Neuer Zentralausschuß des ÖRK gewählt

Kirchen der EKD erhalten fünf Sitze

10. Dezember 1998

Die Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) hat am Abend des 10. Dezember ihren neuen Zentralausschuss gewählt. Das 150köpfige Gremium tagt in der Regel einmal jährlich und entscheidet über die Arbeit des Weltkirchenrates zwischen den alle sieben Jahre stattfindenden Vollversammlungen.
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), im bisherigen Zentralausschuss mit sieben Delegierten vertreten, verfügt im neuen Ausschuss nur noch über fünf Sitze. Hintergrund ist die Verringerung der Plätze für europäische Kirchen von 53 auf 48, die durch die Aufnahme zahlreicher neuer Kirchen aus dem Süden notwendig wurde.

Aus dem Bereich der EKD wurden gewählt: Wolfgang Huber (55), Bischof der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg, Margot Kässmann (40), Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentags, Marita Krüger (48), Oberkirchenrätin der Thüringischen Landeskirche, Christa Kronshage (55), Mitglied der Kirchenleitung der Evangelische in Westfalen und Heike Bosien (28), Vikarin der Württembergischen Landeskirche.

Wolfgang Huber, verheiratet, drei Kinder, war Pfarrer in Württemberg und Leiter der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST) in Heidelberg. Ab 1980 wirkte er als Professor für Sozialethik in Marburg, 1984 wechselte er nach Heidelberg als Professor für systematische Theologie. Von 1983 bis 1985 war er Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages. 1994 wurde er Bischof der Berlin-Brandenburgischen Kirche.

Margot Kässmann, verheirat, vier Töchter, war Gemeindepfarrerin in Kurhessen-Waldeck und promovierte 1989 beim jetzigen ÖRK-Generalsekretär Konrad Raiser an der Ruhr-Universität Bochum über "Armut und Reichtum als Anfrage an die Einheit der Kirche". Sie wurde 1983 als Jugenddelegierte bei der Vollversammlung in Vancouver erstmals in den Zentralausschuss gewählt und gehört seit der Vollversammung 1991 auch dem Exekutivkomitee des ÖRK an. Nach einer Tätigkeit als Studienleiterin der Evangelischen A ofgeismar wurde sie 1994 zur Generalsekretärin des Kirchentages berufen.

Marita Krüger, verheiratet, eine Tochter, konnte in der DDR wegen ihres christlichen Engagements zunächst kein Abitur machen. Nach einer Lehre als Bibliotheksfacharbeiterin in Jena, Abendschule, Abitur und Theologiestudium arbeitete sie als Pfarrerin in Hermstorf und Stotternheim. 1994 wurde sie Superintendentin in Saalfeld, seit April dieses Jahres ist sie Oberkirchenrätin in Meiningen. Die Orhodoxie-Expertin gehört der Ökumene-Kommission der EKD sowie der Ökumene-Kontaktgruppe ihrer Landeskirch

Christa Kronshage aus Bielefeld, die sich selbst als "Familienfrau" bezeichnet, engagiert sich seit vielen Jahren in der Ökumene. Sie gehört als ehrenamtliches Mitglied der Leitung ihrer westfälischen Kirche an, ist Vorsitzende des Synodalausschusses "Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung" und Vorsitzende des Missions-und Ökumene-Ausschusses der Evangelischen Kirche der Union (EKU).

Heike Bosien, Vikarin in Stuttgart-Mühlhausen, ist seit ihrer Jugend in der Lateinamerika-Solidaritätsarbeit aktiv. Als erste Theologiestudierende ihrer Landeskirche verbrachte sie ein Studienjahr in El Salvador. Die angehende Pfarrerin erfüllte im komplizierten Wahlverfahren für den ÖRK-Zentralausschuss zwei wichtige Kriterien: Da sie jünger als 30 Jahre ist, gilt sie nach ÖRK-Massstäben als Jugenddelegierte, und weil sie noch nicht ordiniert ist, wird sie der Gruppe der "Laien" zugerechnet.

Rund 40 Prozent der Mitglieder des neuen Zentralausschusses sind Frauen, knapp 15 Prozent sind Jugenddelegierte, 43 Prozent sind Laien. Den beiden orthodoxen "Familien" wurden, der ÖRK-Tradition entsprechend, 25 Prozent der Sitze zugesprochen.

Harare, 10. Dezember 1998
Ökumenischer Rat der Kirchen
Presse-und Informationsbüro