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Argentinien
Mutig gegen Landraub

Im argentinischen Chaco machen skrupellose Vertreter des Agrobusiness den indigenen Völkern ihr Land streitig. Mit Hilfe moderner Geoinformationssysteme und engagierter Lobbyarbeit verhilft die Organisation ASOCIANA den Indigenen zu ihrem Recht.

Mit schwerem Gerät wird der Wald gerodet. Der Rest wird abgefackelt."Da! Halt drauf!", ruft Ana Alvarez dem Fotografen von der Rückbank des Kleinflugzeugs aus zu. Der reagiert sofort, zoomt lodernde Flammen und verbrannte Mondlandschaft heran, drückt ab. Zeitgleich hält Alvarez mithilfe eines GPS-Gerätes die Koordinaten der Orte fest, an denen illegal brandgerodet wird.

Ana Alvarez, Projektkoordinatorin des "Brot für die Welt"-Partners ASOCIANA, einer Organisation der Anglikanischen Kirche, erklärt das Prinzip der Zerstörung: "Es ist einfach: Sie roden mit schweren Maschinen, holen alle wertvollen Hölzer aus dem Wald und verarbeiten minderwertige zu Kohle." Alles Übrige scharren Bulldozer zu großen Haufen Die illegale Rodung zerstört die Lebensgrundlage der Indigenen. Denn ohne den Wald können sie sich nicht ernähren.zusammen, Feuer erledigen den Rest. So wird Platz für Monokulturen wie Soja, Zuckerrohr oder die ölhaltige Färberdistel geschaffen - Erzeugnisse,  die in den Industrieländern begehrt sind und satte Gewinne versprechen. Auch Europa ist ein guter Abnehmer. Hier landet Soja als Futtermittel in den Trögen von Schweinen und Rindern - während im argentinischen Chaco jene hungern, denen das Land eigentlich gehört: die indigene Bevölkerung.

Mit den kartographierten GPS-Daten und den Luftaufnahmen sollen dem Umweltministerium Verstöße gegen eine einstweilige Verfügung aus dem Jahr 2008 bewiesen werden. Diese verbietet jegliche Rodung in der Region. Informiert wird auch der Oberste Gerichtshof, der damals auf die Verfügung drang - seinerzeit ein großer Erfolg für ASOCIANA.

"Eine Geburtsurkunde besitzt hier fast niemand", sagt Claudia Lungu von ASOCIANA. Doch ohne Papiere gibt es keine Hilfe vom Staat.Als wäre der Kampf gegen das Agrobusiness nicht schwer genug, müssen sich die indigenen Völker auch mit den Kleinbauern auseinandersetzen. Dabei treffen zwei Welten aufeinander: Die indigenen Völker leben vom Jagen und Fischen, vom Früchte- und Honigsammeln im Wald. Die Nachkommen europäischer Einwanderer hingegen betreiben extensive Viehzucht. Ihre Rinder, Ziegen und Schafe dringen in die Wälder ein und zerstören die Lebensgrundlage der Indigenen.

Bereits 2001 nahm ASOCIANA daher Kontakt mit FUNDAPAZ auf, einem Partner von "Brot für die Welt", der die Kleinbauernfamilien berät. Man  einigte sich darauf, bei der Provinzregierung die Vergabe von Landtiteln einzufordern. Um zu klären, wer das Land wie nutzt, hielten die Indigenen mit GPS-Geräten die Koordinaten ihrer Honigsammelstellen, Fisch- und Jagdgründe fest. Und die Kleinbauern kartographierten jene Gebiete, die sie bis dahin für ihr Vieh genutzt hatten.

Das gemeinsame Vorgehen zeitigte Erfolg: 2007 unterzeichnete der damalige Gouverneur ein Dekret, in dem die Übergabe des Landes an die indigenen Gemeinden und die Kleinbauern angekündigt wird. Zwar ziert sich sein Nachfolger noch, das Dekret tatsächlich umzusetzen, doch scheint eine friedliche Lösung des Landkonflikts greifbar nah.

Text: Ingvild Mathe-Anglas
Foto: Florian Kopp

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Publikationsdatum dieser Seite: 06.01.2012 11:42