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Adventsgebäck

Nicht nur Apfel, Nuss und Mandelkern prägen den Geschmack der Adventszeit. Eine Vielzahl leckerer Backwaren stimmen den Gaumen auf das festliche Weihnachtsfest ein.

Viele unterschiedliche Faktoren zeichnen dafür verantwortlich, dass die im christlichen Umfeld feierlich begangene Adventszeit einen besonderen und würdigen Charakter erhält. Die Vorbereitung auf die Geburt Christi steht im Mittelpunkt der kirchlichen Handlungen, soll auch den privaten Raum durchdringen und insgesamt positiv belegt werden.

Die Verflechtung von liturgischer Ausrichtung und privater, meist familiärer Brauchhandlung hat eine lange Tradition. Der sakrale Glanz kirchlicher Feierlichkeiten lässt sich vielfältig auf profane Lebensbereiche übertragen - in der Vormoderne (und weitestgehend noch heute) konnte dies insbesondere im Mahlzeitensystem zum Ausdruck gebracht werden. Die tägliche Kost, die nahezu vollständig dem jahreszeitlichen Rhythmus unterworfen war, kannte doch den Unterschied zwischen Festtags- und Alltagsspeise. Dabei standen die meist kargen Lebensverhältnisse mit dem oft üppigen Festmahl in starkem Kontrast: In der Menge, der Art der Zubereitung und den ausgewählten Zutaten drückte man die religiöse Relevanz der Festtage auch im Kreis der Familie aus. Persönliches Wohlbefinden, welches in Zeiten extremer Mangelwirtschaft noch stark von der Lebensmittelversorgung abhängig war, konnte gesteigert werden und so erheblich zu einer insgesamt positiv bewerteten Adventszeit beitragen. Das Adventsgebäck, welches vornehmlich im Rahmen des Schenkbrauchs zu Barbara und Nikolaus oder auch am Weihnachtstage, zusammen mit Früchten und Nüssen verzehrt wurde, gehört ebenfalls in diesen Kontext.

Obwohl mit der Industrialisierung der Wohlstand breitflächig stieg und sich somit auch die Ernährungslage stetig besserte, behielt die festliche Mahlzeit und gleichermaßen das Adventsgebäck eine zentrale Rolle innerhalb des weihnachtlichen Brauchkomplexes. Dies begründet sich sicherlich auch in einer weiteren Funktion, die im Laufe der Zeit an Relevanz gewonnen hat: Bei der Mahlzeit und gleichwohl beim gemeinsamen Zubereiten des Gebäcks konnte eine bürgerlich-ideale Familienvorstellung zeitterminiert verwirklicht werden. Auch heute noch ist es nicht zuletzt diese emotional positiv besetzte Form familiärer Gemeinschaft, die in Privathaushalten die "typisch weihnachtliche Stimmung" erzeugt. Die somit nicht selten aus der eigenen Kindheit bekannte Art privater Weihnachtsvorbereitung wird im Erwachsenenalter oft beibehalten, dann aber - verstärkt durch das Aufbrechen traditioneller Familienstrukturen oder einer doppelten Erwerbstätigkeit - häufig durch die massiv expandierende Nahrungsmittelindustrie bedient. Neben dem Verlust der ursprünglichen, wenngleich eher idealtypischen Gemeinschaftlichkeit kann das permanente Angebot typischer Adventwaren zu einer Störung gewohnter Rhythmen und somit auch zur Bedeutungslosigkeit des Advents im privaten Raum führen.

Autor: Lars Winterberg

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Publikationsdatum dieser Seite: 04.04.2014 12:28