Erzbischof Carey: Mission einziger Weg aus der Krise

Fixierung auf vereinzelte Anliegen schwächt Kirche in Europa

13. Dezember 1998

Die ständige Fixierung auf einzelne Themen sei eine Bedrohung für die Kirche im Westen, sagte der anglikanische Erzbischof von Canterbury, George Carey, in einer Predigt am 13. Dezember während der ÖRK-Vollversammlung. Er teile jedoch nicht die Ansicht, dass sich die Kirche in Europa in einem unvermeidlichen Niedergang befinde.

Hoffnung schöpfe er aus einer Wiederentdeckung von Mission. Hierin entdecke die Kirche ihre wahre Einheit, sagte Carey während eines Abendmahlsgottesdienstes in der anglikanischen Kathedrale. Die Feier war eine von mehreren, die in verschiedenen Kirchen der simbabwischen Hauptstadt im Rahmen der Vollversammlung stattfanden.

Die Beschäftigung mit vereinzelten Anliegen schwäche die Kirche. Schon jetzt würden einige Teilen der westlichen Kirche "verbluten". Sämtliche Sorgen, Ideale und Hoffnungen müssten in Zusammenhang mit der Sendung Christi in die Welt gebracht werden. Anliegen wie Homosexualität, Obdachlosigkeit, Armut und die Schulden der Dritten Welt seien zwar wichtig, müssten jedoch "im Lichte des Evangeliums und des Auftrags, allen Menschen die Liebe Christi zu bringen", gesehen werden.

In seiner Predigt, "Krise oder Christus", vertrat Carey die Auffassung, dass sich die ökumenische Bewegung in einer Krise befinde. Es gebe einerseits Anzeichen wachsender Kircheneinheit, andrerseits wüchsen die Spaltungen. Die römisch-katholische Kirche sei immer noch ausserhalb des Weltkirchenrats und die Orthodoxen seien zur Zeit "nervöse, zögernde Teilnehmer". Obwohl manche meinten, der Rat sei "eine Sackgasse, in die Ideen gelockt und leise erwürgt werden", habe der ÖRK in den vergangenen 50 Jahren viele Erfolge erzielt.

Carey verwies darauf, dass sich die Zahl der Christen in diesem Jahrhundert verdreifacht hat. Von einem Verschwinden der Kirche könne man also keineswegs sprechen. Auch totgeglaubte Gemeinden könnten durch den auferstandenen Christus wiederbelebt werden. "Christus muss der Herzschlag unserer Predigt, unseres Lebens, der Sozialarbeit und unseres Engagement für Gerechtigkeit und Frieden sein. Nur wenn wir in seinem Lichte wandeln, wird unsere Krise eine Chance des Wachstums und Quelle von Vertrauen für die Zukunft sein."

Ursprünglich sollte bei der Jubiläumsvollversammlung des Weltkirchenrats wegen theologischer Differenzen unter den Mitgliedskirchen ganz auf gemeinsame Abendmahlsgottesdienste verzichtet werden. Als Kompromiss wurden die Delegierten in die Gemeinden unterschiedlicher Konfessionen eingeladen.9

Harare, 13. Dezember 1998
Ökumenischer Rat der Kirchen
Presse-und Informationsbüro