Europäer haben Afrika nicht verstanden

Probleme des Kontinents beschäftigen ÖRK-Versammlung

8. Dezember 1998

Mit einer "Erneuerung des Bundes mit Gott" und der Selbstverpflichtung, "unermüdlich für die Zukunft eines afrikanischen Lebens in Fülle zu arbeiten", endete die Afrika-Plenarsitzung der Achten Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) am Dienstag, 8. Dezember. Die anderthalbstündige Veranstaltung, die unter Trommelklängen begann und endete, wurde von einer simbabwischen Theatergruppe eingeleitet, die die koloniale Geschichte, den Kampf um Befreiung und die Probleme des heutigen Afrika darstellte.

Pityana, ehemaliger Leiter des ÖRK-Antirassismusprogramms, bezeichnete Afrika als "Wiege der Menschheit und Geburtsort des heutigen Menschen", was durch kürzlich in Südafrika entdeckte versteinerte Fussspuren belegt sei. Die 117 000 Jahre alten Spuren zählten zu den ältesten Funden des heutigen Menschen. Die Europäer, die im 15. Jahrhundert nach Afrika kamen, hätten den Kontinent jedoch nicht verstanden: Ihre aufregende Entdeckung war, dass diese Menschen keine Religion hatten.

Nach Pityanas Auffassung steht Afrika vor drei Herausforderungen: Der Ausrottung der Armut, der Durchsetzung von Demokratie, Menschenrechten und gerechten Staatswesen, sowie der Entwicklung neuer moralischer Normen. Armut sei ein Ergebnis politischer Entscheidungen und daher mit Bereitwilligkeit und mit politischem Willen auszurotten. Voraussetzungen seien die Unterbindung von Korruption, die Steuerung der Märkte zugunsten der Armen und eine Beendigung der Schuldenlast Afrikas.

In Form eines Briefes an meine Ahnen beschäftigte sich Mercy Amba Oduyoye mit der Frage, wie es Afrika gelingen könne, ein Form des Christentums zu entwickeln, das unsere afrikanische Identität nicht auslöscht, sondern weltweit zu seiner Bereicherung beiträgt. Dabei müsse kritische Distanz zu denjenigen Teilen des afrikanischen Erbes gewahrt werden, die man entwürdigend finde, sagte die ehemalige stellvertretende ÖRK-Generalsekretärin. Auch sie räumte eine Mitschuld Afrikas an seiner Ausbeutung ein. In einer abschliessenden Verpflichtung zu einer Reise der Hoffnung dankten die afrikanischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Plenarsitzung für die Segnungen, die wir durch Gott erfahren haben. Sie verpflichteten sich dazu, an der Umgestaltung ihrer Gesellschaften hin zu mehr Gerechtigkeit mitzuwirken, Frieden und Versöhnung für ihre Völker zu suchen.

Harare, 8. Dezember 1998
Ökumenischer Rat der Kirchen
Presse-und Informationsbüro