Margot Käßmann zu Nebenerscheinungen der WM

Beitrag der hannoverschen Landesbischöfin in der Evangelischen Zeitung, Februar 2006

23. Februar 2006

Eine Fußball-WM ist eine prima Sache. Mannschaften aus unterschiedlichen Ländern kommen zusammen und kämpfen fair und sportlich um den Sieg – möge die beste Mannschaft gewinnen! Da kann sich auch nationales Miteifern und Daumendrücken Raum verschaffen.

Aber ein solches Großereignis hat offensichtlich auch unerwünschte Nebenwirkungen. Beim Spiel der Türkei gegen die Schweiz und auch beim Spiel in der zweiten Liga, Braunschweig gegen Rostock in Stendal, kam es zu Gewaltausbrüchen, die niemand mit einem friedlichen Wettkampf in Verbindung bringen wird.

Eine andere „Nebenerscheinung“ großer Fußballereignisse ist die Zwangsprostitution. Nach Schätzungen seriöser Organisationen werden Tausende von Frauen zur Fußball-WM nach Deutschland gebracht werden. Wie Sklavinnen werden sie behandelt, direkt in unserer Nachbarschaft.

Nun bin ich nicht naiv. Wir werden Prostitution leider nicht von heute auf morgen abschaffen können. Aber wir können doch vielleicht wenigstens das Bewusstsein der Freier schärfen! Wenn sie merken, dass eine Frau kein Wort deutsch spricht, dass sie verängstigt ist oder Zeichen von Misshandlung aufweist und nicht selbstständig kommt, sondern wie eine Ware, ja wie ein Stück Vieh abgeliefert wird, können sie das der Polizei melden.

Solcher Männermut hat schon manche Frau aus der Zwangsprostitution gerettet. Deshalb finde ich großartig, dass es in Niedersachsen zur WM ein Bündnis gegen Zwangsprostitution gibt. So zeigen wir Zwangsprostitution die rote Karte. Als Kirchen werden wir der Überzeugung gerecht, dass jeder Mensch Gottes Ebenbild ist, ob Mann oder Frau. Wie schreibt Paulus an die Galater: „In Christus ist nicht männlich oder weiblich“ (3,28).