Weihnachtsmann
Der Weihnachtsmann ist ebenso wie das Christkind im Rahmen reformatorischer Einflussnahme des 16. Jahrhunderts entstanden. Beide sollten den zum Nikolaustag üblichen Schenkbrauch allmählich auf das Weihnachtsfest übertragen und somit die Verehrung des Heiligen Nikolaus - entsprechend des reformatorischen Gedankens von der Gleichheit aller Christen - eindämmen. Der Weihnachtsmann verfügt über keinerlei christlich-biblischen Hintergrund und ist somit als rein popular-kulturelles Kunstprodukt zu bezeichnen.
Das äußere Erscheinungsbild des Weihnachtsmannes geht ursprünglich auf Darstellungen des Heiligen Nikolaus zurück, unterlag aber in seiner Entwicklung zahlreichen Wandlungen. Der Weihnachtsmann passte sich damit stets zeitgenössischen und zum Teil auch regionalen Strömungen an. So entwickelte sich die Figur etwa als Personifikation des Winters zum Väterchen Frost und ist in dieser Form noch heute in Russland bekannt. Im 18. und 19. Jahrhundert erfuhr der Weihnachtsmann eine verstärkte öffentliche Thematisierung und Darstellung, wurde mit einer Rute zum strengen Beurteiler kindlichen Verhaltens und somit - wie etwa der zeitnahe Struwwelpeter - zum Instrument bürgerlicher Pädagogik.
Der Weihnachtsmann erlebte 1932 gewissermaßen eine zweite Geburt: Das Bild der heute weltweit bekannten "Onkelfigur", die bärtig, wohlbeleibt und in rot-weißem Kostüm die weihnachtlichen Gaben bringt, entpuppte sich als äußerst erfolgreiche Werbekampagne des amerikanischen Coca-Cola-Konzerns. Diese Variante hat sich inzwischen als extrem langlebig erwiesen, bestimmt nach wie vor die mediale Darstellung sowie den inszenierten Auftritt und hat in einigen katholischen und zahlreichen evangelischen Regionen das Christkind als Gabenbringer scheinbar endgültig abgelöst.
Autor: Lars Winterberg


