Fasten und Hartz IV

Wolfgang Huber - Kolumne in der BZ

23. Februar 2007

Worauf müssen Sie verzichten? Diese Frage können in unserem Land viele schnell beantworten. Die Durchschnittseinkommen sind jahrelang nicht gestiegen, sondern gesunken. Gestiegen aber sind die Preise, Mehrwertsteuer eingeschlossen. Viele können sich immer weniger leisten. Wer auf Hartz IV angewiesen ist, das neue Arbeitslosengeld II, weiß das besonders gut.

Worauf verzichten Sie freiwillig? Diese Frage ist schon schwerer zu beantworten. Die meisten wollen das, was sie sich leisten können, auch haben. Manchmal bis zur Gedankenlosigkeit. Das fängt leider schon bei den Kindern an. Viele sind deshalb zu dick und leiden unter Bewegungsmangel. Aber nicht nur an den Kindern lässt sich das beobachten. Freiwillig zu verzichten, den eigenen Konsum zu überprüfen, innezuhalten: das ist deshalb eine gute, ja lebenswichtige Regel. Kannst Du sieben Wochen ohne Alkohol leben? Ohne Süßigkeiten? Ohne Fernsehen? Es lohnt sich, das auszuprobieren. Die Fastenzeit bietet sich dafür an. Jesus hat allerdings eine wichtige Voraussetzung dafür genannt. „Wenn ihr fastet, sollt ihr nicht sauer dreinsehen wie die Heuchler!“

Denen, die genug haben, um zu verzichten, wird in diesem Jahr ein besonderer Vorschlag gemacht: „Sieben Wochen leben nach Hartz IV“. Wie fühlt es sich an, nach den Gesetzen von Hartz IV zu leben? Oft wird behauptet, das ginge gut. Stimmt das wirklich? Welche Einschnitte werden einer Familie abverlangt, die mit dem Regelsatz auskommen muss? Oder jemand, der allein lebt?

Wer das wissen will, muss zunächst einen langen Fragebogen ausfüllen. Von den Einrichtungen der Diakonie kann man ihn in diesen Wochen bekommen. Miete, Heizkosten, Versicherungen – alles fließt in die Berechnung ein. Auch die Ausgaben muss er berechnen; um ein Haushaltsbuch kommt er nicht mehr herum. Die Einschränkung ist massiv. Für viele zwangsweise. Für manche in dieser Fastenzeit freiwillig. Die Erfahrung wird lehrreich sein.

Fasten ist freiwilliger Verzicht. Es konzentriert auf das, was mich im Leben trägt und hält. Wer fastet, besinnt sich auf das Wesentliche im Leben. Das ist nötig. Das zeigt sich nicht nur in der Warnung vor einer alkoholkranken, fernsehsüchtigen, an Computerspiele gefesselten Gesellschaft. Es zeigt sich auch an den Warnungen vor einem Klimawandel, den wir bald nicht mehr in den Griff bekommen. Wir verbrauchen Unmengen Energie; aber wir vergessen, was wesentlich ist: die Verantwortung für eigenes und fremdes Leben. Die Verantwortung vor Gott und den Menschen.