Vergebliches Aufbegehren junger Menschen

Neuer ÖRK-Zentralausschuß verfehlt "Jugendquote"

10. Dezember 1998

Nur 14,7 Prozent der Mitglieder des am Donnerstag, 10. Dezember, gewählten ÖRK-Zentralausschusses sind jünger als 30 Jahre. Damit werde die angestrebte Jugendquote von 20 Prozent deutlich verfehlt, kritisierten Jugenddelegierte bei der Vollversammlung des Weltkirchenrates in Harare.Das Ökumene-Schiff, sagte ein junger deutscher Vertreter unter Anspielung auf das Logo des Weltkirchenrates, brauche eine ausgewogenere Besatzung. Die dem Plenum vorgelegte Namensliste enthalte zu wenige Laien, Frauen und junge Menschen. Dieses Votum wurde von Edeltraut Engel (Hamburg), Mitglied des alten Zentralausschusses, im Plenum mit den Worten unterstützt: ein zukunftsfähiger ÖRK brauche dringend ökumenischen Nachwuchs. Die Kandidatur einer deutschen Jugenddelegierten wurde, wie auch andere ÄnderungsNach dem vom Weltkirchenrat angewandten Wahlverfahren legt ein Nominierungsausschuss der Vollversammlung eine nach acht Weltregionen geordnete Liste vor, auf der die zu wählenden Delegierten namentlich mit Kirchenzugehörigkeit aufgeführt sind. Die orthodoxen Kirchenfamilien (östliche und orientalische orthodoxe Kirchen) bilden zwei weitere Gruppen. Weiterhin ist vermerkt, ob die Vorgeschlagenen männlich oder weiblich, ordiniert oder Laien sind und ob sie als Jugenddelegierte gelten.

Eine nach allen Kriterien ausgewogene Liste zu erarbeiten, habe sich als ausserordentlich kompliziert erwiesen, sagte der US-amerikanische Bischof Melvin Talbert, Vorsitzender der Nominierungsausschusses. So hätten sich manche Kirchen strikt geweigert, mehr Frauen vorzuschlagen, andere hätten erklärt, dass sie "niemals einer Frau Platz machen" würden. Ähnliches gelte auch für die Vertretung junger Menschen.

Den angestrebten Jugend-, Frauen-und Laien-Anteil besonders deutlich verfehlt haben die orthodoxen Kirchen. Über 70 Prozent ihrer 37 Vertreter sind ordinierte Männer, der Anteil junger Menschen liegt bei rund 13 Prozent. Die beabsichtigte Jugendquote von 20 Prozent fast erreicht haben die Europäer und Nordamerikaner mit etwas über 18 Prozent, während aus der Karibik, dem Pazifik und dem Mittleren Osten überhaupt kein Jugendvertreter im neuen Zentralausschuss sitzt.

Deutlich über der geforderten Frauenquote von 50 Prozent liegen die deutschen Landeskirchen. Sie entsenden vier Frauen und einen Mann: Den berlin-brandenburgischen Bischof Dr. Wolfgang Huber, die Thüringer Oberkirchenrätin Marita Krüger, die Generalsekretärin des Kirchentages, Dr. Margot Kässmann, die württembergische Vikarin Heike Bosien und das westfälische Kirchenleitungsmitglied Christa Kronshage. Die europäischen Mennonitengemeinden vertritt Fernando Enns, Studienleiter am Ökumenischen Institut und Studentenwohnheim der Universität Heidelberg. Der in Brasilien geborene Theologe ist mit einer japanisch-deutschen Frau verheiratet und hat sich auf ökumenische Theologie und Missionswissenschaft spezialisiert. Enns, Magister der Theologie, promoviert derzeit zum Thema "Der theologische Beitrag der historischen Friedenskirchen zur ökumenischen Theologie".

Harare, 10. Dezember 1998
Ökumenischer Rat der Kirchen
Presse-und Informationsbüro