Anschlag auf sudanesischen Bischof

Vergeltung für Predigt bei ÖRK-Versammlung?

12. Dezember 1998

Auf den katholischen sudanesischen Bischof Paride Taban ist ein Attentat verübt worden. Während der Kirchenführer den Anschlag überlebte, wurden sechs Menschen getötet und 14 schwer verletzt. Dies wurde am Samstag, 12. Dezember auf der ÖRK-Vollversammlung in Harare bekannt. Unbestätigten Berichten zufolge seien am 9. Dezember vierzehn Bomben auf den Amtsitz des Oberhirten in Narus (Südsudan) abgeworfen worden. Dabei seien die Kathedrale und eine Grundschule beschädigt worden. ÖRK-Generalsekretär Konrad Raiser geht davon aus, dass die sudanesische Luftwaffe den Angriff ausführte.

Die Sudanesische Volksbefreiungsbewegung (SPLM) vermutet, dass die Bomben eine Vergeltung für Paride Tabans Predigt während eines Gottesdienstes bei der ÖRK-Vollversammlung am 5. Dezember war. Dabei hatte der Bischof vor mehreren tausend Besuchern in einem Fussballstadtion von Harare einen erschütternden Bericht über die Situation in seiner Heimat gegeben und die internationale Staatengemeinschaft aufgefordert, über dem südlichen Sudan eine Flugverbotszone einzurichten. Die Urheber des Konflikts, sagte Paride Taban dabei weiter, sei eine Gruppe von Muslimen, die den Islam als Ideologie der Macht und Unterdrückung missbrauchten.

Nach einem Krisentreffen bei der Vollversammlung forderten Delegierte und Besucher aus dem Sudan den Weltkirchenrat schriftlich auf, sich umgehend für ein Ende des "Völkermords des islamistischen Regimes in Khartum an den Menschen des südlichen Sudans" einzusetzen. Die Kirchengemeinschaft müsse alles tun, um "religiöse Verfolgung, Sklaverei, wirtschaftliche Ungerechtigkeit, politische Unterdrückung und Rassismus" in dem afrikanischen Staat zu beenden. Der ÖRK dürfe sich nicht an der "internationalen Verschwörung des Schweigens" über die Vorgänge im Südsudan beteiligen.

Harare, 12. Dezember 1998
Ökumenischer Rat der Kirchen
Presse-und Informationsbüro