KGB-Gefängnis

Wolfgang Huber - Kolumne in der BZ

06. Juli 2007

Am Dienstag dieser Woche standen wir in Potsdam am Fuß des Pfingstbergs. Wir befanden uns in der Leistikowstraße vor  einem ehemaligen Pfarrhaus. Es hatte seine Funktion im Lauf der Zeit allerdings gründlich verändert. 1945, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, wurde es von der Roten Armee beschlagnahmt. Man übergab es dem sowjetischen Geheimdienst, der von 1954 an KGB hieß, zu deutsch: „Komitee für Staatssicherheit“. Welche Methoden für die Sicherheit der Sowjetunion eingesetzt wurde, war an diesem Ort des Schreckens handgreiflich zu spüren. Es ging um Einschüchterung und Folter, um rechtlose Verurteilung und Verschleppung. Für viele führte der Weg direkt in das gefürchtete Zwangsarbeiterlager von Workuta.

Die Häftlinge wurden solange verhört, bis sie das sagten, was der Vernehmer hören wollte. „Der Dolmetscher“, so erinnerte sich Heinz Schwollius, „der stand ja immer hinter einem. Und wenn dem Offizier vorne etwas nicht passte, dann genügte ein Wink, und dann hat der von hinten zugeschlagen.“ Zwei Jungen, die nicht Russisch lernen wollten, wurden erschossen. Ein Dritter wurde „begnadigt“ und „nur“ zu zwanzig Jahren Lagerhaft verurteilt. Die Angst war so groß, dass die Gefangenen Taten zugaben, die sie nie begangen hatten. Das Geständnis, das sie schließlich unterschrieben, blieb ihnen unbekannt. Sie konnten den russischen Text nicht lesen. Wenn man vor diesem Haus steht, begreift man, warum das 20. Jahrhundert als „Jahrhundert der Angst“ bezeichnet wurde.

Das ehemalige KGB-Gefängnis in Potsdam ist ein Erinnerungsort, an dem es um unsere Zukunft geht. Dafür wurde am Dienstag der Grundstein gelegt. Wer sich auf diesen Ort einlässt, lernt den Widerstand gegen die Behauptung, wir seien in einem Teufelskreis des Bösen gefangen. Es bleibt bei dem Wort Jesu: „Überwinde das Böse mit Gutem.“ Dem dient das Erinnern.

In Europa haben wir zu einem Frieden gefunden, von dem unsere Väter und Mütter nicht einmal geträumt haben. Uns Deutschen wurde die Einheit geschenkt. Und in Berlin fiel die Mauer. Wir haben erfahren, dass Gott der Herr der Geschichte ist. Deshalb erinnern wir uns auch an dunkle Stunden in unserer Geschichte. Sie sollen sich nicht wiederholen.  Es soll nicht noch einmal ein „Jahrhundert der Angst“ geben.