Hirten
Dem Hirten sind auf der Symbolebene zahlreiche Bedeutungen zugeordnet, die durchaus widersprüchlich erscheinen können. Während der Hirte z. B. spätestens seit dem 8. Jahrhundert und in Anlehnung an das Alte Testament mit Gott und seiner Funktion als Hüter und Beschützer der Menschheit in Verbindung gebracht wird, kann er im Alltag gleichwohl als unehrlich gelten, da die Kontrolle über ihn und seine Lämmer fehlt und ihm zuweilen Korruption unterstellt wird. Welche Bedeutung hat der Hirte aber im Rahmen der Weihnachtsgeschichte und warum lässt er sich in zahlreichen Krippendarstellungen finden?
Der Symbolgehalt des Hirten weist auch in diesem Zusammenhang in verschiedene Richtungen: Zum einen ist die Parallele zwischen dem Hirten als Hüter der Schafe und der in Jesus Geburt prophezeiten Ankunft des Messias, also des Hüters aller Menschen unübersehbar. Zum anderen erwächst aus dieser speziellen Konstellation eine konkrete Aussage: Der Engel verkündet den Hirten, also einer prestigeschwachen sozialen Unterschicht die Geburt des Herrn. Der Erlöser erscheint den Verachteten und wird in ihren Reihen gehuldigt.
Interessanterweise liegt in der Begegnung zwischen Hirten und Engel und der Datierung des Weihnachtsfestes eine gewisse Widersprüchlichkeit, denn Ende Dezember befinden sich keine Hirten mit ihren Herden auf den Weidegründen - die Witterung lässt es nicht zu. Dennoch verschaffte dieser logische Bruch der Krippe und den Szenen der Krippenspiele keinen Abbruch - die Hirten sind bis heute mit ihren Schafen wichtige Figuren der verschiedenen Darstellungsformen geblieben.

