Finanzlage des ÖRK hat sich stabilisiert

Vollversammlung kostet 14,5 Millionen Mark

9. Dezember 1998

Nach drastischen Kürzungen seiner Ausgaben und der Halbierung seines Personals auf rund 160 Mitarbeiter hat sich die finanzielle Situation des Weltkirchenrats stabilisiert. Dies geht aus Berichten der Finanzexperten bei der Vollversammlung in Harare hervor.

Der Gesamthaushalt des Rates für das laufende Jahr sieht Ausgaben in Höhe von umgerechnet rund 73 Millionen Mark vor. An Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen werden etwas über 8 Millionen erwartet. Weitere rund 61 Millionen Mark erhält der Rat von Mitgliedskirchen und Hilfswerken als Programm- oder Projektmittel. Die restlichen Haushaltsmittel stammen aus Investmenterträgen und eigenen Einnahmen.

Die deutschen Kirchen und Hilfswerke bringen etwa 40 Prozent der Gesamtzuwendungen an den ÖRK auf. Dies schliesst die Mitgliedsbeiträge sowie Programm- und Projektmittel ein.

Die Kosten der Vollversammlung in Harare sind mit rund 14,5 Millionen Mark veranschlagt. Das Ziel des ÖRK, etwa 9,5 Millionen davon bei den Mitgliedskirchen einzuwerben, ist nach Auskunft des deutschen ÖRK-Finanzexperten Günter Rath derzeit noch nicht erreicht. Etwas mehr als 9 Millionen Mark seien bislang eingegangen oder verbindlich zugesagt. Der Rest der Vollversammlungskosten soll aus Teilnehmergebühren und Rücklagen gedeckt werden, die der Rat für diesen Zweck gebildet hat.

Der ÖRK versteht sich als eine Gemeinschaft des Teilens, der Solidarität und des gemeinsamen Zeugnisses - doch ist die Bereitschaft seiner Mitgliedskirchen, ihn auch finanziell zu unterstützen, ist höchst unterschiedlich ausgeprägt. Von den bis dahin 332 Mitgliedskirchen haben im vergangenen Jahr nur 174 Mitgliedsbeiträge überwiesen. Darunter war keine der grossen orthodoxen Kirchen.

79 Prozent der Gesamtzuschüsse der Kirchen an den ÖRK kamen dabei aus Deutschland, USA, Holland und Schweden. Dieses eindeutige Abhängigkeitsverhältnis spiegelt auch die ungerechte Weltwirtschaftsstruktur wider*, gibt Rath zu bedenken. *Wenn die Kirchen des Südens aufgefordert werden, sich am ÖRK wenigstens mit dem Mindestbeitrag von rund 1 200 Mark im Jahr zu beteiligen, geht es vor allem darum, deutlich zu machen, dass Miteinanderteilen alle betrifft.

Weil die Situation einiger seiner Hauptfinanziers schwieriger wird, will der ÖRK seine eigenen Einnahmen erhöhen. Dazu sollen die Geldanlagen besser gemanagt, freigewordene Büroräume in der Genfer Zentrale konsequenter vermarktet und die Einnahmen aus dem Bossey-Gästehaus deutlich erhöht werden. Um dies zu erreichen, müssen allerdings in Genf und Bossey zunächst erhebliche Mittel in die Renovierung investiert werden. Hier sind wir dringend auf Unterstützung aus Deutschland angewiesen. .

Das Ökumenische Institut in Bossey, dessen theologische Studienarbeit und Kurse weltweit geschätzt würden, habe von der EKD in diesem Jahr noch 360 000 Mark erhalten. Für das kommende Jahr seien die Zuschüsse halbiert worden. Eine völlige Streichung sei angekündigt. "Ich hoffe, dass der totale Finanzentzug für Bossey noch abgewendet werden kann", meint der ÖRK-Finanzexperte und verweist auf die zahlreichen Freunde des Ökumenischen Instituts in deutschen Landeskirchen.

Harare, 9. Dezember 1998
Ökumenischer Rat der Kirchen
Presse-und Informationsbüro