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Kirchliche Umweltbeauftragte gegen jetzige Zulassung von Fracking

Die Umweltbeauftragten der Evangelischen Kirchen in Deutschland zeigen sich besorgt über den zwischen Bundesminister Dr. Rösler und Bundesminister Altmaier abgestimmten Vorschlag zur Zulassung des Fracking-Verfahrens in Deutschland. In dem Text heißt es: „Unterschiedliche unabhängige Gutachten kommen im Kern zu dem Ergebnis, dass das Verfahren unter der Voraussetzung eingesetzt werden kann, dass der Schutz des Trinkwassers gewährleistet ist und keine nachteiligen Umweltbeeinträchtigungen eintreten.“

Nach Lektüre der in 2012 vorgelegten Gutachten und der öffentlichen Aussprachen hierzu stellen die kirchlichen Umweltbeauftragten fest, dass alle Gutachten ausdrücklich auf bestehende gravierende Wissenslücken zu den Auswirkungen der Fracking-Technologie hinweisen, insbesondere in Bezug auf die eingesetzten Chemikalien. Daher ist derzeit völlig unklar, ob eine gefahrlose Anwendung der Fracking-Technologie möglich ist. Die Gutachter empfehlen insbesondere eine Offenlegung der eingesetzten Chemikalien, um eine Beurteilung der Umweltauswirkungen erst zu ermöglichen. Der Schutz des Trinkwassers ist eine umfassende Aufgabe, die durch das Verbot von Fracking nur in Trinkwasser- und Heilquellenschutzgebieten allein nicht gewährleistet werden kann.

Die Minister schreiben: „…so genannte unkonventionelle Lagerstätten [rücken] ins Zentrum der Betrachtung. Abschätzungen des Erdgasförderpotentials in diesen Lagerstätten gehen davon aus, dass bis zu 2,3 Billionen m³ Erdgas im geologischen Untergrund vorhanden sein können.“ Die Erfahrungen in den USA belegen allerdings, dass die dort gemachten Prognosen das tatsächlich förderbare Gasvolumen weit überschätzt haben. Der anfängliche „Gasrausch“ in den USA macht inzwischen einer weitgehenden Ernüchterung Platz. Belastbare Angaben zu den zu erwartenden Gasmengen liegen nach Angaben der Gutachten für Deutschland nicht vor. Schätzungen gehen von einer möglichen Bedarfsdeckung durch Fracking von höchstens 15 Jahren aus – diese Möglichkeit sollte zukünftigen Generationen als Notreserve überlassen werden; im Rahmen der Energiewende heute ist es nicht erforderlich, diese Reserven anzugreifen.

Schon 2011 hieß es in einer kirchlichen Studie zu Fracking: „Ein wichtiges Prinzip christlicher Ethik ist es, auf Techniken zu verzichten, deren Folgen unabsehbar sind und deren Anwendung durch menschliches Versagen und Missbrauch zu unüberschaubaren und irreversiblen Folgeschäden führen können. Es ist daher zu prüfen, inwiefern sich bei einem Einsatz des Fracking in Deutschland die aus den USA bekannten Störfälle und Umweltschäden vermeiden lassen.“

Daher bitten die kirchlichen Umweltbeauftragten die Bundesminister, ihren Regelungsvorschlag noch einmal zu überdenken. Aus ihrer Sicht sollte jetzt ein bundesweites Moratorium für Fracking ausgesprochen werden und die Zeit genutzt werden, um die in den Gutachten aufgezeigten Erkenntnislücken durch Forschungsarbeiten zu schließen. Sollte sich danach erweisen, dass die Fracking-Technologie ohne Gefahren für Umwelt und Gesundheit eingesetzt werden kann, und sollte – nach einer erfolgreichen Energiewende – in Deutschland dann immer noch Bedarf an der Erschließung von Erdgas mithilfe von Fracking bestehen, könnte erneut über eine Zulassung nachgedacht werden. Frankreich ist mit seinem Verbot von Fracking genau diesen Weg gegangen.

Rückfragen an:
Dr. Gudrun Kordecki
Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft der Umweltbeauftragten der Evangelischen Landeskirchen
Institut für Kirche und Gesellschaft der Ev. Kirche von Westfalen, Schwerte
Tel. 02304 755 330

Prof. Dr. Hans Diefenbacher
Beauftragter des Rates der EKD für Umweltfragen
Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft, Heidelberg
Tel. 06221 9122 34

Übernahme durch epd:

Kirchliche Umweltbeauftragte für Moratorium beim Fracking

Hannover (epd). In der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) stößt der Vorschlag der Bundesregierung zur Zulassung des Fracking-Verfahrens in Deutschland unter bestimmten Bedingungen auf Widerspruch. Derzeit sei völlig unklar, ob eine gefahrlose Anwendung der Technologie zur Förderung von Schiefergas möglich sei, heißt es in einer Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft der kirchlichen Umweltbeauftragten, die am Dienstag in Hannover veröffentlicht wurde. Darin fordern die kirchlichen Beauftragten ein bundesweites Moratorium für die umstrittene Fördertechnik.
Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hatten sich Ende Februar auf Regeln für die Schiefergasförderung verständigt. Danach sollen Tiefenbohrungen zur Erschließung von Erdgasquellen in Wasserschutzgebieten verboten und für die übrigen Fälle eine Prüfung der Umweltverträglichkeit vorgeschrieben werden.
Diesem Vorschlag halten die kirchlichen Beauftragten entgegen, der Schutz des Trinkwassers könnte allein mit einem Fracking-Verbot in Trinkwasser- und Heilquellenschutzgebieten nicht gewährleistet werden. In der Stellungnahme erinnern die Beauftragten auch an das ethische Prinzip, auf Techniken zu verzichten, deren Folgen unabsehbar seien und deren Anwendung durch menschliches Versagen und Missbrauch zu unüberschaubaren Folgeschäden führen könnten.
Während des Moratoriums sollten Erkenntnislücken über die Auswirkungen des Einsatzes von Chemikalien bei dieser Fördermethode geschlossen werden, empfehlen die evangelischen Umweltexperten. Wenn sich dabei zeige, dass die Fracking-Technologie ohne Gefahren für Umwelt und Gesundheit eingesetzt werden könne und Deutschland noch Bedarf an neuen Erdgas-Vorkommen habe, könnte erneut eine Zulassung erwogen werden. "Frankreich ist mit seinem Verbot von Fracking genau diesen Weg gegangen", argumentieren die Umweltbeauftragten.
Skeptisch äußern sich die Umweltbeauftragten zudem über das Potenzial der Erdgasquellen. Die Erfahrungen in den USA zeigten, dass Prognosen das tatsächlich förderbare Gasvolumen weit überschätzt hätten. Der anfängliche "Gasrausch" mache inzwischen einer weitgehenden Ernüchterung Platz. Belastbare Angaben zu den in Deutschland zu erwartenden Gasmengen lägen nicht vor. Sie sollten künftigen Generationen als Notreserve überlassen werden, empfehlen die Beauftragten.

http://ekd.de/aktuell_presse/news_2013_03_05_3_fracking.html


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Publikationsdatum dieser Seite: Dienstag, 9. April 2013 21:37