Kämpfer an zwei Fronten

Der evangelische Liederdichter Philipp Nicolai wurde vor 450 Jahren geboren

09. August 2006

Ein unbeschwertes Leben hat Philipp Nicolai nicht gehabt. Flucht, Wirken im Untergrund und der Kampf gegen nach seiner Ansicht verkehrte Glaubensweisen kennzeichnen den Weg des evangelischen Liederdichters, der vom Dorf Mengeringshausen in Nordhessen bis in die Kirche Sankt Katharinen in Hamburg führte. Kirchen in Deutschland sind heute nach dem Mann benannt, der vor 450 Jahren - am 10. August 1556 - geboren wurde. Bekannt wurde Nicolai vor allem durch die von ihm selbst komponierten Kirchenlieder "Wie schön leuchtet der Morgenstern" und "Wachet auf, ruft uns die Stimme".

Der Sohn eines Pfarrers, der seine Schulzeit an verschiedenen Orten zubrachte, studierte wie seine drei Brüder Theologie. Von 1575 bis 1579 war er an den Universitäten in Erfurt und Wittenberg eingeschrieben. Das Studium ermöglichte ihm der Graf von Waldeck.

Mit 25 wurde Nicolai Pfarrer im westfälischen Herdecke, von wo er aber 1586 im Zuge der Gegenreformation vertrieben wurde. Eine Zeit lang wirkte er dann in Köln im Untergrund in der dortigen evangelischen Gemeinde, bevor ihn der Graf Franz zu Alt-Wildungen 1587 als Hofprediger und als Erzieher des jungen Grafen Wilhelm Ernst zu Waldeck berief.

Als Theologe kämpfte Nicolai an zwei Fronten. Er wandte sich nicht nur entschieden gegen den Katholizismus, sondern wetterte auch gegen die reformierten Christen, die der Lehre des Reformators Johannes Calvin folgten. Unter anderen lehnte Nicolai das calvinistische Verständnis des Abendmahls heftig ab. Er wollte allein Luthers Lehre vom wirklichen Leib und Blut Christi in Brot und Wein gelten lassen.

1596 wurde Nicolai nach Unna berufen, wo kurze Zeit nach seinem Amtsantritt die Pest ausbrach. Er stand seinen Gemeindegliedern in dieser schweren Zeit unerschrocken bei und blieb von der tödlichen Krankheit verschont. Zum Trost für die Leidtragenden schrieb er 1599 das Buch "Freudenspiegel des Ewigen Lebens", in dem Texte und Melodien seiner beiden Lieder enthalten sind.

1601 wechselte er als Hauptpastor an die Hamburger Kirche Sankt Katharinen. Auch hier breitete sich die Krankheit aus. 1608 starb Nicolai in der norddeutschen Großstadt.

Erhalten geblieben ist sein Name nicht nur als Komponist und Dichter von Kirchenliedern. Philipp Nicolai wurde auch Namensgeber für Kirchen, Schulen oder diakonische Einrichtungen. In der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck wird seit 1999 für herausragende musikalische Leistungen als höchste Auszeichnung eine "Philipp-Nicolai-Medaille" verliehen.