Orthodoxe über gemeinsames Vorgehen bei ÖRK-Vollversammlung nicht einig

4. Dezember 1998

Die orthodoxe Kirchenvertreter werden sich in unterschiedlicher Weise an der Vollversammlung des Ökumenischen Rat der Kirchen in Harare beteiligen. Bei einem Treffen orthodoxer Delegierten zum Auftakt der Tagung am 3. Dezember konnte nach Angaben von Teilnehmern keine Einigung über ein gemeinsames Vorgehen erreicht werden. Es habe auffallend viele Aussagen zu Mässigung im gegenwärtigen Streit mit dem Weltkirchenrat gegeben, hiess es. Der ÖRK sei auch ihr Haus, das sie nicht verlassen könnten.

Die weltweite christliche Orthodoxie besteht aus zwei Familien von selbstständigen Kirchen: die östlich-orthodoxe und die oriental-orthodoxe, die sich im fünften Jahrhundert wegen Meinungsverschiedenheiten trennten.

Bei der Vollversammlung werden die Delegierten der russisch-orthodoxen Kirche und der orthodoxen Kirche in Griechenland bei Gottesdiensten nicht anwesend sein und auch nicht an Abstimmungen teilnehmen. Obwohl die oriental-orthodoxe Kirchen die Kritik der östlich-orthodoxen Kirchen an der angeblich zu liberalen westlich-protestantischen Linie des ÖRK teilen, werden ihre Vertreter an den Beratungen und Aussprachen voraussichtlich voll beteiligen. Wie sich die anderen östlich-orthodoxen Kirchen verh den, ist noch unklar.

Keine orthodoxe Delegierte aus Bulgarien, Georgien

Die orthodoxen Kirchen Bulgariens und Georgiens, die ihren Austritt aus dem ÖRK angekündigt hatten, entsandten keine Vertreter nach Harare.

Die Entscheidung der russischen und griechischen Vertreter nicht an den Gottesdiensten teilzunehmen habe keine theologische Begründung, sondern beruhe auf negativen Erfahrungen mit Medien, hiess es aus orthodoxen Kreisen. Aus Sicht einiger ihrer Delegierten beruhen die gegenwärtigen Spannungen vor allem auf unterschiedlichen Glaubensauffassungen liberaler und konservativer Christinnen und Christen.

Den Orthodoxen stehen 25 Prozent der Delegiertensitze in der Vollversammlung zu. Sie werden von dieser Quotenregelung in Harare erstmals nicht voll Gebrauch machen. Von den 23 orthodoxen Mitgliedskirchen sind vier mit ihren Kirchenführern vertreten: die orthodoxen Kirchen Albaniens, Äthiopiens, Syriens und das griechisch-orthodoxe Patriarchat von Alexandrien (Ägypten). Die russisch-orthodoxe Kirche, mit schätzungsweise 100 Millionen Gläubigen, der 25 Delegiertensitze zustehen, entsandte nur fünf .

Keine gemeinsame Abendmahlsfeier

Bei der Jubiläumsvollversammlung zum 50jährigen Bestehen des Weltkirchenrats sollte wegen theologischer Differenzen unter den Mitgliedskirchen ursprünglich ganz auf einen gemeinsamen Gottesdienst mit Eucharistiefeier für die Teilnehmenden verzichtet werden. Als Kompromiss wurde später entschieden, dass die Kirchen in Simbabwe am 13. Dezember die Delegierten zu Eucharistiefeiern in Ortsgemeinden unterschiedlicher Konfession einladen.

Die liturgische Praxis bei der Tagung trägt der Tatsache Rechnung, dass die orthodoxen Kirchen wie die römisch-katholische die Abendmahlsgemeinschaft mit protestantischen Kirchen ablehnt. Sie fällt weit hinter den Grad an Gemeinsamkeit zurück, der in einem gemeinsamen Gottesdienst nach der sogenannten ALima-Liturgie@ bei der Vollversammlung 1983 in Vancouver (Kanada) zum Ausdruck kam. Eine Morgenliturgie am 7. Dezember wird der einzige orthodoxe Gottesdienst während der Vollversammlung in Harare

Harare, 4. Dezember 1998
Ökumenischer Rat der Kirchen
Presse-und Informationsbüro