Am Türrahmen: 20-C-M-B-06

Auch evangelische Christen freuen sich über den Segen für das Haus

03. Januar 2006

Sternsinger ziehen durch die Straßen der Städte und Dörfer. Sie erinnern an drei Männer, die den neugeborenen Jesus besuchten, und bringen das Zeichen des Segens an den Türen der Häuser und Wohnungen an am Türrahmen: 20-C-M-B-06.

Die Sternsinger sind diese Woche wieder unterwegs durch die Straßen der deutschen Städte und Dörfer: Drei Kinder verkleidet wie Könige, eine Krone auf dem Kopf, einen langen Umhang. Manchmal ist einer dieser Kinderkönige als Farbiger kenntlich gemacht. Of ist auch ein viertes Kind dabei und trägt den anderen drei den Stern von Bethlehem voraus. Die Kinder, die verkleidet durch die Städte und Dörfer ziehen, erinnern an die drei Männer, die nach biblischer Überlieferung, einem Stern gefolgt sind, um das neu geborene Jesuskind zu besuchen und ihm Geschenke zu machen. Der Volksmund bezeichnet sie als "Heilige Drei Könige" und hat ihnen im Lauf der Jahrhunderte die Namen "Caspar, Melchor und Balthasar" gegeben.

Die Sternsinger klingeln an den Häusern und Wohnungen. Nachdem die Tür geöffnet wurde, singen sie Lieder oder erzählen - meist gereimt - die Geschichte der drei Könige. Manchmal bekommen sie dafür eine Spende für einen guten Zweck. Bevor sie sich verabschieden, hinterlassen sie mit Kreide am Türrahmen die Anfangsbuchstaben der königlichen Namen: "C-M-B" - gerahmt durch die Jahreszahl, die gerade Mal wenige Tage alt ist. Manche vermuten, dass die Buchstaben gar nicht auf die Namen der "heiligen drei Könige" zurück gehen. Die Namen der drei, die das neugeborene Kind im Stall von Bethlehem besucht haben, sind zumindest nicht biblisch überliefert. Manche vermuten, die drei Buchstaben sind die Abkürzungen eines lateinischen Satzes: "Christus mansionem benedicat"; ins Deutsche übertragen: "Christus segne dieses Haus." Ob die drei Anfangsbuchstaben des lateinischen Satzes die Initialen der drei Namen bildeten, oder ob aus den drei Initialen nachträglich der Satz konstruiert wurde, spielt keine Rolle mehr: Drei Kinder als Caspar, Melchior und Balthasar verkleidet, bringen den Segen erkennbar in die Häuser und die Wohnungen.

"Das ist doch ein katholischer Brauch," sagen manche, die an der Eingangstür des alten evangelischen Pfarrhauses die verwitterte Segensbotschaft 20-C-M-B-05 sehen. Die Antwort fällt dem Pfarrersehepaar leicht: "Na und? Für uns ist es schön bereits an der Tür zu erfahren, dass Gott auch unsre Wohnung segnen will." Die Kreideinschrift ist ein bisschen verwischt und von den Tagen des vergangenen Jahres verbleicht, außerdem trägt sie die alte - nun vergangene - Jahreszahl. Doch in diesen Tagen kommen die Sternsinger wieder und werden sie erneuern. Sie sind willkommen, nicht weil sie katholisch sind, sondern weil sie den Segen Gottes bringen: "Warum denn sonst hätten wir tagelang die Geburt des Gottessohnes gefeiert, wenn wir jetzt nicht seinem Segen Tür und Tor öffnen?" Und dann steht dort für die nächsten Tage, Wochen und Monate: 20-C-M-B-06!