Weltbünde fühlen sich der Ökumene verpflichtet

Kritik an mangelnder Beteiligung an ÖRK-Vollversammlung

10. Dezember 1998

Vertreter mehrerer konfessioneller Weltbünde haben bei einem Padare-Treffen der ÖRK-Vollversammlung Interesse an einer engeren Zusammenarbeit mit dem Weltkirchenrat bekundet. Bei dem vom Lutherischen Weltbund (LWB) organisierten Treffen wurde aber auch deutlich, dass das Verhältnis zwischen dem ÖRK und den sogenannten "weltweiten christlichen Gemeinschaften" noch in vielen Punkten der Klärung bedarf. Führende Vertreter der Weltbünde beklagten sich darüber, auf der Vollversammlung nicht gebührend gewürdigt Als kennzeichnend für ihre Weltbünde nannten die Vertreter vor allem drei Charakteristiken: Sie brächten ihr konfessionelles Erbe in die Ökumene ein, könnten Kirchen vertreten, die zu klein wären um Mitglied im ÖRK zu werden und seien zudem besser in der Lage Beziehungen mit den Kirchen vor Ort zu pflegen. Sie räumten ein, dass es auch innerhalb ihrer Bünde teils eklatante theologische Differenzen gebe und der Vorrat an "Grundübereinstimmungen" aller Mitgliedskirchen oft sehr gering sei. Daraus resultierte

Lutherischer Kirchen-Cocktail

LWB-Generalsekretär Ishmael Noko beschrieb den Lutherischen Weltbund als einen "Cocktail von Kirchen". Manche seien rein lutherisch, während andere in verschiedenen konfessionellen Traditionen verwurzelt seien. Deutlich werde dies in unterschiedlichen Formen der Gottesdienstgestaltung und der Kirchenleitung.

Sich zu einer Konfession zu bekennen, bedeute nicht, antiökumenisch sein, betonte Milan Opocensky, Generalsekretär des Reformierten Weltbundes. Die älteste konfessionelle Vereinigung wolle sich gegenüber der ökumenische Bewegung loyal und kooperativ verhalten, so Opocensky. Ökumenisch zu sein sei für Lutheraner eine Pflicht und keine Option, unterstrich Noko. Larry Miller von der Mennonitischen Weltkonferenz wies darauf hin, dass sich die Angehörigen seiner Konfession in erste Linie der universalen Kirche Interesse an der ökumenischen Arbeit der Weltbünde zeigte auch John Radano vom päpstlichen Einheitssekretariat im Rom. Er verwies auf das Porvoo-Abkommen, das die Abendmahlsgemeinschaft zwischen Anglikanern in Grossbritannien und Irland und Lutheranern in Nordeuropa herstellte. "Um Porvoo zu globalisieren, werden die konfessionellen Weltbünde nötig sein."

Kritik wurde bei der Padare-Veranstaltung an der mangelnden Mitwirkungsmöglichkeit der Weltbünde bei der Vollversammlung geübt. "Wir sind hier in der Wüste," sagte Opocensky. "Unser Rat ist nicht erwünscht."Bedauert wurde auch, dass die Weltbundvertreter, unter ihnen der aus Simbabwe stammende LWB-Generalsekretär, nicht einmal um ein Grusswort gebeten wurden. Noko ist zudem der erste Afrikaner, der eine weltweite Kirchengemeinschaft als Generalsekretär leitet.

Nach der bei der Vollversammlung vorgelegten Grundsatzerklärung "Auf dem Weg zu einem gemeinsamen Verständnis und einer gemeinsamen Vision des Ökumenischen Rates der Kirchen" (englisch abgekürzt CUV), soll sich der Weltkirchenrat darum bemühen die weltweiten christlichen Gemeinschaften "direkter in das organisierte Leben des ÖRK einzubinden".

Bedenken gegen eine formale Einbindung der Weltbünde äusserte ein Mitglied der Unionskirche in Australien. Die ehemaligen Kirchen die in ihrer "Uniting Church" aufgegangen waren, seien als "ökumenische Kirche wiedergeboren worden". Erneut Beziehungen zu verschiedenen Weltbünden zu knüpfen, käme ihr wie ein Rückschritt vor.

Bedenken beim ÖRK

Beim ÖRK zeigte der für die Beziehungen zu den Mitgliedskirchen zuständige Huibert van Beek Verständnis für die Befürchtungen der Orthodoxen angesichts der zunehmenden Zahl protestantischer Mitgliedskirchen. Er würde es begrüssen, wenn die Weltbünde ihre Mitgliedskirchen ermutigen würden, sich zusammen zu schliessen und dann dem ÖRK beizutreten. Der Lutherische Weltbund könnte zum Beispiel seine drei Mitgliedskirchen in Namibia zum Zusammenschluss ermutigen.

Van Beek warf die Frage auf, was mit kirchlicher Einheit gemeint sei, wenn etwa die Kirche von Südindien, die anglikanischer und reformierter Herkunft ist, eine "gespaltene Treue" zwischen zwei Weltbünden pflegen soll. Dem Argument der Weltbünde, dass sie auch viele kleinere Kirchen vertreten, hielt er entgegen, dass dies auch durch regionale ökumenische Organisationen wie die Konferenz Europäischer Kirchen geschehe.

Harare, 10. Dezember 1998
Ökumenischer Rat der Kirchen
Presse-und Informationsbüro