Schwibbogen / Weihnachtsbogen
Der Schwib- oder auch Weihnachtsbogen ist ein bogenförmiger Leuchter, der traditionell mit Kerzen, heute auch mit Glühlämpchen ausgestattet ist. Durch seine Kerzen- und Lichtsymbolik passt er sich - der Weihnachtspyramide gleich - in bestehende Brauchstrukturen der Weihnachtszeit ein und dient somit der Inszenierung weihnachtlicher Stimmung und Vorfreude. Während die Kerzen grundsätzlich auf den Bogen gesteckt werden, bietet das Bogeninnere Raum für individuelle und gleichfalls regionaltypische Ausgestaltung. Obwohl die Herstellung aus Holz gegenwärtig die stärkste Verbreitung findet, wurde der Schwibbogen ursprünglich aus Metall geschmiedet.
Entgegen mancher Annahme stand bereits der erste Schwibbogen in direktem Bezug zum Weihnachtsfest. Dieser stammt aus Johanngeorgenstadt, einer Gemeinde des westlichen Erzgebirges. Seit dem 18. Jahrhundert wurden in dieser Region, deren Haupterwerbszweig im Bergbau lag, am Vorabend des Weihnachtsfestes private Feiern in den Zechenhäusern üblich. Diese waren in Form und Funktion durch den sozio-kulturellen Horizont der teilnehmenden Bergleute bestimmt. Entsprechend war man gekleidet, speiste und dekorierte man: So fertigte im Jahre 1740 der Bergschmied C. G. Teller für das Fest einen weihnachtlich dekorierten, eisernen Kerzenbogen - später dann als erster Schwibbogen bekannt. Der weihnachtliche Schmuck wurde auf den Zechenfeiern üblich und erlangte schließlich als Werbesymbol im Rahmen einer industriellen Ausstellung überregionale Beachtung und - in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts - auch Verbreitung.
Der Begriff Schwibbogen leitet sich von Schwebebogen, einer Bezeichnung der Architektur für den Stützbogen zwischen zwei Mauern, ab. Heute ist er durch industrielle Produktion und als Angebot massiv expandierender Weihnachtsmärkte deutschlandweit bekannt. Er wird aus unterschiedlichsten Materialien hergestellt und mit verschiedensten, auch profanen Motiven verziert. Obgleich der besagte Ursprung des Weihnachtsbogens im Kontext des Bergbaus liegt, ist seine Form nicht dem Mundstollen des Bergwerks nachempfunden. Diese Bedeutung wurde ihm erstmals im 20. Jahrhundert zugesprochen.
Autor: Lars Winterberg

