Im Süden des Tschad: Ein neues Ogoni-Drama?

Ölförderung verursacht ökologische und soziale Probleme

11. Dezember 1998

Die in drei Jahren im Tschad beginnende Ölförderung wird für die Bevölkerung im Süden des Landes enorme ökologische und soziale Probleme mit sich bringen. Diese Befürchtung äusserte Julien Beassemda Djebaret, Präsident der Tschadischen Vereinigung für Gewaltfreiheit (ATNV), auf einer Padare-Veranstaltung im Rahmen der Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) in Harare. Das Beispiel Nigeria habe gezeigt, wie wichtig internationaler Druck sei, um eine Verschlechterung der Lebensbedingungen in Ölförderregionen zu verhindern, unterstrich Beassemda.

Ab 2001 will ein Konsortium der Firmen Esso, Shell und Elf jährlich 900.000 Tonnen Öl fördern und durch eine über tausend Kilometer lange Pipeline an die Küste Kameruns pumpen. Viele Menschen seines Landes glaubten noch, dass das Öl auch ihnen Wohlstand bringen werde, berichtete Beassemda. Die bisherigen Erfahrungen seien jedoch anders: Zu Beginn der Prospektion im Tschad seien betroffenen Bauern nur geringe Entschädigungen für Ernteausfälle gezahlt worden. Erst Druck von Umwelt-und Dritte-Welt-Gruppen in Europa und den USA habe Esso zum Einlenken bewegt. Die Firma zahlt nun umgerechnet 1600 Mark statt ursprünglich 10 Mark pro gefälltem Mangobaum.

Im tschadischen Ölfördergebiet sei es im November 1997 und März 1998 zu Kämpfen zwischen Militäreinheiten und bewaffneten Oppositionsgruppen gekommen, bei denen bis zu 300 Zivilisten getötet wurden, berichtete Beassemda. Seitdem sei es in der Förderregion aber ruhig geblieben, sagte der tschadische Menschenrechtler.

In Kamerun habe der Bau der Ölleitung bereits begonnen, berichtete Pfarrer Norbert Kenne vom Ökumenischen Dienst für den Frieden (Yaoundé). Die ökologischen und sozialen Schäden im Siedlungsgebiet der dort lebenden Pygmäen bezeichnete er als verheerend.

Nach Angaben von Amnesty International müssen Gegner des Projektes mit Verfolgung rechnen. So wurde der Parlamentsabgeordnete der Förderregion, Yorongar Ngarlejy, ein profilierter Kritiker des Projektes, im Juli 1998 unter dem Vorwurf der Präsidentenbeleidigung zu drei Jahren Haft verurteilt. In Kamerun sei der Herausgeber der Zeitung ALe Messager@, Pius Niawe, wegen Verbereitung falscher Nachrichten seit Weihnachten letzten Jahres inhaftiert. Amnesty betrachtet beide als gewaltlose politische Gefangene und setzt sich für deren Freilassung ein.

Die Teilnehmer der APadare@-Veranstaltung aus Kamerun, Tschad, der Schweiz und Deutschland vereinbarten, ihre Zusammenarbeit zu vertiefen, um gemeinsam Druck auf das Konsortium und die Weltbank auszuüben, die das Projekt mitfinanziert. Die Kooperation soll es auch ermöglichen, in Krisenfällen schneller und besser intervenieren zu können. 9

Harare, 11. Dezember 1998
Ökumenischer Rat der Kirchen
Presse-und Informationsbüro