Nahostkonferenz der EKD in Beirut

Vorhut des Iran steht im Libanon bereit

10. Mai 2006

Junge Frauen im christlichen Viertel von Beirut

„Wenn der Iran militärisch Druck ausüben will, steht die Hizbollah als verlängerter Arm im Libanon bereit", beschrieb Kulturminister Tarek Mitri aus dem Libanon auf der Nahostkonferenz der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am 6. Mai 2006 in Beirut die kritische Sicherheitslage in der Region.

„Wie auch immer der Konflikt um die Nutzung der Nuklearenergie im Iran ausgeht, Libanon wird der Verlierer sein. Mit 40 Milliarden Dollar Auslandsschulden kann das Land eine sich verschärfend Wirtschaftskrise nicht mehr verkraften. Ein Militärschlag gegen Iran würde viele Familien in Beirut tiefer in die Armut treiben. Im Fall eines friedlichen Ausgleichs würde allerdings Syrien gestärkt in die Region wirken. Auch das wäre zum Nachteil des Libanon.“

Der Kultusminister sprach auf der Jahrestagung von kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus Auslandsgemeinden der EKD in der Region des Nahen und Mittleren Ostens. Vom 2. bis 8. Mai erörterten sie, wie die Gemeinden deutschsprachiger Christen in überwiegend muslimischen Ländern Heimat darstellen können. Dabei spielten auch die zunehmenden Spannungen zwischen Christen und Muslimen eine Rolle.

Kulturminister Tarek Mitri verzeichnete nach dem Abzug Syriens aus dem Libanon eine Verunsicherung des schiitischen Bevölkerungsanteils. „Während vor zwei Jahren Dialog noch zum guten Ton zwischen den Religionsführern gehört hat, hat die Regierung nun deutlich Schwierigkeiten, die Gesprächspartner an einen Tisch zu bekommen.“ Er beklagte vor allem das Fehlen eines Alltagsdialogs. „Meine Generation sah es noch als selbstverständlich an, dass Muslime und Christen gemeinsam zur Schule gehen. Das ist schon für unsere Kinder die Ausnahme.“ Es fehle derzeit an Initiativen aus der Wirtschaft, gemeinsame christlich-muslimische Unternehmen zu starten. „Auch nach dem Bürgerkrieg geht noch eine unsichtbare Grenze mitten durch Beirut als ob es eine Mauer gäbe.“

„Es wird schwerer gute Bedingungen für den interreligiösen Dialog zu erhalten“, bedauerte Oberkirchenrätin Cornelia Coenen – Marx. „Dafür sind persönliche und qualifizierte Beziehungen unabdingbar. Deshalb bleiben die Auslandsgemeinden wesentliche Säulen der EKD vor Ort.“ Auf der jährlichen Nahostkonferenz wurde auch über eine Neuorientierung der finanziellen Unterstützung beraten. Besonders an der türkischen Südküste und in den Ländern des Persischen Golfes müssen zusätzliche Mittel bereitgestellt werden. Die EKD wolle verstärkt auf die veränderten Urlauber- und Entsandtenströme reagieren. Ziel sei, dass die evangelische Kirche auch im Ausland unmittelbar erfahrbar bleibe. Das erfordere für die neuen Zuzugsgebiete besondere Anstrengungen.“