruppe eine gemeinsame Position entwickelt und zur Darstellung gebracht worden. Im Verlauf der Erarbeitung des Textes stellte sich heraus, daß Frau Dr. Kernstock-Jörns grundlegende Aussagen, insbesondere im Hinblick auf die psychologischen Aspekte im Zusammenhang mit der Transplantationsmedizin und auf die ethische Beurteilung der Xenotransplantation, nicht mittragen konnte. Ihre Ablehnung einer weiteren Erforschung der Xenotransplantation, beruhend insbesondere auf einer anderen Sicht des Verhältnisses von Mensch und Tier sowie einer anderen Vorstellung von medizinischer Behandlung des Menschen, war nicht in den Text zu integrieren. Ein von ihr persönlich verantwortetes abweichendes Votum ist als Anhang beigefügt.

Das hier vorgelegte Heft bietet keine umfassende und abschließende Darstellung der mit der Xenotransplantation verbundenen Probleme. Vielmehr versteht es sich - beim gegenwärtigen Stand der Erkenntnisse - als Diskussionsbeitrag und Hilfestellung zur ethischen Beurteilung der Xenotransplantation.

Hannover / Bonn, im Mai 1998

Kirchenamt der
Evangelischen Kirche in Deutschland

Sekretariat der
Deutschen Bischofskonferenz