Nord- und Südkorea am Altar vereint

Christen der geteilten Halbinsel feierten gemeinsam Gottesdienst

12. Dezember 1998

Christen aus beiden Teilen Koreas feierten während der ÖRK-Vollversammlung einen gemeinsamen Abendmahlsgottesdienst. Zusammen mit Gästen aus anderen Ländern folgten sie am 10. Dezember der Einladung, ihre Wünsche für eine friedliche Wiedervereinigung des Landes auf ein Altartuch zu schreiben. Eingezwängt in enge "Studentenbänke"eines Hörsaals der Universität von Simbabwe, brachten koreanische Frauen in weit fallenden Gewändern und Männer mit grellfarbenen Stolen ihre Freude über diese Begegnung zum Ausdruck.

Unter den etwa 100 überwiegend asiatischen Gottesdienstbesuchern waren vier Vertreter des (nord)-Koreanischen Christenbundes (KCF), die offiziell an der Vollversammlung in Harare teilnehmen. Der Bund vertritt nach eigenen Angaben etwa 12.000 Christen, die sich in über 600 Hauskirchen regelmässig treffen. Zwei dieser Hauskirchen sind in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang, während die übrigen vorwiegend an der Westküste Nordkoreas zu finden sind.

Zum Auftakt des Gottesdienstes führten die nordkoreanischen Besucher einen kurzen Videofilm mit Tanzszenen aus ihrer Heimat vor. Es folgten gemeinsame Gebete. Die Anliegen wurden der Landessitte entsprechend von der Gemeinde durch leises Schnalzen mit der Zunge bestätigt.

Die Predigt hielt Kim Dong Wan, Generalsekretär des südkoreanischen Kirchenrates. Er verglich die ersehnte Vereinigung Koreas mit einem herannahenden Zug: Man sieht ihn noch nicht, aber man hört ihn schon. Er ermutigte die Teilnehmenden, auf diesen Zug aufzuspringen and dabei auf die Kraft des Heiligen Geistes zu vertrauen.

Auch Christen aus Japan feierten den Gottesdienst. "Wir überwinden unsere nationalen Grenzen, um Gemeinschaft zu stiften," sagte Kenichi Otsu, Generalsekretär des japanischen Kirchenrates. "Wir beten dafür, dass die Menschen auf der koreanischen Halbinsel bald wieder vereint sind." Am Tage zuvor hatte sich eine japanische Teilnehmerin der Voll-versammlung auf einer Padare-Veranstaltung dafür entschuldigt, dass während des Zweiten Weltkriegs japanische Soldaten koreanische Frauen zur Prostitution gezwungen haben.

ÖRK vermittelt seit 1984

Ihr erster Besuch in Afrika vermittele den Nordkoreanern viele neue Eindrücke, meinte Kjung Seo Park, Asienreferent beim Weltkirchenrat. Er hat vor kurzem Nordkorea zum 16. Mal besucht. Trotz der politischen Spannungen zwischen Nord und Süd gibt es seinen Angaben zufolge eine Reihe von Austauschprogrammen zwischen dem KCF und den Kirchen Südkoreas. Zudem hat der Weltkirchenrat in dem von Hochwasser und Dürre heimgesuchten Nordkorea während der vergangenen drei Jahren Lebensmittel, Dünger und Saatgut im Wert von 20 Millionen US-Dollar verteilt.

Der ÖRK unterstützt seit 1984 die Bemühungen der Kirchen Nord-und Südkoreas um eine Wiedervereinigung. Auf seine Vermittlung fand das erste Treffen von Christen beider Landesteile 1986 in Glion (Schweiz) statt. Seitdem gab es einige weitere Treffen dieser Art ausserhalb Koreas. Der südkoreanische Kirchenrat gab 1989 eine Erklärung heraus, in der er sich für die Wiedervereinigung einsetzt.

Harare, 12. Dezember 1998
Ökumenischer Rat der Kirchen
Presse-und Informationsbüro