Hoher Preis für Friedensbemühungen

Massaker an Kirchendelegation in Kongo-Brazzaville

10. Dezember 1998

Bei der Schlichtung kriegerischer Auseinandersetzungen kommt den Kirchen eine entscheidende Rolle zu. Dies wurde bei einer Padare-Veranstaltung der ÖRK-Vollversammlung in Harare deutlich. Dass örtliche Kirchen bei ihren Vermittlungsbemühungen mitunter einen hohen Preis bezahlen müssen, zeigte die Schilderung eines kongolesischen Kirchenführers über ein Blutbad, bei dem am 14. November in Mindouli, 150 Kilometer südöstlich von Brazzaville (Republik Kongo) sechs Mitglieder einer Friedensdelegation wurden. Sie hatten versucht, zwischen verfeindeten Milizen zu vermitteln.

Wie der bei der Vollversammlung anwesende Delegationsleiter, der orthodoxe Priester Bernard Diafouka, berichtete, wurde das neunköpfige Team Opfer eines gezielten Anschlages. Nach ersten erfolgversprechenden Kontakten mit einer der Konfliktparteien seien am zweiten Tag ihres Aufenthaltes Bewaffnete in die morgendliche Gebetsrunde im katholischen Pfarrhaus eingedrungen. Sie hätten die Einheimischen zum Verlassen des Raumes aufgefordert und dann das Feuer auf die Friedensdelegation eröffnet. Dabei sechs der neun Delegationsmitglieder. Am gleichen Tag wurden in der Region weitere 39 Menschen getötet. Diafouka überlebte das Massaker, weil er sich totstellte. "Trotz dieses Blutbades sind wir uns einig darüber, dass wir unsere Bemühungen um Frieden im Kongo fortsetzen müssen", erklärten kongolesische Kirchenführer auf dem Padare.

Zuvor hatte Klaus Wilkens, Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF), über die Begleitung von Friedensprozessen in El Salvador und Guatemala durch die katholische und die evangelische Kirche in Deutschland berichtet. In enger Zusammenarbeit mit den lokalen Kirchen sei es möglich gewesen, die Konfliktparteien zu ersten vertraulichen Gesprächen in Deutschland zusammenzuführen. "Dabei konnten eine Reihe vertrauensbildender Massnahmen vereinbart werden", so Wilkens. Sie hätte aussetzung dafür geschaffen, dass später offizielle Friedensverhandlungen unter Schirmherrschaft der Vereinten Nationen aufgenommen werden konnten.

Bethuel Kiplagat, ehemaliger Botschafter Kenias in Paris und London, schilderte Friedensbemühungen der Kirchen in Mosambik und am Horn von Afrika, an denen er selbst beteiligt war. "In Afrika muss die Friedensfrage Priorität haben", betonte er. Dies bedeute vor allem, die verschiedenen "Peace-Agents" lokaler Kirchen miteinander zu vernetzen und für eine wirksamere Kooperation zu sorgen.

Pfarrer José Chipenda, früherer Generalsekretar der Allafrikanischen Kirchenkonferenz (AACC) aus Angola, hob hervor, dass in Afrika örtliche "Friedenskräfte" für den Erfolg entscheidend seien. Interventionen von aussen, auch wenn sie noch so gut gemeint seien, würden in der Regel kontraproduktiv wirken. Er empfahl bei Friedensverhandlungen, nicht den Anspruch zq erheben, die Wahrheit zu kennen und zunächst nicht über den Konflikt, sondern über dessen Ursachen zu sprechen. Dabei sollte man den an möglichen Freund behandeln, und im Lauf des Gesprächs eine gemeinsame Vision entwickeln.

Der Direktor des Life and Peace-Instituts in Uppsala, Bernd Jonsson, machte deutlich, dass die Kirchen bei ethnischen Konflikten häufig selbst Teil des Problems seien, wie die Bürgerkriege im ehemaligen Jugoslawien, in Ruanda und in Irland gezeigt hätten. Die Lösung von Konflikten sei in der Regel ausserordentlich kompliziert und vorrangig Aufgabe der Politik. Da auf innerstaatliche Konflikte von aussen kaum eingewirkt werden könne, komme den örtlichen Kirchen eine entscheidende Bedeutung zu. Ihr sei es weniger, als Vermittler aufzutreten, sondern vielmehr die Voraussetzungen für Verhandlungen zu schaffen. Jonnson forderte die Kirchen auf, verstärkt Kurse für zivile Konfliktbearbeitung anzubieten.

Harare, 10. Dezember 1998
Ökumenischer Rat der Kirchen
Presse-und Informationsbüro