Mit Geschenken zu Besuch im Stall

Die Geschichte von den drei Sterndeutern aus dem Morgenland

06. Januar 2006

In manchen Bundesländern ist der 6. Januar arbeitsfrei, in anderen gehen die Menschen wie jeden Tag zur Arbeit. Dabei ist der 6. Januar der zweitälteste Feiertag der Christenheit und bei orthodoxen Christen immer noch das eigentliche Weihnachtsfest. Im Westen hat sich das Erscheinungsfest – Epiphanias – mit der Geschichte der "Heiligen Drei Könige" verbunden. Der Volksmund nennt so die drei Männer, die in der Bibel als "Weise" oder als "Magier" bezeichnet werden. Erzählt wird die Geschichte von drei Männern aus dem Osten, die einem Stern folgen, um den – wie sie es selbst ausdrücken – "neugeborenen König der Juden" zu finden. Sie stoßen zuerst auf den damaligen König Herodes, der über die Frage erschrickt. Nachdem er Rat bei denen, die sich in den Weissagungen auskennen, eingeholt hat, schickt er die drei Männer nach Bethlehem. Dort finden sie das Kind in der Krippe, schenken ihm Weihrauch, Gold und Myrrhe und kehren zurück in ihre Heimat, ohne noch einmal bei Herodes vorbei zu schauen. Der, übrigens, trotzdem wenig später nach dem biblischen Bericht alle Kinder in Bethlehem umbringen lässt, weil er Angst hat, vor dem der "nackt und bloß" in der Krippe liegt. Da war Jesus mit seinen Eltern allerdings schon lang geflohen.

Eine spannende Geschichte mit dem zauberhaft-magischen Aspekt, dass drei Männer einem Stern nachlaufen, mit Mord- und Totschlag und mit der seltsamen sozialen Spannung, dass drei vermutlich reiche Männer dieses total verarmte Kind, für das es keinen Platz in der Herberge gab, in einem Stall besuchen. Dass sich um diese biblische Geschichte, deren historischer Kern sich kaum belegen lässt, allerlei Legenden spannen, ist leicht zu verstehen: Im Frühmittelalter setzten sich für die drei Männer die Namen Caspar, Melchior und Balthasar durch und bald danach wussten alle, dass Caspar wohl ein bartloser Jüngling, Melchior ein bärtiger Greis und Balthasar ein Farbiger war. Schon in den Malereien in den Katakomben, in denen sich die Christen bei den ersten Verfolgungen versteckt haben, sind Szenen zu erkennen, wie drei Männer dem Kind in der Krippe begegnen.

Die Geschichte der drei Sterndeuter aus dem Osten ist einer der Belege, wie weit sich Volksfrömmigkeit und biblischer Text auseinander entwickeln können. Der Evangelist Matthäus hat die Geschichte vermutlich erzählt, um von allem Anfang an deutlich zu machen, dass Herodes und die Mächtigen der Juden Angst vor dem Neugeborenen hatten, dass die drei Männer mit ihren drei Geschenken zeigten, dass im Stall in Bethlehem ein König (Gold), der Messias (Weihrauch) und ein Mensch (Myrrhe) geboren wurde, und dass auch Heiden den als Mensch Geborenen als Gott anerkennen. Damit hat Matthäus wesentliche Botschaften seines Evangeliums in der Einleitung vorweg genommen.

Nichtsdestotrotz: Der 6. Januar, das Erscheinungsfest, der Besuch der drei Weisen aus dem Morgenland ist auf jeden Fall noch einmal Weihnachten, noch einmal die Botschaft, dass Gott Mensch geworden ist: "Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude; A und O, Anfang und Ende steht da. Gottheit und Menschheit vereinen sich beide, Schöpfer, wie kommst du uns Menschen so nah."