Wegweiser für das 21. Jahrhundert

Grundsatzerklärung zur künftigen Arbeit des ÖRK

7. Dezember 1998

Der Vollversammlung des Weltkirchenrats in Harare liegt eine Grundsatzerklärung über das Selbstverständnis und die künftige Arbeit der Gemeinschaft von fast 340 orthodoxen, anglikanischen und protestantischen Kirchen vor. Das Dokument "Auf dem Weg zu einem gemeinsamen Verständnis und einer gemeinsamen Vision des Ökumenischen Rates der Kirchen" (englisch abgekürzt CUV) entstand nach achtjährigem Studienprozess unter Beteiligung zahlreicher Kirchen und Gruppierungen . Es stellt die Grundlage für di gen der ÖRK-Vollversammlung über den "Weg in das 21. Jahrhundert" dar. Die Vollversammlung wird voraussichtlich eine Stellungnahme zu der Erklärung abgeben und in ihrer abschliessenden Botschaft eigene ökumenische Zukunftsvisionen formulieren.

Das CUV-Dokument betont, dass sich der ÖRK als Gemeinschaft von Kirchen versteht, die sich verpflichten, "ihre Einheit in Christus sichtbar zu machen und sich gegenseitig dazu aufzurufen, dieser Einheit im Gottesdienst sowie im gemeinsamem Leben, Zeugnis und Dienst an der Welt tieferen Ausdruck zu verleihen". In den 50 Jahren seit der Gründung des ÖRK habe es viele Zeichen für ein Wachstum auf dem Weg zur christlichen Einheit gegeben, heisst es weiter. Dazu gehöre nicht nur die zahlenmässige Zuna tgliedskirchen sondern auch die verstärkte Mitarbeit von Frauen im ÖRK , die Hilfe für Menschen, die von Krieg, Gewalt, Armut und Umweltzerstörung betroffen sind und der Kampf gegen den Rassismus.

Hervorgehoben wird, dass der ÖRK nicht losgelöst von der ökumenischen Bewegung betrachtet werden könne, aus der er entstanden ist und für die er ein wichtiges Instrument darstelle. Wie vor 50 Jahren, als der ÖRK gegründet wurde, stehen die Welt und die Kirchen vor einer Krise, deren tiefste Dimensionen spiritueller Natur seien, heisst es in der Erklärung. Nach dem Ende des Kolonialismus seien neue Formen wirtschaftlicher und politischer Abhängigkeit entstanden.

Moderne Transport-und Kommunikationsmittel brächten die Menschen in aller Welt zwar näher zusammen, doch gleichzeitig gebe es eine zunehmende Zersplitterung von Gesellschaften und die Ausgrenzung immer weiterer Teile der menschlichen Gemeinschaft. Die Kirchen, wird selbstkritisch eingeräumt, würden in dieser Situation nicht immer nach ihren eigenen Verpflichtungen und Überzeugungen handeln.

Die gegenwärtige spirituelle Krise -so "CUV" -fordere die ökumenische Bewegung und den ÖRK heraus, wieder stärker als "Impulsgeber der Erneuerung" zu wirken. Die Mitgliedskirchen müssten ihre "gemeinsame Berufung" erkennen, sich in einer sichtbaren, dauerhaften und organisierten Weise mit den Zielen der ökumenischen Bewegung und dem Streben nach tieferer Gemeinschaft zu identifizieren. Um ihnen dabei helfen zu können, benötige der ÖRK eine funktionierende Organisationsstruktur. Sie sollte seine I als Kirchengemeinschaft widerspiegeln und der Pluralität von Kulturen sowie von theologischen und spirituellen Traditionen seiner Mitgliedskirchen gerecht werden.

Die Leitungsorgane des ÖRK sollten eine maximale Vertretung und Beteiligung der Mitgliedskirchen gewährleisten und für Transparenz in der Bestimmung der programmatischen Ausrichtung sowie bei der Entscheidungsfindung sorgen. Sie sollten ferner für alle sprechen und nicht nur die Stimmen derjenigen berücksichtigen, die aufgrund ihrer kulturellen Herkunft, Sprache, Ausbildung oder Erfahrung in einer weltweiten Organisation im Vorteil sind. Ausdrücklich empfohlen wird, die Beziehungen zu Kirchen an- und auszubauen, die nicht Mitglieder im ÖRK, aber offen für die ökumenische Gemeinschaft sind.

Harare, 7. Dezember 1998
Ökumenischer Rat der Kirchen
Presse-und Informationsbüro