Maria, die Mutter Jesu
Die älteste Bibelstelle (ca. 55 n. Chr.), in der die Mutter Jesu erwähnt wird, ist Galater 4,4: "Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau." Dass Jesus also von einem Menschen geboren wurde und folglich Mensch war, wurde in der frühen Theologiegeschichte zu einer entscheidenden Aussage. Zugleich wurde im Konzil von Ephesus 431 mit dem Titel "Gottesgebärerin" daran festgehalten, dass Jesus wahrer Gott ist. Dieser Titel spiegelt die früh einsetzende hohe Verehrung Marias im Volk wieder, die oft den Platz lokaler Göttinnen einnahm.
Die Weihnachtsgeschichte im Lukasevangelium (Kap. 1 und 2) erzählt von zwei Frauen, Elisabeth und Maria, deren Geschichten einer wunderbaren Geburt miteinander verwoben sind. Beide werden vom Heiligen Geist erfüllt. Bei Maria wird der "Heilige Geist" mit der "Kraft des Höchsten" gleichgesetzt: Gottes Schöpfermacht schafft neues Leben. Das Wort "Jungfrau" stammt aus der Verheißung in Jesaja 7,14. Der hebräische Originaltext lautet: "Siehe, eine junge Frau wird schwanger werden..." Die griechische Übersetzung hat daraus "Jungfrau" gemacht. Bei Maria muss an ein junges Mädchen im beginnenden Heiratsalter (ca. 12 1/2 Jahre) gedacht werden. In der späteren Theologiegeschichte wurde der Gedanke der "Jungfrauengeburt" dann weiter ausgebaut. Um 200 n. Chr. findet er sich im Glaubensbekenntnis ("geboren von der Jungfrau Maria"). Letztlich sagt er mehr über Jesus aus - nämlich, dass er Gottes Sohn sei - als über Maria. Maria hatte noch weitere Kinder (vgl. Markus 6,3), von denen ein Sohn, Jakobus, zu den Leitern der Jerusalemer Urgemeinde gehörte (Galater 2,9).

