Spitzentreffen mit Muslimen

Ratsvorsitzender würdigt konstruktiven und sehr offenen Dialog

30. März 2006

Es sei ein echter Dialog gewesen, sagte der Vorsitzende des Rates der EKD, Bischof Wolfgang Huber, im Anschluss an die Begegnung mit Spitzenvertretern muslimischer Verbände in Deutschland. „Endlich reden wir nicht nur darüber, dass wir Dialog brauchen, sondern führen ihn tatsächlich.“

Bereits zum zweiten Mal hatte der Ratsvorsitzende führende Vertreter der muslimischen Verbände zum Gespräch eingeladen. Und so waren am vergangenen Mittwoch der neu gewählte Vorsitzende des Zentralrates der Muslime in Deutschland, Ayyub Axel Köhler, der Islamrats-Vorsitzende, Ali Kizilkaya, der Präsident des Verbandes der Islamischen Kulturzentren, Mehmet Yilmaz, der schiitische Ayatollah Seyed Ghaemmaghami vom Islamischen Zentrum Hamburg, der Vorsitzende der Deutschen Muslim-Liga, Michael Muhammed Abduh Pfaff, Hamideh Mohagheghi von der Islamischen Frauenzeitschrift „Huda“ und ein Berliner Vertreter der türkischen Ditib ins Haus der EKD nach Berlin gekommen.

Während im Januar des vergangenen Jahres die Atmosphäre aufgrund öffentlich geführter Auseinandersetzungen um die angemessene Reaktion auf Terroranschläge und ähnliche Themen eher als angespannt beschrieben werden musste, haben die Beteiligten in diesem Jahr weitgehende Übereinstimmung in aktuellen Fragen festgestellt. So hatten sich die muslimischen Verbände zum Beispiel für die Freilassung der im Irak entführten Susanne Osthoff eingesetzt, im so genannten Karikaturenstreit zu Besonnenheit aufgerufen und die drohende Todesstrafe des zum Christentum konvertierten Afghanen Abdul Rahman als unakzeptabel zurück gewiesen. Es sei in dem Gespräch durchaus um konfliktreiche Themen gegangen, aber ohne einen Konflikt zwischen den Gesprächspartnern, erklärte der Vorsitzende der Deutschen Muslim-Liga, Pfaff, beim anschließenden Pressegespräch.

Neben den aktuellen Fragen wurde auch das Fachgespräch zum Thema Bildung ausgewertet, das im Juni vergangenen Jahres stattgefunden hatte. Man sei gemeinsam daran interessiert, dass islamischer Religionsunterricht in deutscher Sprache nach den Vorgaben des deutschen Grundgesetzes erteilt werde, erklärten die Beteiligten. Im Laufe des Jahres solle ein weiteres Gespräch auf Fachebene stattfinden, diesmal zum Thema Familie.

Die Religionsgemeinschaften könnten gemeinsam für das Gemeinwohl der Gesellschaft arbeiten, sagte der Zentralratsvorsitzende Köhler. Die deutsche Verfassung biete eine einzigartige Chance, friedlich zusammen zu leben und die Gesellschaft konstruktiv mit zu gestalten. Auch Ali Kizilkaya, Vorsitzender des Islamrates für die Bundesrepublik Deutschland, würdigte die „fruchtbare Zusammenkunft“. Ein solcher Dialog sei ein wichtiges Signal auch an die Politik, mit der bisher kein vergleichbarer Austausch stattfinde. Der Hamburger Imam Ayatollah Seyed Ghaemmaghami bezeichnete die EKD als Vorreiterin im Dialog mit den Muslimen. Es sei wichtig zu unterscheiden, wo man es tatsächlich mit religiösen Grundsätzen des Islams zu tun habe und wo mit kulturellen Prägungen von Muslimen. Ghaemmaghami plädierte für einen europäisch geprägten Islam befreit von ethischen Traditionen, die sich im Lauf der Zeit in manchen islamisch geprägten Regionen gebildet hätten

Die Begegnungen würden schon fast zu einer guten Gewohnheit, so der EKD-Ratsvorsitzende und kündigte an, auch im nächsten Jahr wieder zu einer Zusammenkunft einladen zu wollen. Er sehe in dem Gespräch, das nun zum zweiten Mal stattgefunden habe, einen echten Fortschritt, auch wenn sich wieder einmal die Einsicht des deutschen Nobelpreisträgers Günter Grass bestätige, dass der Fortschritt die Geschwindigkeit einer Schnecke habe: „Aber manchmal kommt auch eine Schnecke ein ganzes Stück voran.“ Die Ergebnisse müssten bis auf Gemeindeebene „durchsickern“, wünschte sich Ayyub Axel Köhler, „sozusagen bis auf die Kirchenbänke“. „Und auf die Gebetsteppiche in den Moscheen“, ergänzte lachend Wolfgang Huber.