Buchtipps 2007
Abdolah, Kader: Das Haus an der Moschee
Warmherziger, anspruchsvoller Roman über das Schicksal einzelner Mitglieder einer iranischen Großfamilie zur Zeit der Anti-Schah-Aufstände

Am Anfang könnte man fast von einer Idylle sprechen, wenn der hochgeachtete Teppichhändler Aga Djan seine Fürsorge über die Bewohner des Hauses an der Moschee ausströmt. Die Religion und die Familienbande bestimmen das ganze Leben, und man fühlt sich geborgen. Bald mischen sich melancholische Untertöne ein, und der hingerissene Leser wird mit einbezogen in die Auswirkung eines politischen Schreckenssystems, welches seine Tentakel bis in dieses iranische Dorf ausstreckt und die Menschen dort in Leid und Tod verstrickt.
Ein Verdienst des Autors, eines Exiliraners, ist es, eigene Erfahrungen aus der Zeit der Anti-Schah-Revolution in die Handlung einfließen zu lassen. Das geschieht so eindringlich-unaufdringlich, dass seine orientalisch-ausgeschmückte Erzählweise in ihrem Zweck zu unterhalten nicht geschmälert wird. Darüber hinaus zeichnet er das Bild einer tief religiösen Gemeinde, deren Schicksal nicht kalt lässt und dem Leser wahrscheinlich noch lange nachgeht.
Der anspruchsvolle, keineswegs leicht zu lesende, aber sehr lohnende Roman verdient eine aufmerksame Leseweise, damit sich seine ganze Schönheit, auch die der Tragik, voll entfalten kann.
Martina Mattes
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