Gewalt an Schulen und Zivilcourage

Wolfgang Huber - Kolumne in der BZ

29. Juni 2007

Plötzlich standen zwei maskierte Jugendliche im Klassenraum. Sie bedrohten die Lehrerin mit einer Stahlrute und versuchten, ihr die Tasche zu rauben. In diesem Fall konnten die Lehrerin und ihre Schüler sich wehren. Die Lehrerin riss dem einen die Rute aus der Hand. Schüler der Klasse verfolgten die beiden Täter, bis sie von der Polizei festgenommen wurden.

Ein anderer Fall aus jüngster Zeit endete dagegen tödlich. Darius Ekbatani, 23 Jahre alt, bezahlte sein mutiges Eintreten mit dem Leben. Er wollte am Tegeler See einen Streit schlichten und einem Mann gegen eine Gruppe von Jugendlichen zur Hilfe kommen. Ein Jugendlicher zückte daraufhin ein Messer und erstach ihn.

Dass Darius seine Zivilcourage mit dem Leben bezahlt hat, lässt einem das Blut in den Adern gefrieren. Hinschauen, nicht wegschauen: so heißt doch die Parole! Gewiss soll man sich dabei nicht selbst in Gefahr bringen, rät die Polizei. Doch bis man andere um Mithilfe gebeten oder einen Notruf organisiert hat, kann es zu spät sein. Darius Ekbatani jedenfalls hat all das nichts genützt. Sein Tod lässt uns fassungslos zurück. Doch niemand kann sich damit abfinden, dass Gewalt und Angst unseren Alltag bestimmen. Immer wieder wird Eingreifen nötig sein.

„Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen“, heißt es in der Bergpredigt Jesu. Zu dem Versuch, den Teufelskreis der Gewalt zu durchbrechen, gibt es keine Alternative. Es kommt darauf an, in der Bekämpfung der Gewalt neue Wege zu gehen. In Spandau beispielsweise arbeiten inzwischen Polizei und Jugendliche zusammen. Nach einer Massenschlägerei unter 40 Jugendlichen im Januar 2007 wurde eine Kiez-Streife organisiert. Die Polizei und die Jugendlichen gehen gemeinsam zu besonderen Brennpunkten. Dort sprechen sie andere Jugendliche. an. So entsteht ein Klima des Vertrauens. Wichtig ist, dass man sich kennt.

Solche Projekte sind vorbildhaft. Über sie muss genauso berichtet werden wie über Gewalttaten. Zur Zivilcourage gehört es auch, sich nicht von schlechten Nachrichten einschüchtern zu lassen. Wir brauchen vor allem den Mut, gute Beispiele zu schaffen. Und wir müssen sie weitergeben.