Paul Gerhardt

Wolfgang Huber - Kolumne in der BZ

09. März 2007

Die beliebtesten deutschen Kirchenlieder stammen von einem Berliner. Der Pfarrer Paul Gerhardt, geboren am 12. März 1607, lebte lange in unserer Stadt. Zunächst beinahe ein Jahrzehnt als Hauslehrer, dann noch einmal zehn Jahre als Pfarrer an der St. Nikolai-Kirche in der heutigen Mitte Berlins. Von ihm stammen klassische Lieder, die viele kennen, ohne zu wissen, von wem sie stammen. „Geh aus mein Herz und suche Freud“ oder „Nun ruhen alle Wälder“ sind Beispiele dafür. „Befiehl du deine Wege“ haben viele schon mitgesungen oder mitgesummt, oft auch in traurigen Situationen. Viele andere Beispiele lassen sich nennen. 139 Kirchenlieder sind von Paul Gerhardt überliefert, meist vertont von Johann Sebastian Bach sowie von Johann Crüger und Johann Georg Ebeling, beide Kantoren an der St. Nikolai-Kirche.

Man braucht nicht zu wissen, von wem diese „Hits“ sind. Hauptsache, man singt sie. Vielen Menschen ist das Singen vergangen, weil sie nur noch zuhören. Bei „Deutschland sucht den Superstar“ zum Beispiel. Ich habe nichts dagegen zuzuhören, wenn andere richtig gut singen. Aber ich lasse mir nicht die Freude daran nehmen, selber zu singen. „Du, meine Seele, singe, wohlauf und singe schön.“ Das ist auch ein wunderbarer Schlager von Paul Gerhardt.

Meist klingen diese Lieder optimistisch. Denn Paul Gerhardt war von der Überzeugung getragen, dass Gott unser Leben in den Händen hält. Trotz Leiden und Tod wird es am Ende gut sein. Daran glaubte er.

Leichtfertig sagte er das nicht. Sein eigenes Leben war voller Leid. Er war Vollwaise, erlebte das Grauen des Dreißigjährigen Krieges und die Leiden der Pest. Später verlor er vier seiner fünf Kinder und seine Frau. Auch das spürt man in seinen Liedern. „Mit Sorgen und Grämen / und mit selbsteigner Pein / lässt Gott sich gar nichts nehmen, / es muss erbeten sein.“ Oberflächliche Zuversicht ist das nicht. Dieses Gottvertrauen ist hart errungen.

Am kommenden Montag vor vierhundert Jahren wurde Paul Gerhardt geboren. Diesen 400. Geburtstag muss man feiern. Diesem Dichter muss man ein Ständchen bringen! Bereits am Sonntag wird in einem Festgottesdienst in der St. Marienkirche an ihn erinnert. Eine große Ausstellung in der St. Nikolaikirche informiert über sein Leben und seinen Glauben.

In der ganzen Welt werden Paul Gerhardts Lieder gesungen, von Christen aller Konfessionen. Aber er wirkte in Berlin. Mittenwalde und Lübben waren weitere Stationen seines Wirkens. Zwei brandenburgische Städte, nahe bei Berlin. Er gehört zu uns. Wir können stolz auf ihn sein.