Archiv 2011

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Bewahrung der Schöpfung – keine Genehmigung für unkonventionelle Erdgasförderung

Der konsequente Ausstieg aus der Atomenergie muss jetzt verbunden werden mit einem ebenso konsequenten Einstieg in eine nachhaltige, klimaschonende Energieversorgung. Dabei ist der Neubau von Kohlekraftwerken auszuschließen und der Ausbau von erneuerba-ren Energie zu beschleunigen. Gaskraftwerke und Kraft-Wärme-Kopplung können den schnellen Übergang zu einer Energieversorgung aus 100 Prozent erneuerbaren Energien gewährleisten. Die Zeit des Übergangs von fossil auf regenerativ darf jedoch nicht dazu ge-nutzt werden, umweltschädliche und risikoreiche Verfahren der Erdgasgewinnung voranzu-treiben. Für die geplante unkonventionelle Erdgasförderung liegen bisher keine belastbaren Erkenntnisse über Risiken und Folgen vor.

Wir fordern die zuständigen Behörden auf, keine Genehmigungen für unkonventionelle Erd-gasförderungen in Deutschland zu erteilen, bis unabhängige Studien zu den Risiken und Folgewirkungen dieser Technologie vorliegen.

Wir fordern die Bundesregierung auf, eine grundlegende Reform des veralteten Bundesberg-rechts einzuleiten.

Zur Begründung dieser Resolution:
Firmen wie Exxon mobil wollen durch ein Verfahren der unkonventionellen Erdgasförderung, das so genannte „Fracking“, Gas gewinnen. Kleine Erdgasbläschen, die in Gestein eingeschlossen sind, werden freigesetzt und das Gas gefördert. Dafür muss ein Wasser-Sand-Gemisch, das mit teilweise giftigen Chemikalien versetzt ist, unter hohem Druck in tiefe Gesteinsschichten gepresst werden. Anträge liegen für mehrere Standorte in Deutschland vor, erste Erkundungsbohrungen haben bereits stattgefunden.

Störfälle in den USA zeigen, dass hierdurch Gefahren für das Wasser, die Umwelt und das Klima entstehen können. Hierzu gehören:

  • die Verunreinigung von Grund- und Oberflächenwasser durch die Fracking-Flüssigkeit

  • das Herauslösen von Schwermetallen und Radioaktivität aus dem Gestein

  • das Entweichen von Methan bei der Förderung, wenn die Bohrungen nicht dicht verschlossen sind. Methan ist ein noch wirksameres Klimagas als CO2.

Die unkonventionelle Erdgasförderung könnte dazu führen, dass die Umstellung auf regenerative Energiequellen verzögert wird.

Über die Auswirkungen des Fracking liegen bisher keine ausreichenden wissenschaftlichen Gutachten vor. Diese müssen eingeholt werden, bevor die Technologie zur Anwendung kommt.

In Deutschland werden Genehmigungen für Fracking nach dem Bundesbergrecht erteilt. Dieses veraltete Gesetz sieht keine Umweltverträglichkeitsprüfung und keine Bürgerbeteili-gung vor.

Wir fordern daher die Bundesregierung und die zuständigen Behörden auf,

 

  • keine Genehmigungen für Fracking zu erteilen, bis die Auswirkungen der Methode wissenschaftlich untersucht wurden.

  • eine grundlegende Reform des Bundesbergrechts vorzunehmen. Das Bergrecht muss eine angemessene Bürgerbeteiligung enthalten, und für transparente und ergebnisoffene Genehmigungsverfahren sorgen. Dabei ist eine Umweltverträglichkeitsprüfung verbindlich vorzuschreiben. Der Gewässerschutz muss Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen erhalten.

 


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Publikationsdatum dieser Seite: Dienstag, 19. März 2013 22:16