Ethikunterricht

Wolfgang Huber - Kolumne in der BZ und Interview bei RBB

25. August 2006

„Werte brauchen Gott“, so steht es großflächig auf Plakaten in Berlins S- und U-Bahnhöfen. Die Evangelischen Kirchenkreise der Stadt haben diese Aktion in Gang gebracht. Sie treten dafür ein, dass Religion in der Berliner Schule einen angemessenen Ort erhält. Schülerinnen und Schüler sollen zwischen Ethik und Religion wählen können. Diese Wahlmöglichkeit aber fehlt. Vielmehr müssen alle Schülerinnen und Schüler ab der siebten Klasse den staatlichen Ethikunterricht besuchen. Eine Abmeldemöglichkeit gibt es nicht. Viele tausend Berlinerinnen und Berliner haben sich mit ihrer Unterschrift dagegen gewehrt. Wie Umfragen belegen, will die Mehrheit von Schülern und Eltern wählen, ob sie am christlichen Religionsunterricht teilnehmen, ob sie jüdischen oder islamischen Unterricht wünschen oder ob sie einen nicht religiös fundierten Ethikunterricht bevorzugen.

Freiheit ist ein Grundwert unserer Gesellschaft. Wo es um Wertebildung geht, ist Freiheit besonders wichtig. Die Religionsfreiheit hat deshalb in unserer Verfassung einen festen Ort. Ein Einheitsfach für alle ist der falsche Ansatz. Es drängt den Religionsunterricht an den Rand. Er wird gegebenenfalls morgens vor acht Uhr oder nachmittags nach vierzehn Uhr angeboten. Dass das Land Berlin einen Teil der Kosten übernimmt, ist wie in anderen Bundesländern seine Pflicht, kein Geschenk.

Die Kirchen machen den besseren Vorschlag. Er sieht Unterrichtsgruppen vor, die auch aus Parallelklassen gebildet werden können. Zur gleichen Zeit erhalten die einen Religionsunterricht in Verantwortung der Kirchen, die anderen Ethikunterricht. Auch islamischer oder jüdischer Religionsunterricht wird so möglich. Gemeinsame Unterrichtsprojekte können den Dialog zwischen den verschiedenen Religionen und Weltanschauungen fördern.

In Berlin wird nun einer Ethik ohne Religion der Vorrang vor einer Ethik aus Religion gegeben. Ethiklehrer sollen hier Auskunft über die verschiedenen Religionen geben. Mathematik aber wird von Mathematiklehrern unterrichtet. Sport von Sportlehrern. Auch Religion lässt sich ohne einen selbst gelebten Glauben nicht vermitteln. Die Absicht, Religionsunterricht überflüssig zu machen, wurde von einigen offen zugegeben. Warum eine solche Angst vor der Kraft des Glaubens? Gerade wenn Glaube und Bildung sich verbinden, besteht zu ihr kein Grund. Im Frühjahr hat das Abgeordnetenhaus die Einführung des Ethikunterrichts beschlossen. Aber es bleibt dabei: Die Demokratie hat ihre Stärke darin, Entscheidungen zu verändern, wenn sie falsch sind.

Quelle: BZ vom 25. August


Ethikunterricht und die Folgen

Neues Schuljahr, neues Fach: alle 7. Klassen in Berlin erhalten jetzt Ethikunterricht, verbindlich für alle Schüler. Vor allem die Kirchen haben sich bis zuletzt gegen dieses Fach gewehrt, sie befürchten eine Beeinträchtigung ihres Religionsunterrichts, der als Zusatzangebot mit großer Wahrscheinlichkeit auf die unattraktiven Stunden am Nachmittag rutscht.

Wie die Kirchen nun mit dem Fakt Ethikunterricht umgehen wollen, und was der Ausgang der Auseinandersetzung für die Rolle der Kirchen in der Gesellschaft überhaupt bedeutet, darüber hat Kirsten Dietrich mit Wolfgang Huber gesprochen, Bischof der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz und Ratsvorsitzender der evangelischen Kirche in Deutschland.

Das Gespräch im Wortlaut:

Kirsten Dietrich: Den Start des neuen Schuljahrs in Berlin werden Sie ja wahrscheinlich mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt haben. Haben Sie schon irgendwelche Zahlen, wie viele Schüler, wie viele Verluste das neue Fach Ethik denn wirklich für den Religionsunterricht bringt?

Bischof Wolfgang Huber: Nein, Zahlen gibt es im Augenblick nicht. Man muss ja auch klar sagen, der Widerspruch richtet sich nicht gegen das Fach Ethik als solches - im Gegenteil: Wir haben immer vorgeschlagen, sogar gefordert, dass ein Ethik-Fach eingerichtet wird. Der Widerspruch richtet sich dagegen, dass dieses Fach ein Pflichtfach für alle ist, ohne Abmeldemöglichkeit, ohne Wahlmöglichkeit. Und wir sagen, deswegen entspricht es eigentlich nicht dem Geist der Freiheit, auch dem Geist der Religionsfreiheit, wenn man Schülerinnen und Schülern in diesem wichtigen und sensiblen Bereich nicht eine echte Wahlmöglichkeit lässt. Unser Vorschlag ist ja gewesen, das dann damit zu kombinieren, dass die so entstehenden Unterrichtsgruppen zusammen geführt werden an bestimmten Themen und Projekten, so dass das Ziel, dass im Klassenverbund solche Fragen besprochen werden, in einer viel überzeugenderen Weise erreicht würde, wenn man unserem Vorschlag folgen würde.

Dietrich: Was bedeutet das jetzt für Sie, dass das Fach Ethik wirklich eingeführt wird? Ist das jetzt eine Niederlage für dieses Konzept, ist das einfach eine neue Runde der Auseinandersetzung?

Bischof Huber: Es ist jetzt die schlechtere Lösung gewählt worden, nach unserer festen Überzeugung - da können wir nicht warten, denn jetzt gibt es bestimmte Schüler, die jetzt im 7. Schuljahr sind, für die muss erreicht werden, dass - wo immer das geht - sie trotzdem den Religionsunterricht wählen. Darum werben wir. Und dass - wo immer es geht - Kooperationsformen zustande kommen. Da werden wir jetzt unterschiedliche Modellversuche entwickeln, und versuchen, eine Zusammenarbeit zwischen Ethik und Religionsunterricht zustande zu bringen, auch in der Hoffnung, dass sich darin zeigt, wie man es eigentlich so schnell wie möglich richtig machen müsste.

Dietrich: Mir ist da noch nicht ganz klar, welchen Weg Sie dabei gehen. Sie sagen, Kooperation, suchen nach neuen Modellen. Es gibt ja auch schon ein paar Schulen, in denen eine solche Zusammenarbeit vereinbart worden ist. Auf der anderen Seite startet jetzt auch eine Kampagne, die sich mit einem deutlich aggressiveren Ton gegen das jetzt gewählte Modell richtet. Es gibt die Aktion, die Abgeordneten zu befragen, das Thema - indirekt - in die Abgeordnetenhauswahl hinein zu bringen. Wie verhalten Sie sich da jetzt: Geht es da um Konfrontation, geht es um Kompromiss?

Bischof Huber: Es geht um Demokratie. In der Demokratie ist jede Entscheidung, die getroffen ist, eine Entscheidung auf Zeit. Und deswegen bleiben wir dabei, darum zu werben, dass die bessere Lösung sich durchsetzt. Aber Demokratie heißt auch, getroffene Entscheidungen zu akzeptieren, so lange sie gültig sind, und die Mehrheit des letzten Abgeordnetenhauses hat diesen Weg gewählt. Allerdings hat das Bundesverfassungsgericht ausdrücklich darauf hingewiesen, dass in Berlin die Möglichkeit besteht, nach dem Schulgesetz, sich von bestimmtem Unterricht befreien zu lassen. Es gibt jetzt eine Kampagne, die versucht, davon Gebrauch zu machen. Ich habe Zweifel, ob die Schulverwaltung sich damit abfinden wird, wenn jemand sich von einem ganzen Fach abmelden will. Aber dass Schülerinnen und Schüler das versuchen, und dass im übrigen in unseren evangelischen Gemeinden mit großem Nachdruck gesagt wird, das ist auf staatlicher Seite ein Versuch, den Religionsunterricht zu verdrängen, diese Debatte  muss man sehr ernst nehmen und man muss sie einbeziehen in die Überlegungen, die jetzt anstehen.

Dietrich: Bei dem Versuch, sich von dem verbindlichen Ethikunterricht abzumelden, hat jetzt eine Schülerin eine Niederlage erlitten. Weil das Verwaltungsgericht in Berlin gesagt hat, es gibt keinen Grund, sich von diesem Unterricht abzumelden, mit dem Argument, die Religionsfreiheit würde eingeschränkt werden. Ist das nicht ein Dämpfer für diese Strategie?

Bischof Huber: Das ist jetzt ein Schritt in einem sicher länger dauernden Prozess. Eine Eilentscheidung des Verwaltungsgerichts ist ja noch keine endgültige Aussage darüber. Aber dieser Hinweis ist jetzt auch im Raum.

Dietrich: Prüfen Sie trotzdem noch nach, ob man damit auch vor das Verfassungsgericht gehen könnte, eventuell?

Bischof Huber: Wir haben ja gesagt, dass diese Prüfung einschließen muss, dass wir die faktischen Auswirkungen dieser Neuregelung auch zur Kenntnis nehmen; das braucht Zeit und wir prüfen noch.

Dietrich: Schulsenator Böger hat am 21. August im Inforadio gesagt, Eltern - in diesem Fall die Landeselternvertretung - die eine Abmeldung fordern, sind gefährlich und töricht und verglich das mit muslimischen Eltern, die ihre Töchter beispielsweise vom Schwimmunterricht abmelden. Das sind ja nun starke Töne in dieser Auseinandersetzung. Wie gehen Sie damit um?

Bischof Huber: Der einzige Vergleichspunkt ist, dass es derselbe Paragraph des Schulgesetzes - der Paragraph 57 - ist, auf den sich die einen wie die anderen berufen. Davon abgesehen halte ich den Vergleich in sich selbst eher für töricht, als die Eltern, die die Abmeldung ihrer Kinder erwägen.

Dietrich: Ist das aber vielleicht auch ein Symptom dafür, dass der Staatskirchenvertrag, der ja nach langem Hin und Her und langen Verhandlungen und langen Diskussionen im Frühjahr endlich abgeschlossen wurde, zwischen dem Land Berlin und der Evangelischen Landeskirche, dass dieser Vertrag doch nicht so funktioniert, wie man das im Februar erhofft hatte?

Bischof Huber: Mit der Zusammenarbeit zwischen Staat und Kirche hat die Frage, die wir jetzt erörtert haben, ja nichts zu tun. Da gibt es offenbar einen Konflikt zwischen dem Schulsenator und der Landeselternvertretung. Wir haben den Staat-Kirche- Vertrag abgeschlossen in dem Bewusstsein, dass es ein Thema gibt, in dem wir uns nicht verständigt haben. Das haben wir ausdrücklich ins Schlussprotokoll des Vertrags reingeschrieben. Das ist das Thema Religionsunterricht und Ethik - insofern ist das, was wir in den ganzen letzten Monaten erlebt haben, was auch jetzt die Diskussion bestimmt, keine Infragestellung des Staat-Kirche-Vertrags. Der funktioniert in den anderen Bereichen, er wird funktionieren, wir müssen ja das Ratifizierungsverfahren noch zum Abschluss bringen - aber da bin ich ganz zuversichtlich, dass wir das auch auf eine gute Weise tun werden.

Dietrich: Beim Thema Religionsunterricht merkt man ja diesen seltsamen Spagat: Er ist in Berlin umstritten und umkämpft, gleichzeitig werden überall immer mehr konfessionelle Schulen eröffnet. In Brandenburg wird am Wochenende 26./27. August der Einweihungsgottesdienst für das Gymnasium dort am Dom gefeiert - wie kommt es zu dieser merkwürdigen Parallel-Entwicklung?

Bischof Huber: Das ist ja nicht merkwürdig, sondern das ist einer der Gründe, aus denen heraus Eltern konfessionelle und christlich geprägte Schulen suchen, an denen ihre Kinder unterrichtet werden können. Weil sie Defizite der öffentlichen Schule feststellen, mit denen sie sich nicht abfinden wollen. Und eines der Defizite sowohl in Berlin als auch in Brandenburg besteht darin, dass der Religionsunterricht nicht vernünftig in diesen Schulen verankert ist. Darauf reagieren die Eltern. Sie reagieren außerdem darauf, dass sie gerne Schulen haben wollen, in denen sie selber ihre eigenen Impulse, ihre eigenen Bildungshoffnungen im Blick auf ihre Kinder einbringen können. Schulen, die offener sind für Elternbeteiligung, als das bei der öffentlichen Schule in der Regel der Fall ist. Sie suchen Schulen, in denen reformpädagogische Ansätze mehr Chancen und mehr Perspektiven haben. Ich freue mich darüber, dass wir auch in diesem Jahr wieder eine ganze Reihe von neuen Schulen eröffnen, dass Schulen, die vor einem Jahr eröffnet worden sind, nun in ihre endgültigen Gebäude gehen, und natürlich freue auch ich mich ganz besonders über die Eröffnung des Dom-Gymnasiums in Brandenburg, das ein wichtiger Schulstandort ist.

Dietrich: Wenn die Motive der Eltern möglicherweise weniger von christlicher, vielleicht protestantischer Überzeugung geprägt sind, sondern mehr von dem Wunsch, eine möglichst gute Bildung, ein möglichst angenehmes Lernklima vielleicht für ihre Kinder zu bekommen - was sie sich von einer konfessionellen Schule erhoffen - können Sie das als evangelischer Bischof als eine Tendenz gut heißen und fördern?

Bischof Huber: Evangelische Schulen sind von ihrem Wesen her für Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher weltanschaulicher Prägung und sozialer Herkunft offen. Voraussetzung ist, dass die Eltern und die Schüler den evangelischen Charakter der Schule bejahen, dass sie bejahen, dass der Religionsunterricht ordentliches Unterrichtsfach ist. Dass sie bereit sind, teilzunehmen an einem Schulleben, das durch einen christlichen Geist und durch die Beteiligung am Kirchenjahr geprägt ist. Ich freue mich natürlich jedes Mal, wenn sich daraus auch dann aus eigener Entscheidung und eigenem Antrieb entwickelt, dass Schülerinnen und Schüler im Zusammenhang mit den Erfahrungen in diesen Schulen getauft werden und den Weg in die Kirchen finden - ihre Eltern vielleicht sogar auch. Insofern gehört die Offenheit zum Wesen dieser evangelischen Schulen, genauso wie dazugehört, dass es eine ausreichende Anzahl von getauften Kindern von Familien, denen die Zugehörigkeit zur Kirche wichtig ist, geben muss.

Dietrich: Sie haben in dem Zukunftspapier für die Evangelische Kirche, das Sie vor ungefähr einem Monat vorgelegt haben, was die Diskussion über die künftige Entwicklung der Evangelischen Kirche in Deutschland bestimmen soll, sehr stark diesen Aspekt der konfessionellen Identität betont. Heißt das, dass die Evangelische Kirche sich in sich zurückzieht, dass sie sich auch abschließt gegenüber gesellschaftlichen Strömungen?

Bischof Huber: Das Gegenteil ist der Fall: Sie möchte gerne die evangelische Stimme einbringen in den gesellschaftlichen Dialog, genauso wie in den Dialog zwischen den christlichen Kirchen und den Dialog mit anderen Religionen, dass wir pointiert sagen, wir wollen die Kirche der Freiheit im 21. Jahrhundert gestalten und damit einen reformatorischen Grundimpuls aufnehmen. Das hat mit Abschließung gar nichts zu tun - ganz im Gegenteil.

Dietrich: Wird diese Stimme denn überhaupt noch gehört? Es wird ja immer gesagt, Religion spielt eine größere Rolle, Stichwort Papstbegräbnis, Neuwahl des Papstes - dieses Interesse am Religiösen bleibt eigentlich auf dieser Medienebene und geht nicht direkt in die Institution Kirche hinein.

Bischof Huber: Nein - nicht unbedingt direkt in die Institution Kirche, aber sehr wohl in neue Beteiligungsformen an kirchlichen Ereignissen und Angeboten. Den Papstereignissen aus dem Jahr 2005 muss man ja den Weltjugendtag, den Evangelischen Kirchentag in Hannover, die Einweihung der Frauenkirche in Dresden und vergleichbare Ereignisse zur Seite stellen. Man muss aber auch im Blick haben, dass wir eine ganz neue Form von Beteiligung mit großer Intensität an Urlaubergottesdiensten beispielsweise haben. Ich habe neulich an einem Kongress teilgenommen, der diese Phänomene einmal analysiert hat. Wir wissen inzwischen - um auf die Schule noch einmal zurück zu kommen - dass Schulanfänger-Gottesdienste zu den am besten besuchten Gottesdienstformen überhaupt im ganzen Land gehören. Das heißt, es gibt durchaus auch neue Formen, kirchliche Angebote in Anspruch zu nehmen, sich mit Glaubensfragen auseinander zu setzen, den Glauben im Gottesdienst zu feiern, die Zuwachs haben und die in den nächsten Jahren weiter wachsen werden. Unter der Voraussetzung, dass wir als Kirche an diesen Stellen auch selber aktiver werden als wir es bisher sind.

Dietrich: Tritt diese mehr gottesdienstlich spirituell orientierte Dimension an die Stelle der Kirche, die politisch auch eingreift?

Bischof Huber: Nein - aber eine Kirche, die politisch eingreift braucht, um ihrer Glaubwürdigkeit willen, auch eine starke Beteiligung an den Kernvollzügen von Kirche. Dazu gehören nun einmal die Gottesdienste. Etwas, was man in den zurück liegenden Jahren gelegentlich gegeneinander ausgespielt hat: Frömmigkeit und politische Verantwortung gehören in Wahrheit zusammen.

Dietrich: Sind Sie dann aber zufrieden  zum Beispiel mit den Reaktionen auf die Denkschriften über Armut, die die Evangelische Kirche auch vor einem Monat veröffentlicht hat, die Lob aus Kreisen der Wirtschaft bekommen hat, die aber ansonsten ... wo ist sie hin verschwunden?

Bischof Huber: In unserer Mediengesellschaft ist es nicht immer leicht, die Wirkung solcher Texte zu beschreiben und zu veranschaulichen. Die Denkschrift ist im Juli veröffentlicht worden. Die Politik, auch die Wirtschaft, ist dann in erheblichem Umfang in die Ferien entschwunden. Wir müssen natürlich eine neue Anstrengung unternehmen, um dieses Thema auch nach der so genannten Sommerpause wieder ins Bewusstsein zu heben. Das Thema Armut in Deutschland und die Forderung nach gerechter Teilhabe - das ist ja der Schlüssel dieser Denkschrift -, die Auseinandersetzung mit dem Thema Arbeitslosigkeit ganz besonders, wir werden das weitertreiben. Ich bin auch sicher, dass in diesem Zusammenhang die Denkschrift noch sehr viel stärkere Resonanz finden wird, als das bisher der Fall sein konnte. Und wenn das Menschen auch im Bereich der Wirtschaftsverbände genauso zum Nachdenken bringt wie Menschen im Bereich der Gewerkschaften - dann braucht man sich darüber doch nicht zu beklagen, im Gegenteil, man kann sich darüber freuen.

Dietrich: Das nächste Großereignis ist der Papstbesuch in Bayern - werden Sie auch nach Bayern fahren und den Papst treffen?

Bischof Huber: Nein, ich  werde nicht nach Bayern fahren und nicht den Papst treffen. Ich respektiere auch, dass dies ganz pointiert der Besuch des bayerischen Papstes in Bayern ist. Ich bin vor ein paar Wochen in Altötting gewesen und habe gesehen und erlebt, wie intensiv die Menschen sich darauf vorbereiten und sich darauf freuen. Ich habe auch schon den Kugelschreiber mitbekommen, in dem, wenn man ihn schief hält, das Papamobil wirklich fährt. Man kann das dann auch wieder rückwärts fahren lassen - das alles gehört dazu. Und bei einem Papst, der vor allem auch als Intellektueller gilt, ist das ja auch gut, einleuchtend, überzeugend, eindrucksvoll, dass er zu seinen Wurzeln zurückkehrt, dass er in die Kirche geht, in der getauft worden ist, dass er sich mit seinem Bruder trifft - das nehme ich mit großem Respekt wahr. Aber es ist ein Ereignis in Bayern.

Dietrich: Das heißt - es gab keine Einladung an die Evangelische Kirche zu einem Treffen?

Huber: Es gibt eine ökumenische Vesper mit dem bayerischen Landesbischof in Regensburg. Das ist ein guter Weg und eine gute Veranstaltung. Ich habe mich auch sehr darüber gefreut, dass Papst Benedikt XVI. diesen Gedanken von sich aus eher nachdrücklich bejaht hat, eine solche ökumenische Vesper in das Besuchsprogramm mit einzubeziehen.

Quelle: RBB - INFOradio vom 23. August