Berliner Polizei beim G8-Gipfel

Wolfgang Huber - Kolumne in der BZ

08. Juni 2007

Etwa 900 Berliner Polizeibeamte sind in diesen Tagen an die Ostsee gefahren. Mit Erholung am Meer hat das allerdings nichts zu tun. Da waren ganz andere Bilder zu sehen. Die Polizistinnen und Polizisten setzen sich Tag und Nacht für die Sicherheit des G8-Gipfels ein. Und dafür, dass das Recht auf friedliche Demonstration gewahrt bleibt. Aber gewahrt werden muss auch das Recht der Polizeibeamten auf körperliche Unversehrtheit. Die Menschenwürde gilt für Polizisten wie für Demonstranten. In die Demonstration in Rostock drängte sich jedoch ein gewaltbereiter Block schwarz Vermummter. Sie warfen mit Steinen. Manche griffen die Polizei sogar mit Knüppeln und Messern an. Allein von den Berliner Beamten wurden 158 verletzt. Sechzehn Polizistinnen und Polizisten mussten den Einsatz abbrechen. So schwer waren ihre Verletzungen. Einige der eingesetzten Polizisten sagen: Wir können dankbar sein, dass es keine Toten gab.

Auch die Polizistinnen und Polizisten Berlins diskutieren über den G8-Gipfel. Sie haben ihre eigene Auffassung dazu, wie Aids, Armut und Klimaerwärmung zu bekämpfen sind. Sie wollen das Demonstrationsrecht schützen. Aber sie dürfen Gewalttaten nicht zulassen. Wir alle müssen auf ihrer Seite stehen. Den verletzten Polizeibeamten gilt meine besondere Solidarität. Ihnen allen gilt unser Dank.

Jesus hat sich in seiner Bergpredigt mit großer Klarheit von allen Formen der Gewalt distanziert: „Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ Wer andere Menschen mit Steinen, Stangen oder Messern angreift, macht sich strafbar. Er beschädigt das Demonstrationsrecht und schadet unserer Demokratie. Wer die Würde anderer Menschen missachtet, beleidigt Gott.

In Rostock und Heiligendamm müssten Polizistinnen und Polizisten sich mit einem harten Kern aus einer gewaltbereiten Krawallszene auseinandersetzen. Da wurden Verletzungen, bleibende gesundheitliche Schäden oder gar der Tod anderer Menschen in Kauf genommen. Darüber darf die Stimme derer nicht überhört werden, die ohne Gewalt für Gerechtigkeit eintreten. In Rostock war sie zu hören – und ebenso in Köln. Dort beschäftigt sich der Deutsche Evangelische Kirchentag mit den großen Zukunftsfragen. Deutlich, aber ohne Gewalt. Die Überwindung der Armut und die Vermeidung einer Klimakatastrophe sind vielen Menschen wichtig. Zu wichtig, als dass sie in einem Krawallspektakel untergehen dürften.