Künftiger Kurs des ÖRK umstritten

Grundsatzerklärung stark kritisiert

7. Dezember 1998

Die Meinungen über die Gestaltung der zukünftigen Arbeit des Ökumenischen Rates der Kirchen gehen unter den fast 1000 Delegierten der ÖRK-Vollversammlung in Harare weit auseinander. Dies wurde am Sonntag, 6. Dezember in der Plenarsitzung über die vorgelegte Grundsatzerklärzung "Auf dem Weg zu einem gemeinsamen Verständnis und einer gemeinsamen Vision des Ökumenischen Rates der Kirchen" (englisch abgekürzt CUV) deutlich.

Während der orthodoxe Vorsitzende des Zentralausschuss, Aram I. bei der Vorstellung das Dokument als frischen Wind für die Ökumene bezeichnete, äusserten sich andere orthodoxe Vertreter pessimistisch darüber, ob die Erklärung orthodoxe und andere ÖRK-Mitgliedskirchen wieder näher zusammenbringen kann. Der russisch-orthodoxe Priester Hilarion Alfejew sagte, dass er die grösste Mitgliedskirche des ÖRK vertrete, die aber kaum Einfluss auf die Tagesordnung des Weltrates nehmen könne. Der albanische e Erzbischof Anastasios erinnerte an den innerkirchlichen Dialog über die Bedeutung des Heiligen Geistes, der während der 7. Vollversammlung in Canberra (1991) geführt wurde. AJetzt finden wir keine einzige Zeile darüber@, beklagte er. Behalten sie ihre Erklärung. Wir ziehen aus. Der amerikanische Orthodoxe Leonid Kishkovsky meinte, dass weitere Arbeit an dem CUV-Studienprozess nötig sei, bevor man zu irgendwelchen Ergebnissen komme. Er glaube nicht, dass dies von der Vollversammlung in Harare

Heftig diskutiert wurde die im CUV-Dokument angesprochene Idee eines ökumenischen Forums christlicher Kirchen und Gemeinschaften, in dem auch Nicht-ÖRK-Kirchen mitwirken können. Mehrere Redner, darunter der deutsche EKD-Auslandsbischof Rolf Koppe, befürchten dadurch eine Verflachung der ökumenischen Bewegung. Viel wichtiger sei es, an einer Vertiefung der Gemeinschaft zu arbeiten. Koppe bezweifelte auch, dass das Forums-Projekt überhaupt finanzierbar sei. Der anglikanische Bischof John Neill au warnte davor, vor den aktuellen Problemen in die Forums-Idee zu flüchten. Wenn man beieinander bleiben wolle, müsse man auch den Schmerz der Mitgliedschaft ertragen.

Dass die teils leidenschaftliche Diskussion nicht allen Delegierten behagte, brachte die anglikanische Pfarrerin Rose Hudson-Wilkin in einem heftig beklatschten Votum zum Ausdruck. Sie stellte die Frage, ob es irgendein normales Kirchenmitglied gebe, das diese Debatte verstehen könnte, in der so oft Ekklesiologie und Grösse der eigenen Kirche die Rede sei. "In Wirklichkeit geht es hier um Machtfragen", meinte sie.

Harare, 7. Dezember 1998
Ökumenischer Rat der Kirchen
Presse-und Informationsbüro