Bulgarisch-Orthodoxe Kirche aus ÖRK ausgetreten

Offizielle Mitteilung per Brief nach Harare

13. Dezember 1998

Die bulgarisch-orthodoxe Kirche hat ihren angekündigten Austritt aus dem Weltkirchenrat vollzogen. Dies gab ÖRK-Generalsekretär Konrad Raiser am 12. Dezember bei der Vollversammlung in Harare bekannt. Nach Angaben Raisers ging während der Konferenz ein entsprechender Brief ein. Die Kirche habe ihre Entscheidung unter anderem damit begründet, dass die Mitgliedschaft im ÖRK zur "Verwirrung in ihren Gemeinden" geführt habe.

Ihren Austrittsbeschluss hatte der Heilige Synod der bulgarisch-orthodoxen Kirche bereits am 9. April dieses Jahres gefasst. Begründet wurde dies damit, dass die Mitgliedschaft im ÖRK "zu keinen befriedigenden Fortschritten im multilateralen theologischen Dialog" geführt habe. Ausserdem übten "Sekten" in traditionell orthodoxen Ländern Proselytismus aus, und zwar "bedauerlicherweise unter den schützenden Fittichen etablierter protestantischer Kirchen".

Die bulgarisch-orthodoxe Kirche hatte nach der Entscheidung des Heiligen Synods keine Delegierten mehr nach Harare entsandt. Bereits in den letzten Jahren hatte sie ihre Beziehungen zum ÖRK eingefroren, den Mitgliedsbeitrag nicht mehr bezahlt und an Konferenzen des ÖRK nicht mehr teilgenommen. Nach Angaben der Kirche gehören ihr 87 Prozent der neun Millionen Bulgaren an.

In der bulgarisch-orthodoxen Kirche kam es 1992 zu einer Spaltung: Gegner des 86jährigen Patriarchen Maxim stellten damals die Gültigkeit seiner 1971 erfolgten Wahl in Frage und beschuldigten ihn der Zusammenarbeit mit dem früheren kommunistischen Regime. 1996 ernannten die Gegner Maxims den heute 92jährigen Metropoliten Pimen zum Patriarchen und weihten 12 eigene Bischöfe. Im Oktober 1998 vereinbarten die beiden Parteien in Sofia, die gegenseitigen Verurteilungen weitgehend aufzuheben und die kirchliche Einheit wiederherzustellen.

Aus orthodoxen Kreisen auf der Vollversammlung wurde bekannt, dass die Austrittsentscheidung der bulgarischen Kirche in Abwesenheit von zwei Kirchenführern ihrer Auslandsgemeinden getroffen wurde. Die grösste Gefahr für die Orthodoxie läge nicht in der ökumenischen Bewegung, sondern käme von fundamentalistischen Gruppen innerhalb der orthodoxen Kirche.

Während die orthodoxe Kirche Bulgariens sich für den Austritt aus dem ÖRK entschied, haben junge bulgarische Orthodoxe, Protestanten und Katholiken einen ökumenischen Jugendrat gebildet, der seit Oktober zwei internationalen Jugendverbänden beigetreten ist: dem Ökumenischen Jugendrat in Europa und dem Christlichen Weltstudentenbund.

Trotz ihrer ÖRK-Austritts bleibt die bulgarische Kirche Mitglied in der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) und hat somit den ökumenischen Dialog noch nicht völlig aufgegeben. Die KEK arbeitet eng mit dem Weltkirchenrat zusammen.

Bereits im vergangenen Jahr hatte die orthodoxe Kirche Georgiens ihren Austritt sowohl aus dem ÖRK wie auch der KEK bekanntgegeben. Ein Beobachter dieser Kirche erklärte vor der Vollversammlung in Harare, im Falle einer weiteren Mitgliedschaft im ÖRK habe seiner Kirche die Spaltung gedroht. Er bedauere dies und bitte um Verständnis für diese Entscheidung.

Um das Verhältnis zu seinen orthodoxen Mitgliedskirchen zu verbessern, billigte die Vollversammlung die Einrichtung einer Sonderkommission zur orthodoxen Mitwirkung im ÖRK. Ihre Mitglieder sollen je zur Hälfte von den orthodoxen und den übrigen Mitgliedskirchen gestellt werden. Ziel ist es, die "gegenwärtige kritische Situation zu bewältigen" und dabei nicht nur strukturelle Kompromisse auszuhandeln, sondern auch nach der "Erkenntnis des Willens, der Wahrheit und der Liebe Gottes" zu suchen.

Harare, 13. Dezember 1998
Ökumenischer Rat der Kirchen
Presse-und Informationsbüro