Über ein Viertel der Kirchen schickte nur Männer nach Harare

Zehn Kirchen mit reinen Frauendelegationen

9. Dezember 1998

Von 274 Mitgliedskirchen des Ökumenischen Rats der Kirchen haben 77 meist kleinere Kirchen nur Männer als Delegierte zur ÖRK-Vollversammlung nach Harare entsandt. Das geht aus Informationen hervor, die der Weltkirchenrat am 5. Dezember veröffentlichte. Der ÖRK hatte die Mitgliedskirchen gebeten, in ihren Delegationen zu mindestens 40 Prozent Frauen und zu 15 Prozent Jugendliche zu berücksichtigen.

Zu Beginn der Vollversammlung bestand der ÖRK aus 332 Mitgliedskirchen, darunter 16 orthodoxen Kirchen. Seitdem sind sieben Kirchen als Mitglieder neu aufgenommen und eine weitere erhielt den Status eines Vollmitgliedes.

Unter den 77 rein männlichen Delegationen sind acht orthodoxe and 69 nichtorthodoxe. Hingegen bestehen knapp ein Fünftel der Delegationen überwiegend (44) oder ausschliesslich (10) aus Frauen.

Unter den 958 Delegierten sind 360 Frauen und 131 Jugendliche. Ihre Zahl liegt damit knapp unter der angestrebten Marge von 40 Prozent für Frauen und 15 Prozent für Jugendliche. Nach ÖRK-Standard gelten Menschen zwischen 18 und 30 Jahre alt als Jugendliche.

Die Laien sind unter den Delegierten leicht unterrepräsentiert - 425 Laien stehen 502 Ordinierten gegenüber. Mit 438 Männern und 64 Frauen gibt es unter den Ordinierten einen eklatanten Männerüberschuss. Die grössten Delegationen stellen die Vereinigte Methodistische Kirche aus den USA mit 34 Mitgliedern, gefolgt von der 33-köpfigen Delegation der Evangelischen Kirche in Deutschland und den 26 Delegierten der Äthiopischen Orthodoxen Kirche. Die russisch-orthodoxe Kirche, der 25 Delegiertensitze zustehen, entsandte nur fünf Vertreter nach Harare.

Die Grösse der Delegationen wird vom Zentralausschuss festgelegt. Sie richtet sich unter anderem nach der Zahl der Kirchenmitglieder und soll eine ausgewogene Vertretung der Konfessionsfamilien und Weltregionen gewährleisten. Zu den knapp tausend Delegierten kommen weitere 3.600 Teilnehmende, darunter Gäste, Tagesbesucher und Mitarbeiter aus simbabwischen Kirchen und des Genfer Stabes. Über die Vollversammlung berichten 320 Journalisten, davon 71 aus Simbabwe, 47 aus den Vereinigten Staaten und 38 aus Deutschland.

Unentbehrlich für den reibungslosen Ablauf der Tagung sind 170 jugendliche Helferinnen und Helfer aus allen Erdteilen, "Stewards" genannt. Ihre besondere Rolle wurde am 5. Dezember im Plenum gewürdigt. Als Zeichen ihrer verschiedenen Begabungen hatten sie Erde aus ihrer Heimat mitgebracht, die sie in einem symbolischen Akt mischten und Generalsekretär Konrad Raiser übergaben.

Harare, 9. Dezember 1998
Ökumenischer Rat der Kirchen
Presse-und Informationsbüro