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Martinstag

Als römischer Offizier teilte Martin seinen Mantel mit einem Bettler. Später wurde er Bischof von Tours (gest. 397) und wegen seiner vielen guten Taten heilig gesprochen. Luther, geboren am 10. November 1483, wurde am Martinstag auf diesen Namen getauft. So feiert man heute entweder den katholischen Heiligen mit Laternenumzügen und Martinsfeuern oder den Reformator. Vor allem Kinder haben dabei ihren Spaß: In Gruppen ziehen sie durch den Ort, singen Martinslieder und heischen Süßigkeiten.

Es war tiefer Winter. Martin war in Armiens als Soldat stationiert, als er etwa im Jahr 334 vor dem Stadttor einem unbekleideten und bedürftigen Mann begegnete. Mit seinem Schwert teilte er seinen Mantel und schenkte die eine Hälfte dem armen Bettler und erwies ihm so seine Barmherzigkeit. Martin von Tours ist in der katholischen Kirche einer der populärsten Heiligen und hat auch in der evangelischen Tradition eine große Bedeutung. Sein Gedenktag ist der 11. November. An diesem Tag wurde der Bischof von Tours um das Jahr 397 zu Grabe getragen. Sankt Martin ist als Patron der Bauern, Winzer, Hirten und des Viehs bekannt.

Ein Rechtstermin

Der Martinstag war der Termin für den Almabtrieb, Auszahlung des Hirtenlohns und für die Überreichung der Martinigerte. Der Martinstag hatte zudem eine große Bedeutung als Rechtstermin (Gesindewechsel, Zinstermin, Markttag), da im Anschluss eine 40 Tage dauernde Fastenzeit begann. In dieser "geschlossenen Zeit" waren solche Geschäfte nicht mehr möglich. Der Martinsabend wird meist am 11. November, dem Todestag des Heiligen Martin von Tours gefeiert. Heutzutage ist es auch üblich, am Vortag oder am darauf folgenden Wochenende zu feiern, wenn der 11. November auf einen Werktag fällt.

Fest der Kinder

Im Gegensatz zu vielen anderen Brauchterminen erfreut sich der Martinstag großer Beliebtheit. Während andere religiöse Festtage eher in den Hintergrund traten, hat sich der Martinsbrauch im 20. Jahrhundert stark ausgebreitet. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass der Martinstag als Fest der Kinder gilt und er sich gut in den Alltag von Kindergärten und Schulen einbinden lässt.

Bezug zu Martin Luther

Auch in protestantischen Gegenden wird der Martinstag gefeiert, hier teilweise mit Bezug auf Martin Luther. Er wurde am 10. November geboren und am darauffolgenden Tag auf den Namen Martin getauft. In protestantischen Gegenden hat der Martinsbrauch seine Form zwar beibehalten, doch werden oftmals so genannte Lutherbrötchen anstelle von Brezeln und Weckmännern verteilt. Besonders in der Blumenstadt Erfurt, in der Martin Luther als Student wohnte, ist der 11. November von großer Bedeutung. Hier feiert man zu Ehren des Reformators ein Bescherfest für die Kinder.

Espelkamp 1953

Die Stadt Espelkamp-Mittwald war damals eine typische Vertriebenenstadt. Nach dem Krieg wurde Espelkamp zur neuen Heimat hunderter Evakuierter aus Ostdeutschland und Schlesien. Diese waren überwiegend katholisch, was sie dennoch nicht davon abhielt, am evangelischen Brauch des Martin-Luther-Singens am 10. November teilzunehmen. Im Jahre 1953 erfuhr der Martinsbrauch in Espelkamp aber eine Neuformung. Im Herbst 1953 hatte der Rektor der Espelkamper Ostschule die Idee, dem Martinstag einen neuen Sinn zu geben. Er wollte eine aktive Hilfeleistung für die Menschen in der damaligen Ostzone erwirken. Diese Idee wurde zusammen mit dem Espelkamper Pastor Platinko im Evangelischen Arbeitskreis besprochen, und schließlich unter Mitwirkung der gesamten Gemeinde, die alle Konfessionen mit einbezog, durchgeführt. Das Experiment hatte solch durchschlagenden Erfolg, dass das Martinssingen auch in den folgenden Jahren in dieser neuen Form durchgeführt wurde. Man wertete es als Beitrag zur "stillen Wiedervereinigung" ohne konfessionelle Rivalität und Grenzen. Der Espelkamper Martinstag war zum allgemeinchristlichen Tag des Helfens geworden.

Quelle: Angermann, G.: Das Martinsbrauchtum in Bielefeld und Umgebung im Wandel der Zeiten. In: Rheinisch- westfälische Zeitschrift für Volkskunde, 1957. S. 231-256.

Martinsbräuche und Wetterregeln

Martini 1810
Durch ein Edikt vom 9. Oktober 1807 wurde an diesem Tag die Leibeigenschaft aufgehoben. Der preußische Staatsmann Freiherr vom Stein legte den 11. November 1810 als letztmöglichen Termin der Bauerbefreiung fest.

Martinioktav
Die Woche nach dem Martinstag galt lange Zeit als Jahresausklang. In dieser Zeit wurden nur die wichtigsten Arbeiten im Stall und auf dem Feld ausgeführt. Diese Zeit wurde auch Schlum- oder Schlamperwoche genannt, da das Gesinde Zeit zum Entspannen hatte bzw. abgelöst wurde.

Wetterregeln

  • St. Martin setzt sich schon mit Dank am warmen Ofen auf die Bank.
  • St. Martin kommt nach alten Sitten zumeist auf einem Schimmel geritten.
  • Schon nach der Allerheiligenmiss ist der Bauer des Winters gewiss; wenn er dann noch nicht kommen mag, dauert es nur bis Martinitag.
  • "Michel mahnt, Martin zahlt." (St. Martin als Steuerheiliger)

Autorin: Simone Assmann

Martin
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Publikationsdatum dieser Seite: 04.11.2014 17:52