Gedenken an den 17. Juni vor 50 Jahren

Vom Arbeiterprotest zum Volksaufstand (Themenseite)

11. Juni 2003


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In diesen Wochen gedenken wir im ganzen Land des Volksaufstandes vom 17.Juni 1953. Vor 50 Jahren erhoben sich die Menschen in Ostberlin und in fast allen Städten der DDR gegen die Herrschaft der SED. Was in den Tagen vor dem 17. Juni spontan als Protest der Arbeiter gegen die Normerhöhungen in den Betrieben und gegen die Preissteigerungen in den staatlichen Einkaufsläden begann, mündete dann schnell in die  Forderung nach dem Sturz der Regierung und nach freien Wahlen. Die Auflösung der Kasernierten Volkspolizei und der Verzicht auf den Aufbau einer Volksarmee gehörten ebenso zu den Zielen wie letztlich die Wiedervereinigung. Betriebe wurden besetzt, Gefängnisse wurden gestürmt und politische Gefangene befreit. In Bitterfeld und in Görlitz wurde sogar, wenn auch nur für wenige Stunden, durch die Streikenden eine eigene Stadtregierung eingesetzt. Dem Machtapparat der SED gelang es nicht, den Protest in den Fabriken zu isolieren. Überall zogen die Arbeiter auf die zentralen Plätze und verlasen ihre Forderungen. Mit der Verhängung des Ausnahmezustandes am 17. Juni in Berlin und in fast allen Städten und Landkreisen der DDR und allein mit Hilfe der sowjetischen Panzer wurde der Aufstand blutig niedergeschlagen.

Wenn wir nun in diesen Tagen den 50. Jahrestag des 17. Juni begehen, denn gedenken wir der vielen Menschen, die für ihre Rechte und für die Freiheit ihres Landes die Stimme erhoben und unter der Niederschlagung des Aufstandes gelitten haben. Diese unverwechselbaren Lebensgeschichten erzählen von Solidarität und von Willkür, von Angst und von Mut. Erfahrungen des Aufbruchs und der Ohnmacht lagen dicht beieinander.

In den Kontext der Ereignisse um den 17. Juni 1953 gehört auch der Versuch der SED, die evangelische Jugend- und Studentenarbeit zu zerschlagen. Seit Herbst 1952 ging die SED im Zusammenspiel mit der FDJ gegen diesen attraktiven Zweig der kirchlichen Arbeit mit zunehmender Härte vor. Manche kirchliche Mitarbeiter wurden verhaftet, viele junge Menschen zur Flucht in den Westen gedrängt, Schüler der Schule verwiesen, Studenten exmatrikuliert, Biographien gebrochen. Am 10. Juni 1953 musste die SED auf Druck der Christen in der DDR diese Maßnahmen teilweise wieder zurücknehmen Die Menschen ließen sich nicht einschüchtern. Viele Christen praktizierten in dieser schweren Zeit Zivilcourage, die wir nicht vergessen dürfen.


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