Leben ist willkommen

Bischof Wolfgang Huber zum Osterfest 2006

16. April 2006

Hanna jubelt über die Geburt ihres Sohnes Samuels. Drei Frauen entdecken, dass Jesus auferstanden ist. Ostern ist das eindeutige Zeichen, dass Gott sich für das Leben entschieden hat. Der Ratsvorsitzende der EKD, Bischof Wolfgang Huber, stellt die Auferstehungserfahrung des Osterfest in den Zusammenhang der aktuellen Debatte:

„Frauen weisen uns Christen auf den österlichen Weg; denn sie entdecken als erste das leere Grab. Maria von Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome kamen nach der Schilderung der Evangelien am dritten Tag nach dem Kreuzestod Jesu in der Frühe des Ostersonntags an seine Grabstätte. Sie wollten den Leichnam umsorgen. Ihre Frage, wer den Stein vom Grab für sie entfernen könne, kam zu spät. Denn der Stein war bereits beiseite geschoben; das Grab war leer! Schon bald erschallte es unter den Jüngerinnen und Jüngern: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden.

Frauen weisen den Weg zum Auferstehungsjubel. Sie sind die Botinnen einer Welt, in welcher sich das Leben stärker erweist als der Tod. Frauen verkünden als erste einen neuen Blick auf unsere Welt: Einen Blick, in dem die Hoffnung mehr Raum gewinnt als der Schwermut, der Dank größer wird als die Klage, die Verzagtheit dem Mut zu neuem Leben weicht.

Das Osterfest 2006 erinnert an eine weitere Frau: an Hanna, die Hunderte von Jahren vor der Auferstehung Christi eine ganz persönliche Auferstehung erlebte. Nach langen Jahren, in denen sie unter ihrer Kinderlosigkeit gelitten hatte, wurde ihr erster Sohn Samuel geboren. Durch diese Geburt veränderte sich für Hanna die Welt  Weil sie kinderlos war, hatte sie sich fast als tot empfunden; doch die Welt des Todes verlor ihre Kraft. Gott selbst führte sie durch die Geburt ihres Kindes aus der Welt des Todes heraus. In Jesus Christus und in seiner Auferstehung kommt diese Hoffnung der Hanna für uns alle an ihr Ziel.

Hannas Jubel über ihr Kind und die Osterfreude über das Geschenk neuen Lebens lassen mich erschrecken über die Zahl der Mütter und Väter, die das Leben nicht annehmen können und ein Kind abtreiben lassen. Offenbar trauen sie es sich nicht zu, in unserer Welt ein Kind groß zu ziehen. Die Osterbotschaft ruft, ja rüttelt dazu auf, alles Menschenmögliche dafür zu tun, dem Leben den Vorrang zu geben vor dem Tod und einem neuen Blick auf das Aufwachsen in unserer Welt Raum zu geben.

Der Osterjubel provoziert zu einem neuen Blick auf unsere Welt. Die Osterbotschaft greift weit über das Erleben eines einzelnen Menschen hinaus. Die Auferstehung Jesu Christi von den Toten ist ein Signal zum Aufbruch in eine neue Ordnung des Lebens. Wir alle sind aufgefordert, an ihr teilzunehmen und deshalb daran mitzuwirken, dass jedes Kind willkommen ist.“

Osterbotschaft des EKD-Ratsvorsitzenden

Osterbeitrag des EKD-Ratsvorsitzenden in der Berliner Morgenpost