Eine tiefe Zäsur

Präsident Valentin Schmidt geht in Ruhestand

27. Februar 2006

Ein spürbarer Hauch von Abschied wehe durch das Kirchenamt de EKD. Dies sei Zeichen einer „tiefe Zäsur“ für das Kirchenamt, erläuterte dessen bisheriger Vizepräsident, Hermann Barth, die Situation an den Karnevalstagen 2006 zusammen. Schon das Karnevalslied sage: „Am Aschermittwoch ist alles vorüber.“ In diesem Jahr gelte das auch für das Kirchenamt: Der Präsident des Kirchenamts, Valentin Schmidt, hat am 28. Februar, am Faschingsdienstag seinen letzten Arbeitstag. Nachdem der Jurist und Vater zweier Kinder vor wenigen Tagen 65 Jahre alt geworden ist, scheidet er nach neun Jahren aus diesem Amt aus. Sein bisheriger Vizepräsident Hermann Barth übernimmt die Nachfolge als Präsident und der Jurist Burkhard Guntau seine Aufgaben als Leiter der juristischen Hauptabteilung.

Valentin Schmidt sei „ein Protestant mit fröhlichem Herz, dem in der EKD so manches Lachen zu verdanken ist“, so der Vorsitzende des Rates, Bischof Wolfgang Huber zu seinem Abschied. Die beiden kennen sich sehr viel länger als Schmidt Präsident des Kirchenamts und Huber im Rat ist. Schon 1983 beim vorletzten Deutschen Evangelischen Kirchentag in Hannover sind die beiden sich begegnet: Valentin Schmidt war damals noch bei der Stadt Hannover und Wolfgang Huber im Präsidium des Kirchentags. Beide waren damals die jeweiligen Kontaktpersonen zwischen der Stadt Hannover und dem Präsidium des Kirchentags. So waren die zwei zum Beispiel Ansprechpartner für alle polizeilichen Angelegenheiten – oder wie Wolfgang Huber das rückblickend zusammenfasst: „die Leute mit den guten Nerven“.

In Erinnerung, dass der karnevalistische Name dieses Montags sich darauf beziehe, dass der Papst in früheren Zeiten am vorangehenden Sonntag – dem „Rosensonntag“ eine goldene Rose geweiht und einer „verdienten Persönlichkeit“ überreicht habe, bezeichnete Hermann Barth den scheidenden Präsidenten als „verdiente Persönlichkeit“ und überreichte ihm eine Rose – allerdings in deren „natürlicher Pracht“. Die neun Jahre, die Valentin Schmidt die Dienststelle mit knapp 200 Mitarbeitenden geleitet habe, seien keine goldenen gewesen, aber „reich gefüllte und erfüllte Jahre“. Der Präsident habe mit Geschick und einer bewundernswerter Pflege der persönlichen Beziehungen in dieser Zeit geleitet. Valentin Schmidt habe „dem ewigen Theoretisieren das Bemühen um die praktische Umsetzung, dem Rechtbehaltenwollen das Bemühen um den Kompromiss vorgezogen“.

Als einen „Vertreter einer modernen evangelischen Kirchlichkeit“ bezeichnete der Ratsvorsitzende Valentin Schmidt und der Theologe Hermann Barth bescheinigte ihm, er sei mit einer „unaufdringlichen, aber tiefen Frömmigkeit beseelt“. Bei all seinem Engagement in vielen Handlungsfeldern der Kirche und gerade auch im Bereich der Medien und des Sports habe der „Christ mit Augenmaß für Mitmenschlichkeit und strategische Weitsicht“ – so Wolfgang Huber – nie einen Zweifel aufkommen lassen, dass er die Kirche vertrete.

Über das Präsidentenamt hinaus wird Valentin Schmidt Sportbeauftragter des Rates der EKD bleiben. Dieses Ehrenamt nimmt seine private Begeisterung für den Sport und insbesondere für den Fußball auf. Seit über 40 Jahren ist der gebürtige Hannoveraner treuer Fan von Hannover 96. „Fußball ist die herrlichste Nebensache der Welt, kann aber nie eine Ersatz-Religion sein,“ weiß Valentin Schmidt. Und hat er vor kurzem in einem Interview erklärt, dass manche Gemeinde vom gemeinsamen Singen im Stadion ein bisschen lernen könne, so bescheinigte er den Mitarbeitenden des Kirchenamts zu seinem Abschied, dass er den gemeinsamen Gesang bei der wöchentlichen Andacht am Montagmorgen vermissen werde.