Saladin und die Kreuzfahrer

Konfrontation und Austausch - Orient und Okzident treffen einander

29. Mai 2006

Ein Christ und ein Muslim spielen gemeinsam Schach (unser Bildausschnitt), ein strategisch-taktisches Spiel gegeneinander, aber auch ein höchst genussreicher Zeitvertreib miteinander. Interessant ist die Zeit, in der die beiden so unterschiedlichen Männer unter dem Dach eines Beduinenzeltes zusammen saßen: Inmitten einer Zeit blutigster Kriege – die Zeit der Kreuzzüge im heiligen Land zwischen 1099 bis 1291. Das Schachspiel genoss im höfischen Leben des Orients einen hohen Stellenwert und in der zweiten und dritten Generation der Kreuzfahrer im Orient waren Treffen zwischen Muslimen und Christen zum gemeinsamen Schachspiel keine Seltenheit.

Neben der Konfrontation gab es also immer wieder Zeichen des Austausches beider Kulturen. Trotzdem – Tausende Christen und Muslime ließen ihr Leben auf dem Weg nach Jerusalem und während der Belagerungszeit der Kreuzritter im Heiligen Land.

Im Jahre 1095 soll Papst Urban II. auf dem Konzil von Clermont die christliche Ritterschaft aufgefordert haben, einen Kriegszug in den Osten anzutreten. Aufgerufen hatte er lediglich dazu, den Byzantinern gegen die Türken zu Hilfe zu kommen. Daraus entwickelte sich schnell die Forderung nach Rückeroberung der heiligen Stätten im Orient. Aus dem Appell wurde ein Buschfeuer. Der Nachlass der Sünden für den der „das Kreuz nahm“ und die Anprangerung des Morgenlandes als moralisch verderbt, verhieß einen „gerechten“ Krieg.

Als äußeres Zeichen für ihr Gelübde, in den Kampf gegen die Heiden zu ziehen, sollten die Ritter sich ein Stoffkreuz auf ihr Obergewand nähen – die Idee des „Kreuz-Zuges“ war geboren. Der wohl bekannteste Kreuzfahrer war Richard Löwenherz, der im Jahre 1190 ins heilige Land zog. Ihm gegenüber stand im dritten und größten Kreuzzug Sultan Saladin, eine Schlüsselfigur in der Auseinandersetzung von Okzident und Orient. Rivalität und Respekt wechselten sich ab zwischen den beiden Kriegsführern. Als Richard krank wurde, schickte Saladin ihm Medizin.

Die Ausstellung „Saladin und die Kreuzfahrer“, die derzeit im Landesmuseum Natur und Mensch in Oldenburg zu sehen ist, zeigt in eindrücklicher Weise, dass kein Krieg „gerecht“ oder „heilig“ ist. Neben der Grausamkeit der Kreuzzüge zeigt sie, dass neben Kampf und Tod auch Austausch und Begegnung stehen kann, was sich in der damaligen Zeit in künstlerischer Hinsicht und im Alltagsleben zeigte.

Zahlreiche Leihgaben aus Museen wie dem Islamic Art Museum Safat in Kuwait, dem Nationalmuseum Damaskus, dem Musee du Louvre Paris oder dem Museum für Islamische Kunst in Berlin legen Zeugnis über eine gegenseitige Befruchtung und oft auch Ähnlichkeit beider Kulturen ab.

Eine sehenswerte Ausstellung, die zeigt, dass es lohnt, sich an einen Tisch zu setzen - so wie die beiden Schachspieler vor über 800 Jahren.

Die Ausstellung läuft im Landesmuseum Natur und Mensch in Oldenburg noch bis zum 2. Juli 2006 und ist danach im Reiss Engelhorn Museum in Mannheim zu sehen.

Landesmuseum für Natur und Mensch
Damm 38-44
26135 Oldenburg
Tel. 0441-9244-300

Ausstellung "Saladin und die Kreuzfahrer" im Internet

Landesmuseum Natur und Mensch in Oldenburg