Katholische Mitgliedschaft im ÖRK nicht aktuell

Gemeinsame Arbeitsgruppe für engere Zusammenarbeit

13. Dezember 1998

Eine Mitgliedschaft der römisch-katholischen Kirche im Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) steht derzeit nicht zur Diskussion. Dies hat der Leiter der 25köpfigen katholischen Delegation bei bei der ÖRK-Vollversammlung in Harare, der schottische Bischof Mario Conti (Aberdeen) gegenüber Medienvertretern deutlich gemacht.

Conti wies darauf hin, dass die katholische Kirche erst nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil 1965 die Zusammenarbeit mit dem Weltrat aufnahm und daher nicht an seinen Gründungsdokumenten mitgewirkt habe. Daneben bestehe das Problem, dass der katholischen Kirche etwa eine Milliarde Menschen angehörten, den rund 340 orthodoxen, protestantischen und anglikanischen Mitgliedskirchen des ÖRK aber nur etwa halb so viele. Bei einem Beitritt bestünde die Gefahr, dass die Beziehungen dieser Mitgliedskirchen untereinander "verbogen" würden. "Wir möchten zur Arbeit des ÖRK lieber beitragen, als ihn zu destabilisieren", sagte Conti.

Der schottische Bischof gehört der Gemeinsamen Arbeitsgruppe der römisch-katholischen Kirche und des ÖRK an. Das einmal jährlich tagende beratende Gremium legte in Harare seinen siebten Bericht vor. Er umfasst den Zeitraum von 1991 bis 1998. Das Dokument unterstreicht die Bedeutung der "Ökumene vor Ort". Es zeigt anhand der Vertretung der katholischen Kirche in nahezu allen Programm-Aktivitäten des Weltkirchenrats die wachsende Zusammenarbeit auf und gibt Anregungen für die Zukunft.

Dem Bericht zufolge bestimmen in den nächsten Jahren vier Themen die Tagesordnung der Gemeinsamen Arbeitsgruppe: die Einheit der Kirche als "Koinonia" (Gemeinschaft), das ökumenische Lernen, die Studienarbeit über ethische Fragen, das gemeinsame Zeugnis, über das Wiedererstarken des Proselytismus sowie das verstärkte Engagement der katholischen Kirche in nationalen Kirchenräten und ökumenischen Regional-Organisationen.

Wettbewerb um die Gläubigen

Als eine Ursache wachsender Spannungen zwischen einzelnen Kirchen beschreibt der Bericht den Proselytismus. Der ursprünglich positiv besetzte Begriff bekomme einen negativen Beigeschmack, wenn er für Bemühungen von Christen verwendet werde, Mitglieder anderer christlicher Gemeinschaften zu einem Übertritt zu veranlassen, heisst es darin. Solche Aktivitäten erfolgten offen oder versteckt, aus niederen Beweggründen oder in vermeintlich guter Absicht. Sie seien "eine Missachtung der christlichen Realität anderer Kirchen oder ihrer jeweiligen seelsorgerlichen Praxis" und stünden im Widerspruch zu allen ökumenischen Bestrebungen.

Proselytismus liege vor, wenn die Lehre einer anderen Kirche verzerrt dargestellt oder lächerlich gemacht werde. Dies geschehe, wenn etwa behauptet werde, das Gebet für die Toten sei eine Leugnung der Notwendigkeit, Christus als Herrn und Heiland persönlich anzunehmen oder wenn die Anbetung von Ikonen als primitiver Götzendienst abgetan werde. Auch das Ausnutzen politischer, gesellschaftlicher oder wirtschaftlicher Macht zur Gewinnung neuer Mitglieder für die eigene Kirche sei abzulehnen. Kritisiert wird ausserdem die Methode, Bildungsmöglichkeiten, Gesundheitsversorgung oder materielle Anreizen anzubieten. Verurteilt wird auch, Bedürfnisse, Schwächen oder mangelnde Bildung von Menschen auszunutzen.

Als weitere Ursache des Proselytismus betrachtet die ökumenische Arbeitsgruppe unterschiedliche Missions-und Evangelisationsverständnissen von Kirchen. Manche seien der Auffassung, dass "Gottes erlösendes Handeln ausschliesslich von ihnen vermittelt werde". Andere schrieben der Mission entweder nur soziale oder nur geistliche Aufgaben zu, "anstatt Mission als ganzheitlichen Auftrag zu sehen". Das Dokument stellt fest, dass es nicht genüge, den Proselytismus zu verurteilen. Nötig sei das echte gemeinsame christliche Zeugnis der Kirchen, ökumenische Studien-und Aktionsgruppen, Koordinierung von Seelsorge und Mission, der gemeinsame Dienst im humanitären Bereich und die Fortsetzung des theologischen Dialogs.

Für das Jahr 2000 empfiehlt die Arbeitsgruppe, das "ökumenische Potential" einer weltweiten gemeinsamen Feier im Jahr 2000 zu nutzen. Dabei sollten Christen miteinander den apostolischen Glauben bekennen. Als "soziales Zeugnis" sollten die Ziele des Erlassjahres bekräftigt werden, den ärmsten Ländern die Schulden zu erlassen. Die Vollversammlung nahm den Bericht der Kommission am 12. Dezember an und forderte den neuen Zentralausschuss auf, gemeinsame Feiern der Kirchen im Jahr 2000 auf örtlicher, regionaler und weltweiter Ebene anzuregen.

Harare, 13. Dezember 1998
Ökumenischer Rat der Kirchen
Presse-und Informationsbüro