Trotz zahlreicher Bedenken:

Ökumenisches Forum nimmt Gestalt an

13. Dezember 1998

Der Vorschlag des ÖRK-Generalsekretärs Konrad Raiser zur Gründung eines weltweiten ökumenischen Forums nimmt erste konkrete Formen an. Die ÖRK-Vollversammlung befürwortete am 12. Dezember in Harare die weitere Vorbereitungen zur Gründung eines "Forums christlicher Kirchen und ökumenischer Organisationen". Der neue Zentralausschuss wurde beauftragt, die Konsultationen mit den Organisationen fortzuführen, die bereits ihr Interesse bekundet haben.

An einem ersten Sondierungsgespräch im August dieses Jahres in Bossey bei Genf hatten auf Einladung des ÖRK 28 Vertreter verschiedener Organisationen teilgenommen. Das Spektrum reichte von den Pfingstkirchen über die Evangelikalen bis zur Römisch-katholischen Kirche. Dabei wurde vereinbart, im Forum mit einem "Minimum an Regeln und Strukturen" auszukommen.

Die Verfassung von Dokumenten und Empfehlungen solle nicht im Mittelpunkt stehen, sondern der "freimütige Meinungsaustausch". Abstimmungen sind nicht vorgesehen. Ziel sei es vielmehr, "reichere und umfassendere Beziehungen" zwischen den Beteiligten aufzubauen und "neue Gedanken zu fasssen, neue Träume zu träumen und neue Visionen zu entwickeln".

Erstmals offiziell zusammentreffen soll das Forum im Jahr 2001. Gedacht ist an etwa 200 Teilnehmende von internationalem Rang aus kirchlichen und ökumenischen Organisationen. Römische Katholiken, Orthodoxe, Evangelikale, Pfingstler und andere Bekenntnisfamilien sollen ebenso dazugehören wie regionale und internationale ökumenische Organisationen. Der ÖRK beansprucht nach den Worten Raisers im Forum keine Führungsrolle.

Am Rande der Vollversammlung äusserten sich deutsche Delegierte und Beobachter überwiegend kritisch zu den Forumsplänen. Vom Versuch einer "Institutionalisierung der Institutionslosigkeit" war ebenso die Rede wie von der Gefahr einer "byzantinischen Undurchsichtigkeit". In der derzeitigen Situation sei es wichtiger für den ÖRK, sein eigenes Profil zu stärken.

Auch in der Plenardebatte der Vollversammlung wurden Bedenken laut. Befürchtet wurde eine "Aufweichung" des ÖRK durch Abwanderung von Kirchen in das Forum und den Verlust von personellen und finanziellen Resourcen. Es sei wichtiger, den ÖRK selbst zu reformieren . "Keiner unserer Schritte darf den ÖRK schwächen", sagte der deutsche Delegierte Klaus Heidel, dessen umfangreicher Änderungsantrag allerdings abgelehnt wurde.

Der schliesslich gefasste Beschluss billigte das Forums-Projekt, gab dem Zentralausschuss jedoch eine Reihe von Richtlinien für die Weiterarbeit mit auf den Weg. Demnach müsse deutlich zwischen "Wesen und Zielsetzung des ÖRK und des Forums" unterschieden werden. Die verbindlichere Mitgliedschaft im ÖRK dürfe nicht mit der Mitwirkung im Forum verwechselt werden. Ausserdem müssten die beteiligten Kirchen und Organisationen für die Kosten des Forums gemeinsam aufkommen.

Harare, 13. Dezember 1998
Ökumenischer Rat der Kirchen
Presse-und Informationsbüro