Gibt es einen "Fußballgott"?

Miteinander feiern, ohne Hass und Gewalt

09. Juni 2006

Auf den heutigen Tag haben viele hingefiebert. Nun wird es spannend. Welchen Verlauf wird die WM nehmen? Wird Deutschland bis ins Finale kommen? Und dann mit einem anderen Ergebnis als vor vier Jahren? Und plötzlich reden manche vom „Fußballgott“.

Von Gott im gleichen Atemzug mit Fußball zu reden, liegt nahe. Die Fans richten hohe Erwartungen auf ihre Mannschaft. Spieler erleben himmlisches Getragensein genauso wie tiefste Enttäuschung. Das sind religiöse Themen. Da ist es gut, wenn Fußballer Halt im Glauben suchen.

Manche Fußballspieler bekreuzigen sich, wenn sie aufs Spielfeld kommen. Im Torjubel recken sie ihre Hände zum Himmel; ihre Freude richtet sich nicht nur an die Fans, sondern auch an Gott. Gelegentlich berichten sie auch in Interviews, was ihnen Halt gibt.

So machen sie deutlich: Glauben ist nicht nur Privatsache, er gehört mitten ins Leben. Das Gebet zeigt, dass niemand das Leben vollständig in der eigenen Hand hat – und damit auch nicht den Erfolg. Jeder Erfolg setzt mehr voraus als nur menschliche Anstrengung. So betrachtet, passen der Dank an Gott und der Jubel über ein Tor zusammen.

Halbherzig lässt sich mit einer Fußball-WM nicht umgehen. Denn Fußball ist ein starkes Stück Leben. Das werden  die kommenden Wochen zur Genüge zeigen. Doch Gott lässt sich auch durch das Beten nicht auf die eigene Seite ziehen. Das Gebet kann niemals den einen gegen den anderen Fan, die eine gegen die andere Mannschaft ausspielen. Jesus sagt vielmehr: „Was ihr mich bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun.“ Nicht jede unserer Bitten nimmt er an – „in seinem Namen“.

Einen Fußballgott gibt es so wenig wie einen Tennis-, Formel I- oder Wettergott. Dass ein besonders begnadeter Spieler wegen seiner überragenden Spielweise als „Fußball-Gott“ bezeichnet wird, ändert daran gar nichts. Auch der „Flanken-Gott“ ist nur ein Mensch. Ein Sieg bringt noch nicht in den Himmel; und bei einer Niederlage geht die Welt nicht zu Grunde.

Gottes Name steht für die Fülle des Lebens. Fußball kann erfüllen. Ein Fußballspiel ruft ein ganzes Panorama an Gefühlen wach. All diese Gefühle dürfen wir vor Gott bringen; aber wir erhalten sie verändert zurück. Und auch für den Fußball gilt: „Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.“

Die Schwächen unserer Zeit sind dem Fußball nicht fremd. Vor allem Personenkult und hemmungslose Vermarktung gehören dazu. Das würde Jesus nicht gutheißen. Aber er würde sich über faire Spiele freuen; denn er stellte sich auf die Seite der Gerechtigkeit. Er würde jeder Unterdrückung entgegentreten – auch wenn Fußbälle oder Fußballschuhe unter ausbeuterischen Bedingungen hergestellt werden. Bestimmt werden Fans sich im Sinne Jesu begegnen, wenn sie miteinander feiern, ohne Hass und Gewalt. Darauf kann man hoffen und sich auf die WM freuen, die nun endlich beginnt.